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17.06.20 / 20.07.11 Poppers kritischer Rationalismus überladen?

Poppers Falsifikation bleibt “richtig”

Es berichtete Sibylle Anderl, FAZ, 13.04.11, S.N4 unter „Im Kern der Dinge, Philosophen und Physiker in gemeinsamer Klausur“ über ein 10tägiges Zusammentreffen von Teilchenphysikern und Philosophen. Bei dieser Gelegenheit hat Paul Hoyningen-Huene ausgeführt, Falsifikation sei im „strengen“ Popperschen Sinne gar nicht möglich. „Da man nie ausschließen kann, dass die zu testende Hypothese von Variablen abhängt, die man innerhalb des Tests nicht berücksichtigt, könne das Konzept der Falsifikation nicht einlösen, was es verspricht“ (*). Irgend etwas ist in den falschen Hals geraten oder Popper hat sich außerdem zu Themen/Fragen geäußert, die nun zur falschen Schlussfolgerung verleiten oder gar vom Kern ablenken.

Falsifikation nach Popper

Sinngemäß: Eine Theorie gilt als richtig, wenn es nicht gelingt, sie zu widerlegen. Versagt Falsifikation (im Lauf der Zeit immer wieder), steigt die Wahrscheinlichkeit der Richtigkeit einer Theorie. Also kann/muss genau das versucht werden, statt Richtigkeit durch eine Folge von zutreffenden Beispielen zu belegen. Was Pooper meint, ist durch das Raben-Gleichnis anschaulich dargestellt. Ob dieses Vorgehen „streng“, „kritisch“, „vernünftig“ oder „rational“ ist, bleibt unerheblich. Entscheidend ist, dass die Logik stimmt. Popper hat im Übrigen konzediert, dass Erkenntnisse oder “erfolgreiche” Theorien falsch sein können, obwohl dies nicht wahrgenommen/erkannt wird. Also kann auch das Ergebnis eines Falsifikationsversuches falsch sein, obwohl von der Richtigkeit ausgegangen wird.

Die Theorie „alle Raben sind schwarz“ ist widerlegt, wenn auch nur ein einziger weißer Rabe gefunden wird. Meist folgt im Zeitablauf dann die Modifikation der Theorie. Hier also etwa in „Raben sind schwarz“, was Popper nicht gelten lassen wollte, gleichwohl eine sinnvolle Reaktion ist. Ist „Raben sind schwarz“ eine richtige Theorie, dann ist impliziert, dass „ab und zu“ doch ein weißer Rabe wahrgenommen wird. Eine Abfolge verschiedener Theorien mit Relativierungen wie „fast immer“ bis „selten schwarz“ ist denkbar. Jede dieser Theorien wäre falsifizierbar, vorausgesetzt die Begriffe meist, häufig, usw. wären hinreichend genau definiert und die Prozedur des jeweiligen Falsifikationsprozesses wäre methodisch sauber (genug) angelegt und ausgeführt.

Sicherlich ist relativ unbedeutend, eine Theorie wie „Raben sind häufig schwarz“ dem Fasifikationsversuch zu unterziehen. Anders jedoch im Fall einer Theorie wie der erwähnten „alle Raben sind schwarz“; denn diese ist eine apodiktische Aussage, sehr häufig in der Absicht so formuliert, ganz bestimmte vorgedacht-gewollte, weitergehende Handlungen (Entscheidungen) zu begründen. „Kein Kunde kauft, weil unsere Preise zu hoch sind“; der Vertriebsleiter hat dieses Erkenntnis-Interesse, weil er vom Geschäftsführer die Genehmigung will, die Preise zu senken, denn es lebt der Vertrieb dann „bequemer“. Die gewünschte Genehmigung bekäme der Vertriebsleiter mit geringerer Wahrscheinlichkeit, wenn er formulierte „Den Kunden sind unsere Preise zu hoch“.

Die Methode eine Theorie durch erfolglose Falsifikation zu bestätigen, ist also im Fall von bestimmten Erkenntnis-Interesse hilfreich, weil damit fehlerhafte Prämissen logisch, anschaulich und damit einfach aus dem jeweiligen Diskurs eliminiert werden.

Hoyningen-Huene liegt falsch

Das o.a. Zitat (*) von Hoyningen-Huene ist eine unlogische Aussage. Bei der Formulierung einer Theorie, „Hypothese“ oder Aussage und ihrer interpersonellen Kommunikation muss der Variablensatz des Phänomens Gegenstand sein. Wenn - etwa aus Irrtum - eine Variable in der formulierten Theorie nicht vorkommt, kann sie auch beim Falsifikationsversuch nicht berücksichtigt werden. Bleibt eine ausdrücklich erwähnte und berücksichtigte Variable bei der Falsifikation auch nur irrtümlich unberücksichtigt, ist das Ergebnis des Falsifikationsversuches schon aus Vorsicht als irrelevant zu betrachten.

Hoyningen-Huene hat auch Physik studiert; bezüglich der Teilchenphysik weiß der Philosoph also, wovon er spricht. In dem Beitrag wird das o.a. Zitat aber als allgemein gültige Aussage gebracht und dargestellt.

In den LN geht es um reale, praktische Politik. Das Problem der Unwissenheit auf das der Philosoph in dem o.a. Zitat anspielt, besteht ohne Zweifel allgemein. Das Prinzip der sozialwissenschaftlichen Umbestimmtheit kommt hinzu. Die Konsequenz daraus ist allerdings „lediglich“ die Sinnhaftigkeit von Demut und Vorsicht; nicht aber, dass Handlungen (gar) nicht stattfinden sollen. Handeln werden die Menschen immer – auch als Konsequenz bzw. auf der Basis falscher Erkenntnisse und Einsichten. Ziel muss sein, insofern den Anteil von Fehlhandlungen zu vermindern.

Die von Popper „erfundene“ Methode der Falsifikation bleibt richtig.

Popperianer zu sein, weil der ein gebildeter Mensch war, seine Sprache unübertroffen “schön” ist und die Haltung daher als “schick” empfunden wird, ist sicherlich kein hilfreiches Verhalten. Popperianer sollten es der nackten Prinzipien wegen sein.

Konfusion ist wohl dadurch entstanden, dass Popper, wie viele, einmal das Prinzip erkannt und formuliert, darum herum zusätzliche Argumente und Ideen geliefert hat. Vielleicht in der Absicht dem Konstrukt mehr Gewicht zu verleihen. Dadurch wird das Gesamtwerk angreifbar. Bei der Befassung mit der praktischen Politik aber geht es darum, die viel zu häufigen apodiktischen Aussagen aus dem Diskurs zu eliminieren und darum, der schlechten Mode vom Einzelnen auf das Ganze zu schließen, den Garaus zu machen, weil im Getummel der Branche beides nur manchmal „von alleine“ vergeht.

Denken wir an unsere Alleswisser und an unsere Besserwisser. „linkes“ und „rechtes“ Erkenntnisinteresse sind in gleicher Weise schädlich. Aber Fehler wird es immer geben. Soziales und biologisches Erschießen Einzelner sind aus liberaler Sicht auch deswegen unzulässig.
 

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