L i b e r a l e N o t i z e n
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Marco
Buschmann Wir müssen
Freiheit + Demokratie verteidigen können Interview mit „Westdeutschen
Allgemeinen Zeitung“. Fragen von Sinan Sat und
Alexander Marinos. 01.03.2022 Frage: Herr Bundesminister, Sie sind Teil des
Sicherheitskabinetts der Bundesregierung. Wann war Ihnen gemeinsam klar, dass
die Koalition eine dramatische Kehrtwende in der deutschen Außen- und
Sicherheitspolitik vollziehen muss? Buschmann: Wir befinden uns in einer sehr ernsten Lage. Die
vergangene Woche war eine Zeitenwende für die internationale Politik. Denn
mit der Ukraine wurde ein europäischer Staat von Russland angegriffen. Auch
wenn dieses Szenario zu befürchten war, so ist ein Krieg in Europa einfach
nur schrecklich. Aber klar ist auch: Putins Kriegstreiberei erforderte eine
schnelle und unmissverständliche Antwort. Die haben wir gemeinsam mit unseren
europäischen Partnern und den USA gegeben. Das Sanktionspaket, wie wir es
gegen Putin verhängt haben, ist einmalig. Frage: Dass Waffen nicht unmittelbar in Kriegsgebiete
geliefert werden, gehörte zu den unumstößlichen Grundsätzen… Buschmann: Es war in der Vergangenheit so, dass Deutschland
keine Waffen in Krisengebiete geschickt hat. Putins aggressiver Angriffskrieg
gegen ein freies Land schafft eine völlig neue Situation. Ein souveränes
Land, das für sich die Entscheidung gefällt hat, sich in Richtung Westen zu
orientieren, will sich verteidigen. Dazu hat es jedes Recht. Daher liefert
auch Deutschland Waffen. Frage: Die angekündigte massive Aufrüstung der Bundeswehr
wird sehr viel Geld kosten und zu neuen Schulden führen. Wie dick ist diese
Kröte für die FDP, die sich das nachhaltige Haushalten auf die Fahnen
geschrieben hatte? Buschmann: Es geht um die Fähigkeit, Freiheit und Demokratie
zu verteidigen. Dafür stehen gerade Freie Demokraten ein. Wir werden nun ein
Sondervermögen in Höhe von 100 Milliarden Euro auflegen, mit dem die
Bundeswehr verstärkt und modernisiert wird. Wir geben hier aber nicht nur
sehr viel Geld hinein, sondern werden auch die Strukturen erneuern. Wir
streben auch an, das auch unzweifelhaft rechtlich im Grundgesetz abzusichern.
Klar ist aber auch, dass wir im Bundeshaushalt schnellstmöglich zur
Einhaltung der Schuldenbremse zurückkehren und solide haushalten. Frage: Wie groß ist die Gefahr, dass Russland nach der
Ukraine weitere Länder angreift – etwa die baltischen Staaten? Buschmann: Der Angriff gegen einen anderen
Nato-Mitgliedsstaat würde dieselbe Reaktion hervorrufen wie ein Angriff gegen
uns selbst. Putin würde damit einen Dritten Weltkrieg riskieren. Und deshalb
zeigen wir umso klarer durch umfassende und beispiellose Sanktionspakete,
dass diese kriegerische Aggression gegen ein unabhängiges Land nicht
toleriert wird. Putin fügt sich selbst schweren Schaden zu. Er bringt nicht
nur unglaubliches Leid über die Ukraine, sondern letztlich auch über sein
eigenes Land. Frage: Sie sprechen von einem „Dritten Weltkrieg“. Vor
dem Hintergrund, dass Putin die Alarmbereitschaft der russischen Atomstreitkräfte
erhöht hat, löst das Ängste in unserer Bevölkerung aus. Buschmann: Ich wende mich gegen Panikmache – aber auch gegen
Verharmlosung. Ein Angriff Russlands auf einen Staat, der Nato-Mitglied ist,
wäre eine schwerwiegende Eskalation. Wie gesagt: Wir stünden in diesem Fall
zweifelsfrei zu unseren Bündnispflichten. Umso mehr sollten wir alles tun, um
zu vermeiden, dass es dazu kommt. Unser Sanktionspaket zeigt ja bereits erste
Wirkung. Frage: Deutschland ist beim Gasverbrauch zu 55 Prozent
von russischen Quellen abhängig. Wenn Putin den Gashahn zudreht, könnte es
kalt werden in Deutschlands Wohnzimmern. Buschmann: Die Verflechtungen zwischen Russland und Europa
sind bislang gerade im Energiesektor in der Tat eng. Umso dringender ist es
nun, dass wir uns hier unabhängiger machen Das gelingt durch mehr erneuerbare
Energien in unserem Land und beispielsweise auch durch neue
Flüssiggas-Terminals in Deutschland. Frage: Die dürften aber kaum bis zum nächsten Winter
fertig sein. Buschmann: Das stimmt, aber wir sollten schlichtweg alles
tun, um das zu beschleunigen. Auch mehr Unabhängigkeit durch mehr erneuerbare
Energie ist kein Projekt von heute auf morgen. Aber wir sollten alle Hebel in
Bewegung setzen. Frage: War es nicht ein Fehler des Bundeskanzlers und der
gesamten Bundesregierung, bei der Androhung von Sanktionen gegen Russland
nicht auch von Anfang an klipp und klar Nordstream
2 einzubeziehen? Buschmann: Es war Russland völlig klar, dass Nordstream 2 am Ende ist, wenn es die Ukraine angreift.
Man soll jetzt also nicht so tun, als wenn eine andere öffentliche Aussage
dazu Russland abgehalten hätte, die Ukraine zu überfallen. Frage: Herr Buschmann, Sie als Gelsenkirchener und
Schalke-Fan: Wie finden Sie es, dass Schalke jetzt den Vertrag mit Gazprom beendet hat? Buschmann: Ich finde es richtig, dass Schalke diesen Schritt
gegangen ist. Gazprom wird mit vom russischen Staat
gesteuert und auch als ein Mittel der Außenpolitik benutzt. Daher kann es
nicht sein, dass man als Spieler mit Stolz dieses Logo auf der Brust trägt.
Ein Verein wie Schalke lebt von der Loyalität, von der Begeisterung der Fans.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass man dauerhaft seine Leidenschaft auf
einen Verein setzt, der indirekt von einer Regierung bezahlt wird, die andere
Länder überfällt. |