L i b e r a l e N o t i z e n
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Sammlung Originaldokumente in http://www.liberale-notizen.de |
Programm der Partei DIE LINKEBeschluss
des Parteitags der Partei DIE LINKE vom 21./22./23. Oktober 2011 in Erfurt
Der
Erfurter Parteitag hat das neue Parteiprogramm am 23. Oktober 2011 mit 503
Stimmen bei 4 Gegenstimmen und 12 Enthaltungen beschlossen. Das ist eine
Zustimmung von 96,9 Prozent. Beim
Mitgliederentscheid vom 17. November bis 15. Dezember 2011 wurde das
Parteiprogramm mit 95,81 Prozent bestätigt. Bertolt Brecht: Fragen eines
lesenden Arbeiters
Dieses Gedicht wurde auf Beschluss des Erfurter Parteitages
der Präambel des Programms vorangestellt. Wer
baute das siebentorige Theben? Der
junge Alexander eroberte Indien. Jede
Seite ein Sieg. So
viele Berichte. (Werkausgabe Edition
Suhrkamp, Frankfurt/Main 1967, Auflage 1990 – Bd. 9; Abdruck mit freundlicher
Genehmigung von Barbara Brecht-Schall.) Präambel
– dafür steht DIE LINKE
DIE
LINKE als sozialistische Partei steht für Alternativen, für eine bessere
Zukunft. Wir, demokratische Sozialistinnen und Sozialisten, demokratische
Linke mit unterschiedlichen politischen Biografien, weltanschaulichen und
religiösen Einflüssen, Frauen und Männer, Alte und Junge, Alteingesessene und
Eingewanderte, Menschen mit und ohne Behinderungen, haben uns in einer neuen
linken Partei zusammengeschlossen. Wir halten an dem Menschheitstraum fest, dass
eine bessere Welt möglich ist. Wir
sind und werden nicht wie jene Parteien, die sich devot den Wünschen der
Wirtschaftsmächtigen unterwerfen und gerade deshalb kaum noch voneinander
unterscheidbar sind. Wir
verfolgen ein konkretes Ziel: Wir kämpfen für eine Gesellschaft, in der kein
Kind in Armut aufwachsen muss, in der alle Menschen selbstbestimmt in
Frieden, Würde und sozialer Sicherheit leben und die gesellschaftlichen
Verhältnisse demokratisch gestalten können. Um dies zu erreichen, brauchen wir
ein anderes Wirtschafts- und Gesellschaftssystem: den demokratischen
Sozialismus. Wir
wollen die großartigen Ideen, die Visionen und schöpferischen Kräfte der
Menschen für überzeugende politische Vorhaben nutzen, um Hunger und Armut zu
überwinden, um die Folgen des Klimawandels und der Umweltkatastrophen in den
Griff zu bekommen. Wir
finden uns nicht ab mit einer Welt, in der Profitinteressen über die
Lebensperspektive von Milliarden Menschen entscheiden und in der Ausbeutung,
Kriege und Imperialismus ganze Länder von Hoffnung und Zukunft abschneiden.
Wo vor allem der Profit regiert, bleibt wenig Raum für Demokratie. Die
ungebändigte Freiheit der großen Konzerne bedeutet Unfreiheit für die
Mehrheit der Menschen. Wir
gehen aus von den Traditionen der Demokratie und des Sozialismus, der Kämpfe
für Menschenrechte und Emanzipation, gegen Faschismus und Rassismus,
Imperialismus und Militarismus. Wir wollen alle gesellschaftlichen
Verhältnisse überwinden, in denen Menschen ausgebeutet, entrechtet und
entmündigt werden und in denen ihre sozialen und natürlichen Lebensgrundlagen
zerstört werden. Wir
wollen die neuen Möglichkeiten der Wissensaneignung, des kulturellen
Austauschs und der Kommunikation für eine lebenswerte Zukunft nutzen. Rechts-
und Sozialstaatlichkeit wollen wir ausbauen, damit Frauen und Männer souverän
über ihre Arbeits- und Lebenszeit entscheiden können, Chancen der
Beteiligung, der Bildung, des sozialen Füreinanders
ergreifen können. Grenzenloser
Reichtum für die oberen Zehntausend, Entwürdigung für immer mehr Arme und
sinkender Wohlstand für die große Mehrheit sind nicht Ergebnis der
Internationalisierung von Produktion und Handel, sondern des globalen
Kapitalismus. Die Konsequenzen für Deutschland sind allgegenwärtig: ein
wachsender Niedriglohnsektor, Arbeitsplatzvernichtung, Abbau von sozialen
Leistungen, verarmte Kommunen, fehlende Ausbildungsplätze, soziale
Bildungsprivilegien, Zwei-Klassen-Medizin, alte Menschen in Armut oder ohne
menschenwürdige Pflege. Die herrschende Politik hat sich den Interessen der
Konzernchefs und Vermögensbesitzer untergeordnet. Diese Agenda ist gegen die
Interessen der Mehrheit der Menschen gerichtet. Wir setzen auf globale
Kooperation und Solidarität statt auf das Recht des Stärkeren. Eine Welt
unter dem Diktat eines allmächtigen globalen Kapitalismus ist keine
erstrebenswerte Welt. Im Mittelpunkt von Wirtschaft und Politik müssen die
Lebensbedürfnisse und Interessen der Mehrheit der Menschen stehen. Wir
wollen dazu beitragen, dass aus passivem Unmut aktive Gegenwehr wird. Wir
setzen Lohndumping, Sozialraub und dem Ausverkauf öffentlichen Eigentums
Widerstand entgegen. Wir wollen die gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse
verändern und ringen um eine andere Politik. Demokratie, Freiheit,
Gleichheit, Gerechtigkeit, Internationalismus und Solidarität gehören zu
unseren grundlegenden Werten. Sie sind untrennbar mit Frieden, Bewahrung der
Natur und Emanzipation verbunden. Wir kämpfen für einen Systemwechsel, weil
der Kapitalismus, der auf Ungleichheit, Ausbeutung, Expansion und Konkurrenz
beruht, mit diesen Zielen unvereinbar ist. Wir
haben uns zusammengeschlossen zu einer neuen politischen Kraft, die für
Freiheit und Gleichheit steht, konsequent für Frieden kämpft, demokratisch
und sozial ist, ökologisch und feministisch, offen und plural, streitbar und
tolerant. Gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland, in Europa und
weltweit, mit Gewerkschaften und Bewegungen suchen wir nach alternativen
Lösungen und gesellschaftlichen Alternativen. Wir wollen eine Gesellschaft
des demokratischen Sozialismus aufbauen, in der die wechselseitige
Anerkennung der Freiheit und Gleichheit jeder und jedes Einzelnen zur
Bedingung der solidarischen Entwicklung aller wird. Wir kämpfen für einen
Richtungswechsel der Politik, der den Weg zu einer grundlegenden Umgestaltung
der Gesellschaft öffnet, die den Kapitalismus überwindet. In
unserem Programm werden drei Grundideen verknüpft
DIE
LINKE kämpft
1.
