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30.10.19

 

Deutschland: mehr Europa als deutsch

 

Die goldene Bulle, Nürnberg und Metz, 1356

Die Bulle gilt als genuin der Mentalität in Mitteleuropa angepasste, von Menschen notierte, aber nicht entworfene, Verfassung des “Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation”. Das Gebilde war so stabil, dass es erst nach Wirren im Ausland, nämlich der französischen Revolution und durch das Wirken von Napoleon 1806 geschlossen wurde. Die Bulle war damit obsolet (1).

Luthers 95 Thesen, Wittenberg, 31.10.1517

Zwar hat die Reformation spezifisch deutsch begonnen, wurde aber alsbald ein europäisch wirksames Ereignis. Daher werden Luthers 95 Thesen außerdem als Dokument der Europäischen Geschichte geführt.

Die Reformation gilt weithin als religiöses Ereignis, weil Luther die Bibel anders interpretierte als die herrschende Lehre des Vatikan. Die Abspaltung eines Teils der Christenheit von der Herrschaft des Vatikan, war für die Machthaber in Rom ein böses Ereignis mit politischen Folgen Jahrhunderte später, etwa dem sog. 30jährigen Krieg und bis weit in das 20. Jahrhundert. Als Mönch war die Kirche für Luther unvermeidlich das Zentrum des Universum. Schon die Durchsicht der 95 These zeigt jedoch die ökonomischen und eben politischen Wurzeln der erfolgreichen Lutherischen Reformationsbewegung. Immerhin hatte der Vatikan zu jener Zeit enormen Finanzbedarf, wodurch weltliche Herrscher an Macht einbüßten. Ca. 25 Jahre nach dem Gespräch mit dem jungen Karl V wurde eine Gegenreformation ausgerufen und alsbald brach die Zeit der Aufklärung aus. Danach war der kirchliche Absolutismus gebrochen und das Kampf-Christentum nach zahlreichen vor allem gewaltsamen Wirren eingehegt. 

Westfälischer Friede, Münster, Osnabrück, Nürnberg, 1648-50

Kriege werden seit dem Archaikum im materiellen Interesse geführt. Nach der islamischen Expansion, der Reaktion mit den Kreuzzügen, war der 30jährige, 1618-48, der dritte Krieg unter dem Vorwand rechter Lehre. Die Verbissenheit der Auseinandersetzungen ist angesichts der vergleichsweise Schwammigkeit jeder Lehre nachvollziehbar. Nicht einmal das jeweilige Kriegsziel ließ hinreichend genau definieren. Der 30 jährige Krieg von 1618-48 endete aus Erschöpfung aller Parteien, die schließlich wegweisend vernünftig handelten. Als Folge kamen Liberalismus und Aufklärung. Erst im 20. Jahrhundert gab es erneut stark ideologisch motivierte Kriege.

Kritik der reinen Vernunft (1781/1787), Immanuel Kant
Die Räuber (1781) und Wilhelm Tell (1804), Friedrich Schiller
Faust (1808 und 1831), Johann Wolfgang Goethe,

Der Professor, der Aktivist und das Mitglied des Staatskomplexes, also Menschen so unterschiedlicher sozialer Schichten und Rollen, schrieben die erwähnten Werke in Zeiten des naturwissenschaftlichen, intellektuell-europäischen Aufbruchs, den die Aufklärung auslöste. Damals an der Schwelle der sog. Moderne 

Das kommunistische Manifest, London, 21.02.1848
Das Kapital, 1864-1894, Friedrich Engels und Karl Marx
,

Die Postulate von Marx und Engels sind ein Irrweg, der in der Sackgasse endet. Karl Marx hat vergeblich gelebt. Gleichwohl ist verständlich, dass “Marxismus” entstehen konnte :

  1. Die Landflucht in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts transportierte Elend in die Städte, die obendrein massiert wie Schaufenster wirkten. Etwa Fourier und Proudhon hatten bereits - aus Sicht des Deutschen vom Volk der Dichter und Denker unvollkommene - erste Schritte zur Formulierung von Sozialismus unternommen.
  2. Die Erkenntnisgewinne in Physik (Maxwell) und Chemie nährten Hoffnungen, künftig die Kausalität von Prozessen (Vorgänge) aller Art umfassend zu verstehen. Widersprüche seien nicht die Folge unvollkommener Wahrnehmung, sondern von idealistischem Fehldenken. Konsequent materialistisches Denken, sei daher geeignet Fehlschlüsse zu überwinden und also Sozialismus folglich wissenschaftlich sauber zu begründen.
  3. Als Einstein, Heisenberg und andere darlegten, Kausalität sei nicht, bestenfalls nur näherungsweise wahrnehmbar, hatte Marx, durch den “Widerstand des Kapitals” zusätzlich befeuert, auf Basis (seiner) neuen Gewissheiten bereits abgehoben. Die Psychologie kam zu spät, um die noch heute nachhaltig wirksamen, entsprechend einschlägigen Engramme (2) zu vermeiden und so weit sie dennoch neu entstehen, wieder zu tilgen. Sozialismus ein psychologischer Problem wie Stahlwolle chaotisch.

