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20.07.26 / 29.03.17, 14:00
Das liberale Menschenbild im sozialen Kontext
Der Bestand des liberalen Menschenbildes setzt voraus, dass jeder Einzelne neben seinem eigenen Menschenbild die Pflicht erfüllt, (auch) das des je Anderen zu akzeptieren, zu schützten und ggf. gar zu fördern. Das liberale Menschenbild kann nur, also muss, von Reflexibilität geprägt (bestimmt?) sein.
Das ist kein neuer Gedanke, denn “ ... den Nächsten wie
Dich selber”, wurde nach herrschender Meinung bereits von Jesus Christus in Stein gemeißelt. Über den Ursprung, die Quelle des liberalen Menschenbildes wurde allerdings schon immer - etwa Moses - nachgedacht.
Es trägt das “... Wie-Dich-Selber”, zwar nicht das Merkmal reflexiven Nachdenkens, beruht aber immerhin auf spiegelbildlicher, eben
selbstverständlicher Gegenseitigkeit und bejaht impliziert (schließt ein), das andernfalls vernichtbare, “Ich” des je Nächsten. Die Aussage aus der Zeitenwende war (dennoch) ein (weiterer) Fortschritt.
Dass es mit der Umsetzung des “ ... den Nächsten wie Dich
selber” seit eh und je hapert, wird allgemein - leider mit Achselzucken - weitgehend unreflektiert akzeptiert. Dies ist vermutlich auf die verabsolutierte Aussage zurückzuführen, denn “ ... wie
(im Sinne von “genau so”) Dich selbst” ist ein unerreichbarer Idealtypus, der auf Tages-Realität projiziert, Heuchelei und Unredlichkeit jedermann (persönlich) laufend vor Augen führen müsste und muss. Die politischen Konsequenzen sind bekannt (1).Kann diesbezüglich nachgebessert
werden? Formal durchaus. Real? “... wie
Dich selber” ist, wie notiert, extrem und negierte bei genauem Hinsehen, konsequent, eben unreflektiert angewendet, sogar den angeborenen Überlebensinstinkt des Menschen, relativierte (und negierte) damit ggf. letztlich einen Teil der Qualität der “zugestandenen” (!) Menschenwürde
(2).
Da die Wertigkeit der menschlichen Individuen nicht
unterschiedlich sein kann, gilt für jedermann unerbittlich die gleiche Qualität von Würde: Etwa Autonomie wie Meinungs- samt Redefreiheit, aber Manches mehr.
Die Aussage “meine Freiheit muss mit der des Anderen KOMPATIBEL (verträglich) sein”, lässt sich einfacher operationalisieren als “ ... wie ich selber”. weil
das Problem der unredlichen Heuchelei, damit Relativierung etwa von Menschenwürde zusätzlich auf das zwischenmenschliche Beziehungsgefüge bezogen wird. Dies kann allerdings nur gelingen, wenn die Menschenbild-Praxis auch in den Fällen
überzogener (mathematisch: überbestimmter), stets unverzichtbarer Rechtsordnung (Gesellschaftsvertrag)
noch genügend Selbstbestimmung des Einzelnen akzeptiert und gefördert wird.
-- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- (1) s.a. politische Sprache, mediale Dysfunktion, Shitstorm, Verelendungsstrategie, Glaube wider Rationalität, politischer Darwinismus, internationale Gewalt, Pseudochristen, Nationalismus ... Woher soll heute gewusst werden, was genau Christus gemeint hat, als er das “Wie-Dich-Selber” formulierte? Es bleibt dem Einzelnen nichts anderes übrig als selbst auszulegen. Damit aber beginnen huechelei und Unredlichkeit.
(2) Die Aussage ist nicht widersprüchlich, sondern ist Konsequenz der Selbstreflexion. siehe evntuell sowi Unschärfe.
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