L i b e r a l e N o t i z e n
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Sammlung Originaldokumente in http://www.liberale-notizen.de |
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Russland-Krise, Rede von Christian Lindner im BT am 27.02.2022 Frau
Präsidentin! Liebe
Kolleginnen und Kollegen! Es ist Krieg in Europa. Was Geschichte war, ist
Gegenwart geworden. Es ist Krieg in Europa. Der 24. Februar 2022 trennt das
Vorher vom Nachher. Es reicht nicht mehr, über Freiheit und die Werte des
Grundgesetzes, über internationale Zusammenarbeit und Solidarität zu reden.
Jetzt ist die Zeit, die Werte des Grundgesetzes – Freiheit und internationale
Solidarität – zu leben. (Beifall bei der
FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNIS-SES 90/DIE
GRÜNEN) Russland hat
einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine begonnen. Das ist
das Ende aller Hoffnung auf Frieden, und es ist auch das Ende aller Illusionen
über Putins Russland. In dieser Zeit der Entscheidung ist Klarheit gefordert,
wo wir stehen: Wir stehen in Solidarität an der Seite der Ukraine. (Beifall bei der
FDP, der SPD und der CDU/ CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNIS-SES 90/DIE
GRÜNEN und der LINKEN Was haben wir
hier gerade gehört? Was für ein Bild der Gründe, warum es zu diesem Krieg
gekommen ist? Sagen wir es in
aller Klarheit: Putin hat die Ukraine angegriffen, weil sich ein souveräner
Staat in freier Selbstbestimmung dafür entschieden hat, seinen Weg nach
Westen zu gehen. (Beifall bei der
FDP, der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Die Ukraine ist
ein souveräner Staat, und sie hat von ihrem Recht Gebrauch gemacht, über ihre
Zukunft zu entscheiden. Sie hat sich gegen Autoritarismus entschieden. Sie
hat sich für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit entschieden – und dafür ist
sie angegriffen worden. (Beifall bei der
FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Der Angriff auf
die Ukraine ist deshalb nicht nur der Überfall auf einen souveränen Staat. Es
ist ein Angriff auf eine Werteordnung. Es ist ein Angriff auf uns alle. (Beifall bei der
FDP, der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wir waren und
sind solidarisch mit der Ukraine, gemeinsam mit unseren Partnern in der
Europäischen Union und im Kreise der G 7. Deutschland hat in der
Vergangenheit erhebliche finanzielle Mittel zur Unterstützung der Ukraine
bereitgestellt, und das werden wir fortsetzen. Schon in dieser Woche werden
wir im Kreis der G-7-Staaten beraten, was an zusätzlicher Hilfe nötig ist. Wir sind aber
zugleich auch entschlossen: Wir ziehen diejenigen mit den Mitteln des Rechts
zur Rechenschaft, die Verantwortung dafür tragen, dass das Völkerrecht
gebrochen wurde. Wir werden Russland isolieren – wirtschaftlich, finanziell
und politisch. (Beifall bei der
FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN) Wir treffen
Russlands Banken. Wir treffen Russlands Oligarchen. Wir treffen Russlands
Wirtschaft. Die Sanktionen, die wir beschlossen haben, sind auf Dauer angelegt.
Wir brauchen einen langen Atem. Wir haben diesen langen Atem. Diese
Sanktionen werden negative Auswirkungen auch auf uns haben. Aber wir sind
bereit, diese negativen Auswirkungen zu tragen; denn sie sind der Preis der
Freiheit. (Beifall bei der
FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN) Die
Bundesregierung unternimmt alles, um maximalen Druck auf Putin auszuüben und
zugleich eine Schwächung unserer Position zu begrenzen. Erstens. Wir haben sorgfältig, unter Federführung des
Kanzleramtes, an finanziellen Sanktionen gearbeitet, die Putin keinen Vorwand
bieten, notwendige Rohstofflieferungen auszusetzen, die auf der anderen Seite
aber erreichen, dass es mit Russland wortwörtlich kein business
as usual mehr geben wird. (Beifall bei der
FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN Und damit enden
wir nicht. Die deutschen und europäischen Finanzbehörden, wir werden alles
unternehmen, um Geldströme und Vermögenswerte derjenigen, die Putin
unterstützen, zu identifizieren und einzufrieren. (Beifall bei der
FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN) Zweitens. Wir werden Reserven bei Gas und Kohle aufbauen, um
unsere Durchhaltefähigkeit auszubauen. Dafür haben wir Mittel im
Milliardenbereich eingeplant. Drittens. Die Bedeutung der Energiesicherheit erfährt eine
neue Priorität. Unsere Planungen der nächsten Jahre werden wir an die
veränderte Lage anpassen müssen. Dabei werden wir nicht auf die Antworten der
Vergangenheit setzen, sondern im Gegenteil den Weg in die Zukunft entschlossener
fortsetzen. Erneuerbare Energien leisten nämlich nicht nur einen Beitrag zur
Energiesicherheit und -versorgung. Erneuerbare Energien lösen uns von
Abhängigkeiten. Erneuerbare Energien sind deshalb Freiheitsenergien. (Beifall bei der
FDP, der SPD und dem BÜND-NIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der
CDU/CSU) Wir setzen auf
Freiheitsenergien. Viertens. Die Stabilität der öffentlichen Finanzen und die
Handlungsfähigkeit des Staates müssen erhalten bleiben. Die Schuldenbremse
gilt. Das Vertrauen der internationalen Kapitalmärkte in Deutschland
begründet eine unserer Stärken. Fünftens. Die Anstrengungen, die vor uns liegen, sind enorm.