Woher wir kommen, wer wir sind
DIE
LINKE knüpft an linksdemokratische Positionen und Traditionen aus der
sozialistischen, sozialdemokratischen und kommunistischen Arbeiterbewegung
sowie aus feministischen und anderen emanzipatorischen Bewegungen an. Wir
bündeln politische Erfahrungen aus der Deutschen Demokratischen Republik und
der Bundesrepublik Deutschland. Die
bürgerlichen Revolutionen des 18. und 19. Jahrhunderts erstrebten Freiheit,
Gleichheit und Brüderlichkeit gegen religiöse Dogmen und Privilegien des
Adels. Humanismus und Aufklärung, Menschenrechte und Demokratie waren
bestimmend für die Arbeiterbewegung und die Frauenbewegung. Sie forderten die
Verwirklichung von Recht und Freiheit für alle Menschen. Doch erst die
Befreiung aus der Herrschaft des Kapitals und aus patriarchalen Verhältnissen
verwirklicht die sozialistische Perspektive der Freiheit und Gleichheit für
alle Menschen. Dies haben insbesondere Marx, Engels und
Luxemburg gezeigt. Im
19. Jahrhundert organisierten sich Arbeiterinnen und Arbeiter in
Gewerkschaften. Sie setzten der Ausbeutung durch das Kapital Widerstand
entgegen, um ihre Interessen durchzusetzen. Sie kämpften für bessere Arbeits-
und Lebensbedingungen, für höhere Einkommen und Mitbestimmungsrechte. Sie
bildeten Genossenschaften und Vereine, um Alltag und Freizeit solidarisch zu
gestalten und Kultur- und Bildungsansprüche zu verwirklichen. Mit der
zunehmenden Politisierung der Arbeitermilieus entwickelte die
Arbeiterbewegung auch ihre politischen Interessenvertretungen. Diese wurden
von der Staatsmacht mit Zuckerbrot und Peitsche, mit Sozialreformen und
Sozialistengesetz heftig bekämpft. Trotzdem wurde die Sozialdemokratie an der
Schwelle zum 20. Jahrhundert in Deutschland zu einer mächtigen politischen
und kulturellen Kraft, deren Traditionen uns Verpflichtung sind. Anfang
des 19. Jahrhunderts erstarkte die Frauenbewegung. Sie kämpfte für die
politische, ökonomische, soziale und kulturelle Gleichberechtigung der Frauen
und für eine Veränderung der Geschlechterverhältnisse auch im Privaten. Wir
beziehen uns auf politische Theorien der Frauenbewegung und des Feminismus,
die die Kritik an allen Herrschaftsverhältnissen, die Frauen unterdrücken und
benachteiligen, in den Mittelpunkt stellen und weltweit die Durchsetzung der
Menschenrechte für die Frauen und die Abschaffung jedweder Diskriminierung
aufgrund des Geschlechts fordern. 1914
spaltete die Haltung zum Krieg die deutsche Sozialdemokratie. Die SPD-Führung
befürwortete die Politik der nationalistischen Abgrenzung und stimmte
schließlich für den Krieg. Der europäische Zusammenhalt der Arbeiterschaft
für den Frieden wurde aufgegeben. Gegen diese verheerende Entwicklung der
deutschen Sozialdemokratie leisteten neben vielen
anderen Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg Widerstand, den sie mit ihrem
Leben bezahlten. Die
Revolution 1918 / 19 in Deutschland reihte sich ein in die revolutionären
Bewegungen und Erhebungen nach dem Ersten Weltkrieg, sowohl innerhalb als
auch außerhalb Europas. Sie wurde mit Hilfe der sozialdemokratischen Führung
niedergeschlagen. Gegensätzliche Haltungen zur Revolution in Deutschland und
später auch zur Sowjetunion vertieften die Spaltung der Arbeiterbewegung. Die
USPD, die KPD und linkssozialistische Bewegungen gehören heute ebenso zum
historischen Erbe der LINKEN wie die Geschichte der Sozialdemokratie. Nach
dem Ersten Weltkrieg befand sich Deutschland bis Sommer 1919 in einem
blutigen Bürgerkrieg, der Tausende von Opfern forderte und große Bitterkeit
hinterließ. Die Konsequenzen waren dramatisch. Denn die Spaltung der
Arbeiterbewegung erleichterte den Aufstieg der deutschen Faschisten und
verhinderte gemeinsamen Widerstand gegen ihre Machtübernahme. Im Reichstag
stimmten die Abgeordneten der bürgerlichen Parteien per Ermächtigungsgesetz
für Hitlers totale Macht und damit das Ende der Weimarer Republik. Der
Widerstand von Kommunistinnen und Kommunisten, von Sozialdemokratinnen und
Sozialdemokraten, von Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern, religiös
engagierten Menschen und anderen gegen die nun einsetzende faschistischen
Barbarei wurde brutal unterdrückt. Viele sind von den Nazis ermordet worden,
andere saßen in den Gefängnissen und Lagern oder befanden sich auf der
Flucht. Der Kampf gegen antidemokratische Positionen, gegen Antisemitismus,
gegen Rassismus, gegen die Unterdrückung von Arbeiterorganisationen und gegen
Kriegstreiberei ist daher für uns mit einem gelebten Antifaschismus
verbunden. Die
Barbarei und der verbrecherische Krieg der deutschen Faschisten zerstörten
weite Teile Europas. Millionen Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Menschen
mit Behinderungen und Homosexuelle wurden systematisch ermordet. Gegen die
Sowjetunion wurde ein Vernichtungskrieg geführt. Sie erbrachte bei der
Zerschlagung des Faschismus die größten Opfer. Nach dem Krieg wurden unter
dem Einfluss der Siegermächte in Westeuropa bürgerliche Demokratien mit
kapitalistischer Wirtschaftsordnung und in Mittel- und Osteuropa Staaten mit
sozialistischem Anspruch aufgebaut. Deutschland
hat wegen der beispiellosen Verbrechen der Deutschen an den Jüdinnen und
Juden während des deutschen Faschismus eine besondere Verantwortung und muss
jeder Art von Antisemitismus, Rassismus, Unterdrückung und Krieg
entgegentreten. Insbesondere diese Verantwortung verpflichtet auch uns, für
das Existenzrecht Israels einzutreten. Zugleich stehen wir für eine
friedliche Beilegung des Nahostkonfliktes im Rahmen einer Zwei-Staaten-Lösung
und damit die völkerrechtliche Anerkennung eines eigenständigen und
lebensfähigen palästinensischen Staates auf der Basis der Resolutionen der
Vereinten Nationen. "Nie
wieder Krieg, nie wieder Faschismus" - der Schwur von Buchenwald hatte
in den 50er Jahren nicht nur in Ostdeutschland, sondern auch in
Westdeutschland eine große Ausstrahlung: "Die Vernichtung des Nazismus
mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des
Friedens und der Freiheit ist unser Ziel." Diesem Ziel fühlen wir uns
verpflichtet. Die Erfahrungen der vom deutschen Faschismus Verfolgten prägten
das ursprüngliche Asylrecht im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland,
das heute bis zur Unkenntlichkeit durchlöchert ist und das die LINKE
wiederherstellen will. In
Westdeutschland blieben, wie in anderen Ländern Westeuropas, sozialistische
Neuordnungsbestrebungen nach dem Krieg erfolglos. Der beginnende Kalte Krieg
diktierte die politische Entwicklung. Die Kommunistische Partei war in der
1949 gegründeten Bundesrepublik Deutschland schwach und zunehmender
Repression ausgesetzt, 1956 wurde die KPD verboten. So litten auch
antifaschistische Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer unter
Repressionen wie erneuten Verhaftungen und Berufsverboten. Die
Entnazifizierung in der Gesellschaft blieb hingegen weitgehend aus. Die SPD
war während der "Adenauer-Ära" in der Opposition. Ab 1959 gab sie
Zug um Zug ihre Vorstellungen einer über den Kapitalismus hinausweisenden
Neuordnung von Wirtschaft und Gesellschaft auf. Zu
den Erfahrungen der Menschen in der Bundesrepublik gehörte zunehmender
gesellschaftlicher Wohlstand, an dem alle gesellschaftlichen Schichten
teilhatten, sowie eine parlamentarische Demokratie. Doch gleichzeitig
bestanden autoritäre und obrigkeitsstaatliche Strukturen fort. Seit den 60er
Jahren entwickelte sich eine gesellschaftskritische außerparlamentarische
Opposition. Das war eine Bewegung für mehr Demokratie und Solidarität, gegen
autoritäre Tendenzen, für andere Lebensentwürfe, für mehr
Selbstverwirklichung der Einzelnen, gegen Bildungsprivilegien, Medien- und
Kapitalmacht und den Vietnam-Krieg der USA. Die
Gewerkschaften setzten in harten Auseinandersetzungen Lohnsteigerungen,
Arbeitszeitverkürzungen und verbesserte sozialstaatliche Leistungen durch.
Mehr Demokratie sollte in Wirtschaft und Gesellschaft möglich sein. Die
Erfahrungen dieser Kämpfe zeigen allerdings auch, dass in einer
kapitalistischen Gesellschaft die Demokratie an den Werkstoren und an den
Büro- und Ladentüren endet. Ständige Auseinandersetzungen sind notwendig, um
die Achtung der Menschenwürde, akzeptable Arbeitsbedingungen und das Recht
auf Privatsphäre auch in den Betrieben zu gewährleisten. Eine
neue Frauenbewegung bildete sich, um gegen patriarchale, Frauen
unterdrückende und benachteiligende Strukturen im Öffentlichen wie im
Privaten zu kämpfen. Auf dem Weg zur Veränderung der Geschlechterverhältnisse
mit dem Ziel einer geschlechtergerechten Gesellschaft erwies sich die
Gleichstellung von Männern und Frauen als ein wesentlicher Schritt. Die
Erfahrungen dieser Kämpfe zeigen jedoch, dass in der patriarchalen
Gesellschaft die Gleichstellung an der Haustür endet und Frauenbefreiung nur
durch Aufhebung der ungleichen geschlechtlichen Arbeitsteilung erreicht
werden kann. Die
Umweltbewegung entstand und setzte sich für eine naturverträgliche
Produktions- und Lebensweise und gegen die Nutzung der Atomkraft ein.
Internationalistische Gruppen unterstützten Befreiungsbewegungen in Afrika,
Lateinamerika und Asien und stritten für eine solidarische
Entwicklungszusammenarbeit. Die
Friedensbewegung forderte Abrüstung und vor allem die Beseitigung von
Massenvernichtungswaffen. Sie unterstützte und prägte die
Entspannungspolitik, der es in den 70er und 80er Jahren gelang, die
gefährliche Blockkonfrontation der Nachkriegszeit aufzuweichen und so zu
entschärfen. Trotz der von Gewerkschaften in harten Auseinandersetzungen
durchgesetzten Lohnsteigerungen, Arbeitszeitverkürzungen und verbesserten
sozialstaatlichen Leistungen blieb durch die Notstandsgesetze und eine
repressive Innenpolitik im Zuge der Auseinandersetzung mit der RAF die
Erfüllung der Ansprüche der Demokratiebewegung auf halber Strecke stehen. Im
Osten Deutschlands prägte der Sozialismusversuch die Lebensgeschichte der
Menschen. Viele Ostdeutsche setzten sich nach 1945 für den Aufbau einer
besseren Gesellschaftsordnung und für ein friedliebendes, antifaschistisches
Deutschland ein. Mit der Verstaatlichung der Großindustrie, Banken und
Versicherungen sowie der Bodenreform wurden Eigentumsverhältnisse geschaffen,
die eine Ausrichtung der wirtschaftlichen Tätigkeit auf das Gemeinwohl und
den Schutz der Beschäftigten vor Ausbeutung sichern sollten. Im
April 1946 wurde die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands gegründet.