Ob der intellektuelle Unfall des Marxismus als unvermeidbare die Folge zu schneller naturwissenschaftlicher Fahrt mit beträchtlichem Schaden zu qualifizieren ist, bleibt heute ein sicherlich müssiges Unterfangen.

Paulskirchenverfassung, Frankfurt am Main, 28.03.1849

Die Verfassung des Aufbegehrens. Nach der Rebellion der Studenten (Urburschenschaft, 1815 und Burschenschaft mit dem Wartburgfest 1817) war die Französische Revolution immerhin 60 Jahre später und zunächst für kurze Dauer sogar bei der breiten Öffentlichkeit in Deutschland angekommen.

Bismarcksche Reichsverfassung, Berlin, 16.04.1871

Die Verfassung des Siegers

Weimarer Verfassung, Weimar, 11.08.1919

Die Verfassung der Ernüchterung und des vernünftigen Aufbruchs in spätere Jetztzeit, beispielsweise die des 30.10.2019.

Otto Wels, Reichstag, Berlin, 23.03.1933

Mit noch heute bewegenden Worten begründete der Abgeordnete weshalb die SPD ablehnte, dem Ermächtigungsgesetz zuzustimmen, das im Reichstag auf Initiative der Nationalsozialisten beschlossen wurde. Am gleichen Tag begann noch aus der Sicht von 2019 die deutsche Geschichte der Gegenwart, die sogenannte Zeitgeschichte. Die Jahre des NSdAP-Regimes endeten erst im Mai 1945 und wirkten - objektiv betrachtet - noch lange im 20. Jahrhundert weiter. Etwa der völkerrechtliche Abschluß fand mit der Wiedervereinigung, d.h., am Tag davor, dem 02. Oktober 1990 statt. Ob das Trauma der sozial-psychologischen Bewältigung heute gelungen ist, steht unter Streit; hierbei ist die Begründung mit “die Verantwortung vor der Geschichte” kein gutes Argument, denn historische Verantwortung trägt jedes Volk(3) ohnehin und zwar auf Dauer.

Kapitulation der Wehrmacht, Reims, 07.05.1945

Von Reichspräsident Dönitz autorisiert, unterzeichnete Alfred Jodl den von den Alliierten Siegern verfassten kurzen Text. Am nächsten Tag auch Wilhelm Keitel in Berlin-Karlshorst.  18 Monate später wurden gegen Jodl, Keitel und andere Todesurteile vollzogen. Die Selbsttötung der obersten NAZI-Führung wurde eine implizite Anerkennung ihrer schweren Schuld. Ein schauerlicher Höhepunkt - mitnichten ein gaulandscher Fliegenschiss - deutscher Geschichte war überwunden.

Es begann alsbald die Nachkriegszeit, die Zeitgeschichte von heute.

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(1) Es wäre interessant zu prüfen, welche Elemente noch heute, weitere 200 Jahre später, zur mitteleuropäischen Rechtsordnungen gehören. Ein Knaller wäre, wenn solche Elemente angesichts von Intellektuellen wie Goethe, Kant und Schiller in der Werte- und Prozesspolitik der zeitgenössischen Sog.Grünen besonders stark ausgeprägt die Jahrhunderte überlebt hätten.
(2) wenige Individuen sind gefeit, eine Chance als Wohltäter und Retter der Menschheit in die Geschichte einzugehen nicht zu ergreifen. Die verbreitete Überheblichkeit in der Gattung der Dichter und Denker förderte schon früher die Neigung der Besserwisserei, Hinzu kommt, dass - nicht nur in Deutschland wirksam - die Aussicht auf sozialen Aufstieg als Belohnung verleiht, gut nach zu vollziehen, dem Impetus des typischen Avantgardisten Schubkraft. 
(3) im Sinn von Gesellschaft
 

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