Die Anstrengungen, die vor uns liegen, erfordern wirtschaftliche Stärke. Und
deshalb ist auch eine Konsequenz aus der veränderten geopolitischen Lage,
dass wir unsere eigene wirtschaftliche Substanz stärken und alles
unterlassen, was diese wirtschaftliche Stärke reduziert. (Beifall bei der
FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN Liebe
Kolleginnen und Kollegen, wir haben viele Jahre eine Friedensdividende
genutzt. Die Bundeswehr wurde vernachlässigt. In diesen Tagen wurde noch über
eine Taxonomie gesprochen, die Investitionen in die Verteidigungsfähigkeit
eingeschränkt hätte. Der Krieg in der Ukraine weckt uns alle aus einem
selbstgerechten Traum. (Beifall bei der
FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Die Zeit der
Vernachlässigung der Bundeswehr muss enden. Wir werden deshalb in der
laufenden Finanzplanung und in jedem Haushaltsjahr die Mittel für den Verteidigungshaushalt
erhöhen. (Beifall bei der
FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU) Wir werden den
laufenden Betrieb der Bundeswehr aus den laufenden Haushalten unter Achtung
der Schuldenbremse finanzieren. Aber eine jahrelange, mindestens 15 Jahre
dauernde Vernachlässigung der Bundeswehr kann man nicht von jetzt auf gleich
im laufenden Haushalt korrigieren. (Beifall bei der
FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Deshalb müssen
wir zu einem anderen Mittel greifen. Um die Bundeswehr zu ertüchtigen, um
notwendiges Material, um notwendige Technik anzuschaffen, werden wir – der
Bundeskanzler hat es gesagt – ein Sondervermögen einrichten. 100 Milliarden
Euro wollen wir dafür zur Verfügung stellen. Wir wollen dieses Sondervermögen
im Grundgesetz absichern, um deutlich zu machen, dass die Verwendung nur und
ausschließlich für die Stärkung unserer Bündnisfähigkeit gedacht ist. Dafür
brauchen wir die Unterstützung der Länder. Dafür brauchen wir die Unterstützung
der CDU/CSU. (Friedrich Merz
[CDU/CSU]: Wohl wahr!) Friedrich Merz,
wir werden nicht danach fragen, wer die Verantwortung für den Zustand der
Bundeswehr hat. (Lachen bei
Abgeordneten der CDU/CSU) Wir werden nicht
mit dem Finger aufeinander zeigen. Aber wir erwarten, dass beim Blick in die
Zukunft und bei der Schaffung einer Bundeswehr, die wieder ihren
Bündnisverpflichtungen gerecht werden kann, die Opposition die
Bundesregierung unterstützt. (Beifall bei der
FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Ja, 100
Milliarden Euro neben den jährlichen Haushalten, das ist eine enorme Summe
Geld. Sprechen wir es offen aus: Am Geld allein hat es nicht gemangelt,
sondern wir werden auch über die Strukturen der Bundeswehr sprechen müssen, (Beifall bei der
FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜ-NEN – Yvonne
Magwas [CDU/CSU]: Genau!) über ihren
Auftrag, über die Möglichkeit, mit den Mitteln auch tatsächlich äußere
Sicherheit zu garantieren. Für diese
Debatte sind wir offen, und diese Debatte wer-den wir führen. Aber über die
Investitionen in die Bundeswehr, lieber Friedrich Merz, sollten Sie sie nicht
führen mit der Warnung vor neuen Schulden. Das sind in Wahrheit natürlich
Kredite, die wir aufnehmen in den nächsten Jahren. Aber in dieser Weltlage
sind es zunächst und zumeist Investitionen in unsere Freiheit. (Beifall bei der
FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Meine Damen und
Herren, liebe Kolleginnen und Kol-legen, was sind das für mutige Menschen in
der Ukraine, die für ihre Freiheit kämpfen, die in ihrem Land unsere
westlichen Werte leben wollen! Sie nehmen uns auch in eine Verantwortung: Sie
nehmen uns in die Verantwortung, dass auch wir hier unsere Werte ernst
nehmen. Wir sind solidarisch mit der Ukraine, weil ein Volk über seine
Zukunft frei entscheiden soll. Aber wir sind auch solidarisch mit der
Ukraine, weil sie eine Inspiration für uns selbst ist. Ich danke Ihnen. (Beifall bei der
FDP, der SPD und dem BÜND-NIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der
CDU/CSU – Die Abgeordneten der FDP, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
erheben sich) |