Der Zusammenschluss von KPD und SPD war eine Lehre aus der jahrzehntelangen
Spaltung der Arbeiterbewegung und wurde auch mit dem gemeinsamen Widerstand
von Mitgliedern der SPD und KPD gegen Faschismus begründet. Die große
Mehrheit der Mitglieder von KPD und SPD waren für diesen notwendigen
Zusammenschluss. Der Zusammenschluss war aber auch mit Druck verbunden. Vor
allem Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, welche ihm Widerstand entgegensetzten,
wurden verfolgt. Zu
den Erfahrungen der Menschen im Osten Deutschlands zählen die Beseitigung von
Erwerbslosigkeit und die wirtschaftliche Eigenständigkeit der Frauen, die
weitgehende Überwindung von Armut, ein umfassendes soziales Sicherungssystem,
ein hohes Maß an sozialer Chancengleichheit im Bildungs- und Gesundheitswesen
und in der Kultur sowie die Umstrukturierung der Landwirtschaft in
genossenschaftliche und staatliche Betriebe. Das Prinzip "Von deutschem
Boden darf nie wieder Krieg ausgehen" war Staatsräson. Auf der anderen
Seite standen Erfahrungen staatlicher Willkür und eingeschränkter Freiheiten,
wie der Aufbau eines staatlichen Überwachungsapparates gegen die eigene
Bevölkerung. Wichtige Reformansätze wurden nach kurzer Zeit immer wieder
autoritär abgewürgt. Die Demokratie blieb auf der Strecke, und eine
ökologische Orientierung hatte wenig Chancen. Die
Zentralisation der ökonomischen Entscheidungen und die bürokratisierte Form
der Planung und Leitung der Volkswirtschaft sowie die weitgehende
Einschränkung betrieblicher Selbstständigkeit führten langfristig zu einem
Zurückbleiben der Innovations- und Leistungsfähigkeit. Damit sank die
Anziehungskraft des ökonomischen Modells der DDR. Es
ist deutlich geworden: Ein Sozialismusversuch, der nicht von der großen
Mehrheit des Volkes demokratisch gestaltet, sondern von einer Staats- und
Parteiführung autoritär gesteuert wird, muss früher oder später scheitern.
Ohne Demokratie kein Sozialismus. Deshalb formulierten die Mitglieder der
SED/PDS auf einem außerordentlichen Parteitag im Herbst 1989: "Wir
brechen unwiderruflich mit dem Stalinismus als System". Dieser Bruch mit
dem Stalinismus gilt für DIE LINKE ebenso. Die Geschichte der DDR, auch die
der SED, auf den Stalinismus zu verkürzen, ist jedoch unhistorisch und
unwahr. Auch in der DDR gab es in unterschiedlichen Etappen eine lebendige
Sozialismus-Diskussion, eine reiche kulturelle und geistige Landschaft,
großartige Filme, Romane, bildende Künste, Musik und eine engagierte
Vermittlung von Kunst, Kultur, Bildung in die Bevölkerung. Der Bruch mit dem
Stalinismus betrifft nicht nur den Osten, sondern hat auch für den Westen
hohe Bedeutung. Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung sind
unverzichtbar. Teile
der Bürgerbewegung der DDR, darunter auch Reformerinnen und Reformer
innerhalb der SED, setzten sich im Herbst 1989 für einen friedlichen,
demokratischen, sozialen und ökologischen Aufbruch und einen politischen
Wandel zu einem besseren Sozialismus ein. Doch 1990 scheiterte dieses
Projekt. Es gelang ebenso wenig, eine demokratische Neubegründung des
vereinigten Deutschlands durchzusetzen. Aus dem demokratischen Aufbruch im
Osten wurden ein bloßer Beitritt und ein für viele Menschen schmerzlicher
sozialer Absturz. Auf der einen Seite gab es einen Zugewinn an demokratischen
Rechten, individueller Freiheit, rechtsstaatlicher Sicherheit und
internationaler Öffnung, auf der anderen Seite einen wirtschaftlichen und
sozialen Niedergang vieler ostdeutscher Regionen und die Aneignung ostdeutschen
Staatseigentums durch nationale und internationale Konzerne mithilfe der
Treuhandanstalt. Im vereinten Deutschland wurden die Errungenschaften und
Erfahrungen der Ostdeutschen kaum genutzt. In
einem schwierigen und selbstkritischen Prozess ging aus der ehemaligen SED
die Partei des Demokratischen Sozialismus hervor. Sie behauptete sich als
unabhängige Kraft und erstarkte, je mehr sie sich der konkreten Probleme der
Menschen vor Ort annahm und für demokratische Lösungen stritt. Wesentlicher
Bestandteil dieses Engagements war der Anspruch, Interessen der Menschen in
Ostdeutschland politisch zu vertreten. Ihre Versuche, Menschen in
Westdeutschland zu gewinnen, hatten jedoch nur geringe Erfolge. Die
Linke in Deutschland war lange Zeit in der Defensive. Sie war schwach und
marginalisiert, und wenn sie innerhalb der Sozialdemokratie politische
Veränderungen anstrebte, waren die Handlungsmöglichkeiten sehr eng. Teile der
Linken setzten auf die Grünen oder kleinere sozialistische und kommunistische
Organisationen. Viele der in Gewerkschaften und anderen sozialen Bewegungen
aktiven Linken hatten keine Bindung zu einer Partei. Die in der zweiten
Hälfte der 90er Jahre entstehende globalisierungskritische Bewegung, die sich
in zahlreichen internationalen Mobilisierungen und
Gipfelprotesten widerspiegelte und die zugleich den Raum für eine politische
Kritik des Kapitalismus eröffnete, inspirierte und ermutigte viele Linke in
Deutschland. Das
Projekt "Rot-Grün", von vielen mit hohen Erwartungen begrüßt,
enttäuschte ab 1999, da es soziale und ökologische Ziele den Interessen des
Kapitals unterordnete und die Tür für internationale Kriegseinsätze deutscher
Soldaten öffnete. In rasantem Tempo wandten sich SPD und BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN
von Grundsätzen sozialer Gerechtigkeit, ökologischer Nachhaltigkeit und den
Interessen der Bevölkerungsmehrheit an einer friedlichen Welt ab. Das
"Hartz IV"-Gesetz und die Agenda 2010 führten zum endgültigen Bruch
vieler sozial und links gesinnter Menschen mit SPD und Grünen und zur
Entwicklung einer neuen politischen Kraft, der Wahlalternative Arbeit und
soziale Gerechtigkeit (WASG). Im
Jahr 2007 haben sich Linkspartei.PDS und WASG zur
neuen Partei DIE LINKE vereinigt. DIE LINKE ist Teil der 2004 gegründeten
Partei der Europäischen Linken. Wir laden alle Menschen ein, die eine andere
Politik und eine bessere Welt wollen, die für Freiheit und Gleichheit
eintreten, für Emanzipation und soziale Gerechtigkeit, für internationale
Solidarität, Frieden und Ökologie, daran mitzuwirken. Es
gibt Alternativen zur herrschenden Politik und zum kapitalistischen System,
zu seinen Krisen und Ungerechtigkeiten: eine Gesellschaft im Einklang mit der
Natur, die sich auf Freiheit und Gleichheit gründet, eine Gesellschaft ohne
Ausbeutung und Unterdrückung. Wir wollen sie gemeinsam erkämpfen. 2.
Krisen des Kapitalismus – Krisen der Zivilisation
Der
Kapitalismus von heute ist räumlich und zeitlich entgrenzt,
er hat sich die ganze Welt untertan gemacht. Das Verhältnis zur Natur und
fast alle menschlichen Beziehungen werden zu Warenbeziehungen. Pflanzliche,
tierische und menschliche Gene werden patentiert, damit der Allgemeinheit
entzogen, Saatgut ist nicht mehr frei verfügbar, von dörflichen Brunnen bis
zu den Metropolen wird Wasser privatisiert, Mutterschaft wird zur
Handelsware, Landraub zerstört ganze Gemeinschaften. Nahrungsmittel werden zu
Spekulationsobjekten an den Börsen, ausreichende und gesunde Nahrung ist für
Millionen Menschen nicht mehr erschwinglich, die Früchte des Bodens landen
darüber hinaus als Kraftstoff in den Tanks der Reicheren. Multinationale
Konzerne bestimmen die Preise, bestimmen, was angebaut und gefördert wird,
dominieren die Handelsketten. Sie üben maßgeblich Einfluss aus auf die
Welthandelsorganisation WTO, auf die Weltbank und den Internationalen
Währungsfonds, die die internationalen Handelsflüsse, die Wirtschafts-und
Sozialpolitiken weltweit bestimmen. Die Macht der multinationalen Konzerne
muss begrenzt, eingeschränkt und gebrochen werden. Land- und Bodenreformen
stellen wichtige Schritte zur Sicherung der Ernährungssouveränität und des
Rechts auf Nahrung dar. Unter den entfesselten kapitalistischen Bedingungen
schlagen immer rascher und weitreichender Produktivkräfte in Destruktivkräfte
um. Zugleich werden Arbeitsplätze vernichtet, Wohlstand wird zerstört und an
der Natur Raubbau betrieben. Auch Kriege werden geführt, wenn auf diese Weise
Profite gesteigert und gesichert werden können, notfalls auch unter dem
Deckmantel der humanitären Hilfe. Der
Kapitalismus hat in den Jahrhunderten seiner Existenz unermesslichen Reichtum
hervorgebracht und in vielen Ländern den Wohlstand großer Teile der
Bevölkerung erhöht. Zugleich bleiben Milliarden Menschen von diesem Reichtum
ausgeschlossen. Die soziale Ungleichheit ist größer geworden, die Kluft
zwischen Armut und Reichtum klafft immer weiter auseinander. Das gilt
national und erst recht international. Die Krisen der kapitalistischen
Marktwirtschaft haben Massenerwerbslosigkeit, Einkommensverluste und
Sozialstaatsabbau zur Folge. Zwar hat der Kapitalismus die technologischen
Voraussetzungen geschaffen, um Armut für immer zu überwinden. Doch er
zementiert eine Weltordnung, in der alle fünf Sekunden ein Kind verhungert
und mehr als eine Milliarde Menschen zu wenig zu essen und keinen Zugang zu
sauberem Trinkwasser haben. Auch
in der westeuropäischen Nachkriegsentwicklung lässt sich diese
Widersprüchlichkeit finden. Die Idee einer "sozialen Marktwirtschaft"
war eine Antwort auf den Schock von Krise, Faschismus und Krieg und
resultierte daher aus den Erfahrungen mit einem entfesselten, barbarischen
Kapitalismus. Sie war die Antwort auf die Kämpfe starker Gewerkschaften,
antikapitalistischer Bewegungen und sozialdemokratischer, sozialistischer und
kommunistischer Parteien. Auch die Existenz des "sozialistischen
Lagers" war eine Herausforderung, auf die mit sozialstaatlichen
Zugeständnissen reagiert wurde. Soziale Sicherungssysteme wurden ausgebaut,
demokratische Rechte ausgeweitet, der Wohlstand stieg. Mit dem Wegfall der
Systemkonkurrenz hat sich das Kräfteverhältnis zwischen Arbeit und Kapital zu
Ungunsten der abhängig Beschäftigten verändert. Die
"soziale Marktwirtschaft" stellte einen Kompromiss zwischen
Lohnarbeit und Kapital dar, der die Herrschaft des Kapitals nicht in Frage
stellte. Das Modell funktionierte, solange schnelle
Produktivitätsfortschritte und hohe Wachstumsraten die Profite der großen
Unternehmen stabilisierten und starke gewerkschaftliche und demokratische
Gegenmächte existierten. Der Kompromiss zwischen Lohnarbeit und Kapital
beseitigte weder den Raubbau an der Natur noch die patriarchalen Verhältnisse
im Öffentlichen und Privaten. Die
Wirtschaftskrise der 1970er Jahre markiert das Ende dieser "goldenen
Jahre" hohen Wachstums. Der Kapitalismus kehrte zu seiner Normalität
zurück, einschließlich periodisch auftretender Krisen- und Stagnationsphasen.
Die Zahl der aus dem Erwerbsleben Ausgegrenzten stieg und verfestigte sich zu
struktureller Massenerwerbslosigkeit. Die gewonnene wachsende Individualität
vieler Menschen wurde zunehmend zu Individualismus in der Konkurrenz
gegeneinander. Mit wachsenden Erwerbslosenzahlen und schwächer werdenden
Gewerkschaften und politischen Gegenkräften wurden die Ansprüche der
Kapitaleigner wieder aggressiver. Sie wurden untermauert durch die wachsende
Macht der Konzerne, deren Erpressungspotenzial durch zunehmende Aktivitäten
auf dem internationalen Markt stark gestiegen war. Sie konnten die Politik "ins
Schlepptau" nehmen, und die hat es mit sich geschehen lassen. Patriarchale Unterdrückung und
Arbeitsteilung Zu
Beginn des 21. Jahrhunderts finden wir eine Gesellschaft vor, in der einige
Wenige sich auf Kosten Vieler bereichern, in der Wenige über das Leben und
die Zeit der Vielen bestimmen, in der die Jagd nach Profit alle
Lebensbereiche erfasst hat und in der Frauen noch immer unter alten
Unterdrückungsverhältnissen leben. Die Grundlagen dieser Verhältnisse, die
Fundamente von Kapitalismus und Patriarchat beginnen mit der Geschichte der
Arbeit und ihrer Verteilung. Mit
zunehmender Teilung der Arbeit konnte effektiver und mehr produziert werden
und umgekehrt, die gestiegene Produktivität ermöglichte weitere
Arbeitsteilung: Eine entscheidende Arbeitsteilung war die der Teilung in
"Frauen-" und "Männerarbeit". Dabei wurden Männer in
Produktionen tätig, in denen der technische Fortschritt vorangetrieben wurde,
die zunehmend außerhäuslich in eigenen Produktionsstätten erfolgten und Einkommen
ermöglichten, während Frauen die Arbeiten rund ums Haus und die Verantwortung
für die Sorge und Pflege aller Familienmitglieder zugewiesen wurden, also
Arbeiten ohne Einkommen. Bis heute erfährt die traditionelle
"Männerarbeit" eine höhere gesellschaftliche Wertschätzung, während
Arbeit, die traditionell als "Frauenarbeit" gilt, weniger geschätzt
und gar nicht oder schlechter entlohnt wird. Mit
zunehmender Produktivität wurde es möglich, eine immer größere Zahl von
Menschen von der Gemeinschaft mit zu versorgen. Zugleich aber gelang es einem
Teil, sich die Arbeit anderer nutzbar zu machen, über deren Zeit zu verfügen,
ihnen Tätigkeiten vorzuschreiben und somit Klassen- und
Herrschaftsverhältnisse zu begründen. Diese hierarchische Arbeitsteilung
wurde zur Voraussetzung der Unterdrückung der Frauen. Mit der arbeitsteiligen
Familie wurden Frauen und Kinder Eigentum des Mannes, der über die
Arbeitskraft und den Körper der Frau verfügte. Bis heute sind Eigentums- und
Klassenverhältnisse eng mit der patriarchalen Familie verwoben. Patriarchale
Unterdrückung gab es lange vor der Einführung kapitalistischer Produktion.
Doch auch im Kapitalismus ist die Unterdrückung der Frau, das Machtgefälle
zwischen den Geschlechtern in den ökonomischen, gesellschaftlichen und
kulturellen Strukturen fest verankert und wird zur Sicherung der Verhältnisse
genutzt. Die erfolgreiche Verbreitung des Kapitalismus in alle Lebensbereiche
und alle Winkel der Erde gelingt, indem tradierte Produktionsweisen und
bisher nicht kapitalistisch organisierte Bereiche verdrängt oder
kapitalistisch übernommen werden. In der Phase der Industrialisierung wurde
die Arbeitskraft der Frauen so massiv ausgenutzt, dass schließlich sogar die
Reproduktion der nächsten Generation gefährdet war. In der nachfolgenden
Phase wurden Frauen für die Wiederherstellung der Arbeitskraft des
Familienernährers und die Erziehung der nächsten Generation zuständig,
während Männern der Erwerbsbereich zugeordnet wurde, im Gegenzug für ein
Einkommen, das die ganze Familie ernähren sollte, aber oft nicht ausreichte. Bis
heute leisten Frauen den Großteil der Haus- und Familienarbeit. Die
westdeutsche Nachkriegsordnung war geprägt vom Ideal der Hausfrauenehe, die
bis heute steuerlich begünstigt wird. Frauen waren in der Erwerbsarbeit gar
nicht oder bestenfalls in der Rolle der "Zuverdienerin"
vorgesehen, die ökonomisch vom "Familienernährer" abhängig blieb.
In der DDR waren Frauen im hohen Maße in die Erwerbsarbeit integriert, häufig
auch in traditionellen "Männerberufen" mit gleichem Lohn für gleiche
Arbeit. Es gab einerseits eine deutlich bessere Infrastruktur und eine
deutlich bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Anderseits waren jedoch
Haus- und Familienarbeiten grundsätzlich nicht anders verteilt. Zahlreiche
Frauen hatten Leitungsfunktionen inne, in den höchsten Führungsgremien waren
sie jedoch nicht angemessen vertreten. Bis heute sind Frauen in deutlich
größerer Zahl in prekärer Beschäftigung, zu niedrigeren Löhnen und in
Teilzeit erwerbstätig. Das
vorherrschende ernährerzentrierte Modell der
Arbeits- und Familienbeziehung beruhte auf der Selbstverständlichkeit der
Heterosexualität. Lesben, Schwule, Trans- und Intersexuelle sowie Transgender
haben bis heute mit ständigen Diskriminierungen im Erwerbsleben zu kämpfen,
zumeist müssen sie ihre Sexualität und ihre Beziehungsform verheimlichen, um
berufliche Aufstiegsmöglichkeiten zu erreichen. Geschlechterverhältnisse sind
Produktionsverhältnisse Die
kapitalistische Produktion findet statt als Warenproduktion und setzt die
beständige Reproduktion der in ihr beschäftigten Arbeitskräfte voraus. In der
Produktion der Güter und Lebensmittel findet eine rasante Entwicklung der
Produktivkräfte statt, wird ein Überschuss produziert und damit die Grundlage
für die menschliche und gesellschaftliche Entwicklung gelegt. Die alte
Geschlechteraufstellung wirkt weiter in der Organisation der
Reproduktionsarbeiten. Im Bereich der Arbeit am Menschen, der Erziehung, der
Gesundheit, der Ernährung, der Pflege sind vor allem Frauen tätig, un- und unterbezahlt und oft geringer geschätzt. In
dieser Rolle werden Frauen zu einer gesellschaftlich unbedeutenden Randgröße
ohne öffentlichen Einfluss. Die
geschlechtsspezifische Teilung der gesellschaftlichen Arbeitsbereiche sowie
ihre hierarchische Anordnung haben bis heute die gesellschaftliche
Unterdrückung der Frauen zur Folge. Berufssparten, in denen überwiegend
Frauen tätig sind, weisen in der Regel ein geringeres Lohnniveau auf.
Unternehmen profitieren von der Frauenunterdrückung, indem sie Frauen zu
niedrigen Löhnen beschäftigen. Frauen leisten zusätzlich zur Erwerbsarbeit
eine ungeheure Anzahl von unbezahlten Stunden Arbeit pro Jahr in den
Familien, in deutlich größeren Umfang als ihre Männer. Übersehen
wird gern, dass die bezahlten und unbezahlten Arbeiten für die Betreuung von
Kindern und pflegebedürftigen Erwachsenen sowie die Hausarbeit von
elementarer Bedeutung sind für das Funktionieren der kapitalistischen
Gesellschaft und für gesellschaftlichen Wohlstand. DIE LINKE versteht sich
als sozialistische und feministische Partei, die patriarchale und
kapitalistische Verhältnisse überwinden will. Geschlechterverhältnisse im Umbruch In
all dieser Zeit haben Frauen für ihre Rechte gekämpft: Suffragetten
erstritten das Frauenwahlrecht. Die proletarische Frauenbewegung setzte sich
für die Rechte der Arbeiterinnen und die Erhaltung des Friedens ein. Ebenso
wie die bürgerliche Frauenbewegung kämpfte sie um die rechtliche
Gleichstellung von Frauen und Männern. Nach 1968 kämpfte die neue
Frauenbewegung für umfassende gesellschaftliche Emanzipation. Im Ergebnis
kann die Frauenbewegung als eine der erfolgreichsten sozialen Bewegungen
gelten. Frauen haben die Grenzen des angeblichen Frauenortes Haushalt
gesprengt, sie haben sich das Recht auf Bildung, auf eine eigenständige berufliche
Entwicklung und auf ökonomische Unabhängigkeit von ihren Männern erkämpft.
Frauen können ihre Sexualität freier leben und die Familienplanung
unabhängiger gestalten. Mädchen von heute haben eine viel bessere Bildung als
ihre Groß- und Urgroßmütter, sie können studieren, Karriere machen,
"Männerberufe" erlernen. Mittlerweile
ist die Mehrheit der Frauen erwerbstätig, doch ein großer Teil von ihnen hat
lediglich eine Teilzeitstelle, die nicht ihre Existenz sichert und die sie
häufig unfreiwillig akzeptieren müssen. In Deutschland verdienen Frauen über
20% weniger als Männer. Sie tragen die Doppelbelastung von Beruf und Familie
fast alleine. Wenn sie Erfolg haben wollen, müssen sie sich einer männlich
geprägten Welt anpassen. In Führungspositionen von Wirtschaft, Wissenschaft
und Politik sind Frauen nach wie vor deutlich unterrepräsentiert. Steuer- und
Sozialrecht sind noch immer auf die traditionelle Alleinernährerfamilie
zugeschnitten. Das Patriarchat prägt Sprache, Kultur, Körperlichkeit und
Politik. Noch immer werden Frauen und Mädchen, insbesondere mit
Behinderungen, Opfer von Vergewaltigung und häuslicher Gewalt. Frauen mit
Behinderungen sind nach wie vor mehrfach diskriminiert. Die
traditionelle bürgerliche Kleinfamilie mit dem berufstätigen Ehemann und der
abhängigen Hausfrau verliert an Bedeutung und wird zunehmend in Frage
gestellt, da die Herausbildung neuer Produktionsweisen neue flexible
Lebensweisen der Menschen mit sich bringt. Der alte Geschlechtervertrag des fordistischen Kapitalismus zwischen männlichem Ernährer
und Hausfrau ist aufgekündigt. Das hat Frauen viele neue Freiheiten und
häufig ökonomische Unabhängigkeit von ihren Männern beschert. Doch die
neoliberale Deregulierung belastet Frauen mit den Anforderungen nach
Flexibilität, der Unfreiheit durch prekäre und unstete Arbeitsbedingungen,
Doppel- und Überbelastung. Während in den Industrieländern immer mehr Frauen
erwerbstätig sind, geht der Anteil der Haus- und Familienarbeit, den Männer
übernehmen, weit hinter den der Frauen zurück. Häufig werden Frauen mit
schlechten Berufschancen oder Migrantinnen zu schlechten Löhnen und prekären
Bedingungen für solche Arbeiten beschäftigt. Dies führt zu neuen
Ungleichheiten unter Frauen. Von wirklicher Emanzipation sind wir weit
entfernt. In
dieser Lage reichen alle Forderungen nach Gleichstellung, nach alternativen
Familienmodellen, nach Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht aus.
Mehrfachbelastung darf nicht individualisiert werden. Die Schwierigkeit der
Vereinbarkeit von Beruf und Familie hat gesellschaftliche und ökonomische
Ursachen. Familie ist da, wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen,
egal, ob als Lebensgemeinschaft, als Ehepaar, als Mehrgenerationenhaushalt
oder in anderen Formen der Gemeinschaft. Familie ist da, wo Menschen, egal
welcher sexuellen Orientierung, füreinander da sind. Deutschland - eine Klassengesellschaft Deutschland
ist eine Klassengesellschaft. Die Produktion von Waren und Dienstleistungen
findet überwiegend in privaten Unternehmen mit dem Ziel statt, möglichst hohe
Gewinne zu erzielen. Die große Mehrheit der Erwerbstätigen arbeitet als
abhängig Beschäftigte. Sie erhalten nur einen Teil der von ihnen geschaffenen
Werte als Lohn, den Überschuss eignen sich die Kapitaleigner an. Diese
bestimmen über seine Verwendung, über die Investitionen und somit über die
wirtschaftliche Entwicklung und die Arbeits- und Lebensbedingungen der
Beschäftigten. Die wirtschaftliche und die gesellschaftliche Entwicklung
werden ebenso wie das Staatshandeln und die Politik entscheidend von den
Interessen des Kapitals bestimmt. Die Lebens- und Bildungschancen der
Menschen hängen in hohem Maße von ihrer Klassenlage und sozialen Herkunft ab.
Die
Struktur der Arbeiterklasse hat sich im Laufe der Entwicklung erheblich verändert.
Der Anteil der Beschäftigten in der Industrie und den großen Unternehmen
sinkt, immer mehr Menschen arbeiten in Dienstleistungsbereichen und kleinen
und mittleren Unternehmen. Auch die Tätigkeiten und Arbeitsinhalte haben sich
verändert. So ist der Anteil der manuellen und körperlichen Arbeit
zurückgegangen, während der Anteil der geistigen, überwachenden und planenden
Tätigkeiten zugenommen hat. Die Unterschiede von Arbeitern und Angestellten
sind schwächer geworden. Dabei haben sich zum Teil auch die Spielräume für
eigenverantwortliche Tätigkeit erweitert. Auch
die Arbeitsverhältnisse haben sich verändert. Der Anteil der regulären
Vollzeitbeschäftigung geht zurück. Immer mehr Arbeitsplätze werden nur noch
befristet besetzt, in Leiharbeitsplätze umgewandelt oder in mehrere Minijobs
aufgespalten. Der Anteil der Beschäftigten, die durch Tarifverträge geschützt
sind, hat abgenommen. Die Zahl der im Niedriglohnsektor Beschäftigten weitet
sich aus. Die prekäre Arbeit nimmt zu. Auf der anderen Seite sind auch
vermehrt selbstständige Tätigkeiten entstanden. Dabei handelt es sich aber
nicht immer um wirkliche und freiwillige Selbstständigkeit, sondern oft um
erzwungene und Schein-Selbstständigkeit mit geringer Bezahlung und
wirtschaftlicher Unsicherheit. Am
schlechtesten ist die Lage der Erwerbslosen, insbesondere, wenn sie schon
längere Zeit ohne Erwerbsarbeit sind und kaum noch Chancen auf gute Arbeit
haben. Sie sind zunehmend Armut, Repression und Ausgrenzung ausgesetzt. Auch
wenn die Arbeitsverhältnisse und Tätigkeiten sehr differenziert sind, so
ergibt sich doch die gemeinsame Klassenlage aus dem allgemeinen Charakter der
Lohnarbeit mit ihrer Abhängigkeit vom Kapital. Die Lohnabhängigen haben das
gemeinsame Interesse, ihre Einkommen, Arbeitsbedingungen und ihre soziale
Absicherung durch betriebliche, tarifliche und gesetzliche Regelungen zu
verbessern und so die kapitalistische Herrschaft und Ausbeutung zu
beschränken. Frauen
unterliegen zudem der Unterdrückung durch patriarchale Strukturen. Die Unterdrückung
der Frauen und das Machtgefälle zwischen den Geschlechtern sind in Wirtschaft
und Gesellschaft fest verankert. Die Geschlechterverhältnisse sind
Bestandteil der Produktionsverhältnisse und drücken sich insbesondere in der
Organisation der Reproduktion aus. Frauen wird die Hauptverantwortung für die
Kindererziehung und die Pflege von Angehörigen aufgebürdet. Aus
der gemeinsamen Klassenlage ergibt sich nicht unmittelbar auch eine
gemeinsame Interessenvertretung oder gar ein Klassenbewusstsein. Dies wird
insbesondere auch durch die Differenziertheit der Arbeits- und
Lebensverhältnisse erschwert. Unterschiede im Einkommen, der beruflichen
Stellung, der Qualifikationen, familiäre Herkunft und verschiedene
Migrationshintergründe prägen die verschiedenen Milieus der Lohnabhängigen.
Dies führt, zusammen mit weltanschaulichen, religiösen und politischen
Traditionen, zu unterschiedlichen Wertorientierungen und politischen
Einstellungen innerhalb der Arbeiterklasse. Unter dem Druck der
Massenerwerbslosigkeit wird die Konkurrenz unter den Lohnabhängigen
verstärkt. Ein gemeinsames Bewusstsein und eine gemeinsame
Interessenvertretung bilden sich am stärksten in den sozialen
Auseinandersetzungen heraus. Auf
der anderen Seite ist aber auch die Klasse der Kapitalisten keineswegs
homogen. Kapital als Eigentum und Kapital als Funktion sind häufig getrennt,
so dass zwischen Kapitaleignern und ihren Beauftragten, dem Management, zu
unterscheiden ist. Dieser unterschiedlichen Stellung können auch
unterschiedliche Interessen entsprechen. Neben
großen Kapitalbesitzern und Finanzmagnaten gibt es aber auch viele kleine und
mittlere Unternehmer und Freiberufler, die nicht durchweg von der Ausbeutung
fremder Arbeit leben. Sie leiden zum Teil selbst unter der Übermacht des großen
Kapitals. Sie haben daher unterschiedliche Interessen und weisen durchaus
auch Gemeinsamkeiten mit der lohnabhängigen Mehrheit der Bevölkerung auf. Die neoliberale Wende - Umverteilung
und Spekulation Die
neoliberale Wende seit den 70er Jahren diente vor allem dem Ziel, die
Profitrate der großen Konzerne nach oben zu treiben. Zentrale Mittel zu
diesem Ziel waren die Deregulierung der Arbeitsmärkte und die politische
Schwächung der Gewerkschaften, um das Lohnniveau zu drücken. Demokratische
und soziale Rechte sowie Leistungen wurden abgebaut und Steuern auf Gewinne
und Kapital gesenkt, um die Unternehmen zu entlasten und ihre Flexibilität zu
erhöhen. Umfassende Privatisierungen zuvor öffentlicher Unternehmen und
Dienstleistungen sowie sozialer Sicherungen eröffneten dem Kapital
zusätzliche profitable Anlagesphären. Die herrschende Klasse versucht, sich
den mit technologischen Umwälzungen weiter wachsenden gesellschaftlichen
Reichtum als Zuwachs ihres privaten Vermögens und ihrer Macht anzueignen. Die
neoliberale Ausrichtung wurde mit dem Zusammenbruch des Währungssystems der
Nachkriegszeit und der Aufgabe regulierter fixer Wechselkurse zu Beginn der
70er Jahre eingeleitet. Zunächst wurden die Währungsmärkte und im Anschluss
daran die globalen Finanzmärkte mehr und mehr liberalisiert. Die
Liberalisierungen der Finanzmärkte wurden entscheidend mit über die EU
vorangetrieben. Mit den EU-Verträgen - vom Maastrichter bis hin zum Vertrag
von Lissabon - und den EU-Richtlinien zur Liberalisierung im Bereich der öffentlichen
Daseinsvorsorge wurde die neoliberale Politik der Privatisierung,
Deregulierung und Flexibilisierung, u.a. durch die Ausrichtung auf eine
"offene Marktwirtschaft mit freiem Wettbewerb" zementiert. Die
Entwicklungsländer wurden zur Öffnung ihrer Volkswirtschaften, zum Abbau von
Kapitalverkehrskontrollen, zur Beschränkung von Sozialausgaben und zur
Privatisierung öffentlicher Güter gezwungen. Viele wurden zum Abbau von
Schutzmechanismen für die eigene Landwirtschaft und zum Aufbau agrarischer
Exportproduktionen genötigt - mit der Folge des Verlustes ihrer
Ernährungssouveränität. Der neoliberale Siegeszug fand seinen Höhepunkt mit
dem Übergang zu kapitalistischen Marktwirtschaften in Mittel-, Ost- und
Südosteuropa und in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Im
Ergebnis haben die Nationalstaaten die Bildung wichtiger Preise auf den
Weltmärkten, wie Wechselkurse und Zinsen, aus der Hand gegeben und der
Spekulation von Banken und Devisenhändlern überlassen. Der globale
Kapitalkreislauf beträgt heute ein Vielfaches des Weltsozialprodukts.
Plötzliche Richtungsänderungen der Kapitalströme können ganze
Volkswirtschaften in den Abgrund reißen. Mit der Deregulierung der
Finanzmärkte wurde aber nicht nur ein zusätzlicher Faktor der Instabilität
erzeugt. Die deregulierten Finanzmärkte eröffneten zugleich ein weites Feld
spekulativer Profiterzielung, auf das sich wachsende Teile der
wirtschaftlichen Aktivität im globalen Kapitalismus konzentrieren. Auch
die Europäische Union, deren Gründung einst dazu beigetragen hatte, den
Frieden zwischen den EU-Mitgliedstaaten zu sichern, entwickelte sich
zunehmend zu einem Motor der neoliberalen Umgestaltung. Städte, Regionen und
Länder konkurrieren auf einem gemeinsamen Binnenmarkt mit möglichst niedrigen
Steuersätzen und laschen Umweltauflagen, mit niedrigen Löhnen und
Sozialabgaben. Die Standortkonkurrenz führt zu einem Dumpingwettlauf mit
verheerenden Auswirkungen nicht zuletzt auf die Einnahmen der öffentlichen
Haushalte. Damit waren die Absenkung der Staatsquote, umfassende
Privatisierungen und eine allmähliche Zerstörung der Sozialsysteme der
Mitgliedstaaten vorgezeichnet. Ganze Volkswirtschaften in der EU drohen zu
kollabieren. Insbesondere die deutsche Sozial- und Lohndumpingpolitik, aber
auch die Ausplünderung der Volkswirtschaften durch die Banken tragen dafür
die Verantwortung. Finanzblase und soziale Spaltung Der
neoliberale Kapitalismus führt dazu, dass sich über einer Realwirtschaft mit
schwachen Wachstumsraten eine gewaltige Finanzblase aus Geldvermögen und Schulden
aufbläht. Steigende Gewinne und die Umverteilung der Einkommen zugunsten von
Kapitalbesitzern und Besserverdienenden bewirken einen riesigen Überschuss an
weltweit anlagesuchendem Kapital. Zusätzlich verstärkt wird dies durch
weltweite Privatisierungstendenzen in der Altersvorsorge und weiteren
sozialen Sicherungssystemen. Zugleich
verschärfen die Abkoppelung der Löhne von der Entwicklung der Produktivität
und sinkende Sozialeinkommen das Problem industrieller Überkapazitäten und
entmutigen reale Investitionen. Eine Ökonomie der Enteignung macht Mehrheiten
ärmer, um die Reichen reicher zu machen. Dass wir in einer
Klassengesellschaft leben, lässt sich an der zunehmend ungleichen Verteilung
von Einkommen und Vermögen ablesen. Drei
Jahrzehnte Wirtschaftswachstum sind nicht nur in Deutschland, sondern
weltweit an vielen Menschen vorbeigegangen. Zwar eröffneten sich in den
Entwicklungsländern für Millionen Menschen, insbesondere für Frauen,
Möglichkeiten der Erwerbsarbeit und damit der Emanzipation. Doch zugleich
wurden sie neuen kapitalistischen Zwängen unterworfen. Gesellschaftlicher
Zusammenhalt und natürliche Lebensräume wurden zerstört. Die
Lebensverhältnisse von Niedrigverdienern und Erwerbslosen, kleinen
Selbstständigen und Kreativen in den Industrieländern haben sich wesentlich
verschlechtert. Viele wissen nicht mehr, wie sie ihr tägliches Leben und das
ihrer Kinder finanzieren sollen. Viele junge Menschen sind von umfassender
Bildung und Qualifikation ausgeschlossen. Inzwischen gehören informelle und
prekäre, unterbezahlte und sozial ungesicherte Arbeit zur Normalität. Mehr
Eigenverantwortung und Kreativität in der Arbeit hat sich für viele unter
diesem Druck mit verstärkter Auslieferung und Selbstanpassung an
Unterordnungs- und Herrschaftsverhältnisse verbunden; die Grenzen zwischen
Arbeit und Freizeit verschwimmen, und die persönlichen und gesellschaftlichen
Lebensverhältnisse insgesamt sind immer stärker eigennützigem Gewinnstreben
und maximierten Renditeerwartungen unterworfen. Die
neoliberale Politik hat keines ihrer Versprechen eingelöst. Statt für mehr
Leistungsgerechtigkeit steht sie für eine rabiate Umverteilung zu Lasten der
Arbeitenden und zum Vorteil leistungsloser Einkommen aus Kapital. Mehr
Eigenverantwortung statt Sozialstaat hat zu mehr Ausgrenzung und Armut
geführt. Nicht mehr Wettbewerb, sondern eine beispiellose Konzentration von
Wirtschaftsmacht ist die Folge. Um
die Nachfrage trotz der Angriffe auf die Masseneinkommen zu steigern, wurden
in den USA, aber auch in anderen Ländern Rahmenbedingungen für eine exzessive
Konsumentenverschuldung geschaffen. Das amerikanische Modell, sinkende Löhne
durch steigende Schulden auszugleichen, war zugleich die Voraussetzung für
die riesigen Exportüberschüsse anderer Länder, so der Bundesrepublik
Deutschland. Auch die steigende Verschuldung des US-Staates zur Finanzierung
von Rüstung und Kriegen hat zum Aufblähen der Finanzblase beigetragen. In
den großen Wirtschaftskonzernen selbst haben schuldenfinanzierte Übernahmen
und Aktienrückkaufprogramme zur Steigerung der kurzfristigen Rendite
zunehmend reale Investitionen in neue Anlagen und Technologien sowie
innovative Forschung und Entwicklung verdrängt. Großanleger und
Finanzinvestoren nötigen Unternehmen, in deren Aktien sie oft nur für kurze
Zeit investieren, zu rücksichtslosen Rationalisierungsschüben, zur Abtrennung
von weniger rentablen Firmenteilen, zur Senkung von Löhnen, Arbeits- und
Sozialstandards. Selbst hochproduktive Unternehmen mit achtbaren Gewinnen und
niedrigem Lohnkostenanteil werden so zur Entlassung von Tausenden von
Beschäftigten oder gar zur Schließung von Betriebsstätten getrieben. Die Weltwirtschaftskrise am Beginn des
21. Jahrhunderts Die
tiefe Weltwirtschaftskrise, die im Jahr 2008 begann, ist die Krise einer
Wirtschaftsordnung, die allein für den Profit produziert und für die Bedarf
nur dann existiert, wenn er sich als zahlungskräftige Nachfrage geltend
macht. Eine Konjunkturkrise, eine Strukturkrise und die Krise der
internationalen Finanzmärkte haben sich zur schwersten kapitalistischen
Weltwirtschaftskrise seit 1929 zugespitzt. Mit dieser Krise ist ein globales
Modell an seine Grenzen gelangt, das die Entwicklung des Kapitalismus in den
vergangenen drei Jahrzehnten geprägt und getragen hatte. Das
gilt auch für die Bundesrepublik Deutschland. Die wirtschaftliche Entwicklung
wurde in diesem Lande in extremer Weise auf Exportsteigerung ausgerichtet und
davon abhängig. Gleichzeitig wurde die Binnennachfrage stranguliert und damit
auch der Import ausgebremst. Den Exportüberschüssen entsprechen enorme
Kapitalexporte deutscher Unternehmen. Dabei geht es nicht nur um produktive
Direktinvestitionen, sondern in großem Umfang um Kredite oder den Ankauf von
Anleihen und Wertpapieren, darunter auch massenhaft heute weitgehend wertloser
"Giftmüll"-Papiere. Deutsche Unternehmen und reiche
Geldvermögensbesitzer haben so in erheblichem Maße zur Finanzierung der
US-Verschuldung und damit zur Entwicklung der Weltfinanzkrise beigetragen. Politisch
geförderter Druck auf die Arbeitsentgelte hat das Exportwachstum begünstigt
und die Binnennachfrage geschwächt. Die Kürzung öffentlicher Sozialausgaben
hat in die gleiche Richtung gewirkt, die Verteilung zu Lasten der Lohn- und
Gehaltsabhängigen verschlechtert und die Binnennachfrage dauerhaft geschwächt.
Deutschland hat mittlerweile von allen Mitgliedsländern der Europäischen
Union einen der geringsten Beschäftigtenanteile im öffentlichen Dienst.
Ergebnis war eine schwache und gespaltene Wirtschaftsentwicklung. Sie dient
nur dem Exportsektor, ist im Interesse der Konzerne und des Finanzkapitals
und erfolgt auf Kosten der Beschäftigten und der für den inländischen Bedarf
produzierenden, also der großen Mehrzahl der kleineren und mittleren
Betriebe. Schwache Wirtschaftsentwicklung und schwindende Steuereinnahmen
aufgrund von Steuersenkungen für Unternehmen und Reiche haben die Finanzkrise
der öffentlichen Haushalte verschärft. Diese wiederum dient zur Begründung
weiterer Ausgabenkürzungen, von Personalabbau und Privatisierung der noch
verbliebenen öffentlichen Güter und Unternehmen. Die
aggressive Exportorientierung Deutschlands verursacht in anderen Ländern
schwere wirtschaftliche Schäden. Die Kehrseite unserer Exportüberschüsse sind
notwendigerweise Defizite und höhere Arbeitslosenquoten der anderen Länder.
Deutschland hat die Exportförderung (etwa durch das Instrument der
Hermesbürgschaften, durch eine Politik des Lohndumpings bei uns, etc.)
einzustellen und stattdessen eine ausgeglichene Handelsbilanz anzustreben. Diese
Entwicklungen zeigen: Der Kapitalismus ist nicht nur sozial ungerecht. Er
unterminiert auch die produktiven Grundlagen der Ökonomie. Er führt zu einer
systematischen Fehlsteuerung der Wirtschaft, zum Aufbau riesiger
Überkapazitäten und an anderer Stelle zu einer gravierenden Unterversorgung
und zu gewaltigen ökologischen Schäden. Sein Ergebnis sind bedrohliche
globale Ungleichgewichte und die Zerstörung von Produktion und Produktivität,
von Arbeitsplätzen und Wohlstand, von Innovation und Kreativität. Er ruiniert
die Mittelschichten und bewirkt eine extreme Einkommens- und
Vermögenskonzentration bei den Reichsten, die die Finanzmärkte aufbläht und
die Nachfrage auf den Gütermärkten stranguliert. Die
neoliberale Politik hat durch Deregulierung, Liberalisierung und
Privatisierung die Wurzeln für die gegenwärtige Krise gelegt, die sich, wenn
nicht politisch gegengesteuert wird, zur Katastrophe auswachsen kann. Die
Unterordnung von Wirtschaft und Gesellschaft unter die Kapitalverwertung
bedroht die Existenz der menschlichen Zivilisation. Der
Finanzmarktkapitalismus hat die Elemente einer vierfachen Krise aufgehäuft.
Sie betreffen die Fragen von Macht und Eigentum, das Verhältnis von Natur und
Gesellschaft, die Produktions- und Lebensweise und die Fragen von Sicherheit
und Entwicklung. Krise des sozialen Zusammenhalts Immer
mehr Menschen werden in extreme Unsicherheit und wachsende Armut gezwungen.
Angst vor sozialem Absturz prägt das Leben großer Teile der Bevölkerung -
darunter in zunehmendem Maß auch hoch qualifizierter Arbeitskräfte. Ausuferndes
Gewinnstreben und wachsende materielle Ungleichheit zersetzen die
Gesellschaft von innen. Konkurrenzkampf, Misstrauen, soziale Abgrenzung und
Unsicherheit wachsen, Kooperation, Vertrauen in gesellschaftliche Strukturen
und Bereitschaft, soziale Verantwortung zu übernehmen, schwinden. Darunter
leidet auch die generationenübergreifende Solidarität, denn unsere
Gesellschaft baut auf dem auf, was die vorangegangene Generation geschaffen
hat, und ist in ihrer Zukunft auf Bildung, Können, Arbeit und Verantwortungsbewusstsein
der kommenden Generation angewiesen. Das Bildungssystem trägt zur sozialen
und kulturellen Spaltung der Gesellschaft bei. Rassismus und faschistische
Tendenzen,
Antisemitismus
und Islamfeindlichkeit nehmen zu. Migrantinnen und in die Illegalität
gezwungene Mädchen und Frauen mit und ohne Behinderungen sind noch häufiger
Opfer von Gewalt. Migrantinnen und Migranten sind von menschenrechtswidrigen
Abschiebungen bedroht. Repressive Elemente in der Innenpolitik werden
ausgeweitet. Aushöhlung der Demokratie Die
Möglichkeit demokratischer Einflussnahme und Mitgestaltung schwindet in dem
Maße, wie die Macht der Konzerne und des Finanzkapitals zunimmt und die
Privatisierung und Liberalisierung der Ökonomie die politischen und öffentlichen
Gestaltungsspielräume verringern. Die Gewinne der Globalisierung werden
privatisiert, die Verluste sozialisiert. Gleichzeitig wird der repressive
Überwachungsstaat ausgebaut. Die Rechte von Staatsbürgerinnen und -bürgern
werden geschwächt, und ihre Durchsetzung hängt immer stärker vom persönlichen
Einkommen ab. Wer davon zu wenig hat und gleichzeitig von demokratischer
Teilhabe ausgeschlossen wird, reagiert oft mit Politikverdrossenheit. So
entsteht ein gefährlicher Teufelskreis der Unterhöhlung eines demokratischen
Systems durch ökonomische Macht und der hilflosen Reaktion darauf. Es
entwickelt sich eine Krise der Demokratie und der gesellschaftlichen
Regulation. Die globalen Herrschaftseliten entscheiden nicht im Interesse der
großen Mehrheit der Weltbevölkerung. Ihre Interessen laufen einer sozialen,
ökologischen und friedlichen globalen Entwicklung entgegen. Die Staaten und
die Weltgesellschaft bleiben Geisel der Vermögensbesitzer und Spekulanten.
Standortkonkurrenz und der Kampf um knappe Ressourcen liefern ganze
Kontinente und große Teile der erwerbstätigen Bevölkerung einem hemmungslosen
Unterbietungswettbewerb, dem Sozialabbau und der Ausplünderung aus. Die
erkämpfte Demokratie, die eroberten individuellen Freiheiten und die
sozialstaatlichen Fortschritte werden durch die Vorherrschaft einer globalen
Oligarchie untergraben. Doch
auch auf der institutionellen Ebene wird die Demokratie ausgehöhlt. Neue
Möglichkeiten der Einflussnahme auf politisches Handeln durch die Potenziale
des Internets bleiben ungenutzt. Mehr direktdemokratische Einflussnahme wird
blockiert. Die soziale Spaltung der Gesellschaft führt zu einer Spaltung der
demokratischen Gesellschaft. Ein großer Teil der Bevölkerung bleibt von
demokratischer Einflussnahme ausgeschlossen, weil ihm die Möglichkeiten zur
Partizipation fehlen. Mit geringem oder keinem Einkommen sind die Spielräume
für politisches Engagement eingeengt und werden partiell unmöglich gemacht.
Gleichzeitig wird der repressive Überwachungsstaat ausgebaut. Mit jedem technischen
Fortschritt werden neue Ideen entwickelt, um die Bürgerinnen und Bürger zu
überwachen und Strafen besser durchsetzen zu können. Datenschutz wird ebenso
ausgeblendet wie Informations-, Presse- und Demonstrationsfreiheit. Staat und
Wirtschaft starten immer neue Prozesse, um das Internet und die damit
verbundenen Möglichkeiten für horizontale Kommunikation und Meinungsbildung
einzuhegen und zu reglementieren. Der
Eindruck, die Politik kümmere sich nicht um die Interessen der
benachteiligten Einwohnerinnen und Einwohner sowie der Ausschluss von
Mitentscheidungsmöglichkeiten führen zu Politiker- und
Parteienverdrossenheit. So entsteht ein gefährlicher Teufelskreis der
Unterhöhlung des demokratischen Systems. Es entwickelt sich eine Krise der
Demokratie und der gesellschaftlichen Ordnung. Die Zentralität der ökologischen Frage Der
Kapitalismus wird sozialen Bedürfnissen, ökonomischen Herausforderungen und
ökologischen Lösungen nicht gerecht. Er orientiert Entscheidungen auf immer
kürzere Zeithorizonte. Es wird auf Wechselkursschwankungen, auf
Kursänderungen von Wertpapieren und Aktien, auf Zinsdifferenzen und
Veränderungen von Preisen für Immobilien und Ressourcen spekuliert.
Entscheidungen mit längerfristiger Perspektive und die Berücksichtigung
langer Zyklen der Natur stehen in tiefem Widerspruch zum kurzfristigen
Profitkalkül. Das Wachstum der vergangenen 250 Jahre basierte vor allem auf
der Nutzung fossiler Energieträger, zunächst der Kohle und seit dem Beginn
des 20. Jahrhunderts von Erdöl und Erdgas. Die Öl-, Kohle- und Gasreserven
sind jedoch begrenzt. Der Höhepunkt der Förderung wird in absehbarer Zeit
erreicht sein. Danach wird das Angebot von fossiler Energie rückläufig sein,
während die Nachfrage infolge des immer noch riesigen Bedarfs an fossilen Energien
in den Industrie- und Schwellenländern steigt. Unter kapitalistischen
Bedingungen wird dies die Preise der fossilen Energieträger und dabei auch
die Profite der Energiekonzerne hochtreiben und auf diese Weise auch ihre
gesellschaftliche und politische Macht weiter stärken. Es
ist zu einer Krise der natürlichen und sozialen Lebensgrundlagen, einer Krise
der Reproduktion gekommen. Die Spekulation mit Nahrungsmitteln und
Agrarflächen zerstört lokale landwirtschaftliche Strukturen und verschärft
Hunger und Unterernährung. Die heutigen Gesellschaften zehren von der
Substanz. Die kapitalistische Produktionsweise hat besonders auch im Bereich
des Umgangs mit Tieren zu einer industriellen Massenproduktion mit
unethischen Haltungsformen und Überfischung der Weltmeere geführt. Die
drohende Klimakatastrophe, die schnelle Erschöpfung vieler natürlicher
Rohstoffe und die beschleunigte Vernichtung der biologischen Vielfalt
einerseits und die Spaltung der Gesellschaften in Gewinner und Verlierer
einer neoliberalen Globalisierung, in ausufernden Luxuskonsum und wachsenden
Hunger andererseits sind zwei Seiten einer Medaille. Die soziale und die
ökologische Frage können nur gemeinsam gelöst werden. Die
große Herausforderung zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist der Klimawandel.
Dürregebiete weiten sich aus, Gletscher schmelzen, Flusspegel sinken, der
Meeresspiegel steigt, Landstriche werden überflutet. Menschen werden zur
Migration gezwungen. Um den Anstieg der Temperaturen auf der Erde zu
begrenzen, muss der Verbrauch fossiler Energieträger radikal eingeschränkt
werden. Technische Lösungen wie die Kohlendioxidspeicherung haben
unkalkulierbare Risiken und Nebenwirkungen und verzögern nur den notwendigen
Umbau. Wir fordern ein Verbot der Kohlendioxid-Abscheidung und -Speicherung
(CCS). Auch die bisherigen Erfahrungen mit dem EU-Emissionshandel sind
enttäuschend. Es ist zu befürchten, dass die gehandelten Zertifikate als
Wertpapiere, wie andere verbriefte Papiere auch, zu spekulativen Zwecken
genutzt werden. Der Erwerb von Emissionsrechten durch die Verursacher von
Treibhausgasen in den Industrieländern von den Entwicklungsländern ist ein
zynisches Tauschgeschäft von Umweltverschmutzung gegen Armut. Immer
deutlicher wird: Eine ökologisch nachhaltige Entwicklung steht im Widerspruch
zur kapitalistischen Wachstumslogik. Die ökologische Frage ist zugleich eine
ökonomische, soziale und kulturelle - eine Systemfrage. Imperialismus und Krieg Die
kapitalistischen Staaten sorgen dafür, dass ihre Unternehmen weltweit Zugriff
auf alle Ressourcen haben, dass sie ihr Kapital weltweit investieren und
verwerten sowie auf allen Märkten ihre Produkte absetzen können. Dazu nutzen
sie ihre ökonomische und militärische Vormachtstellung und ihre beherrschende
Rolle in den internationalen Handels- und Finanzinstitutionen. Der heutige
Imperialismus stützt sich vor allem auf ökonomische Abhängigkeit und
Verschuldung. Imperiale
Kriege erwachsen aus Kämpfen um geopolitische Macht, um ökonomische,
politische und kulturelle Vorherrschaft, um Profite, Märkte und Rohstoffe.
Kriege entspringen darüber hinaus aus Armut und Unterdrückung, aus
Klimawandel, aus Verknappung und ungerechter Aneignung von Naturressourcen.
Sie führen zu weiteren militärischen, ethnischen und religiösen Konflikten,
dem Zerfall von Staaten, zu Fundamentalismus und Terrorismus sowie
Umweltzerstörung. Unter Missachtung der Charta der Vereinten Nationen sind
auch Gewalt und Kriege Mittel der Politik. Oft geschieht dies unter dem
Vorwand des Kampfes gegen den Terrorismus oder gegen "Schurkenstaaten".
Besonders fatal ist dabei die Begründung von militärischen Interventionen mit
dem Schutz von Menschenrechten. Nach dem Ende der Systemauseinandersetzung
ist in den 90er Jahren der Krieg auch nach Europa zurückgekehrt. Deutschland
setzte erstmals seit dem Faschismus wieder Soldaten im Ausland ein und war
direkt oder indirekt an zahlreichen illegalen Kriegen beteiligt. Es war eine
treibende Kraft im Krieg gegen Jugoslawien, unterstützt direkt und indirekt
den Krieg der USA im Irak und beteiligt sich am Krieg in Afghanistan. Aber
in der Welt vollziehen sich grundlegende Veränderungen. Die Hegemonie der USA
als einzige nach der bipolaren Konfrontation verbliebene Supermacht ist in
Frage gestellt. Eine multipolare Welt ist im Entstehen. Auch die EU versucht
zunehmend aggressiv, in der weltweiten Auseinandersetzung um Macht, Einfluss
und natürliche Ressourcen ihre Stellung auszubauen. Kriege, einschließlich
präventiver Angriffskriege, gelten führenden Kräften der USA, der NATO und
der EU wieder als taugliche Mittel der Politik. Das globale Netz von
ausländischen Militärstützpunkten wurde ausgebaut. Der Schutz der
Menschenrechte wird dazu missbraucht, Kriege zu legitimieren. Seit
der Gründung der Europäischen Gemeinschaft wurden Konflikte innerhalb der
Gemeinschaft nicht mehr mit militärischen Mitteln ausgetragen. Heute führen
die Europäische Union und Staaten der EU außerhalb ihres Territoriums aber
immer öfter Kriege: Dem Krieg zur Zerschlagung Jugoslawiens folgte die
Beteiligung an den Aggressionen gegen Afghanistan und den Irak durch eine
Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten. Die wachsende Bedeutung militärischer
Mittel für die EU spiegelt sich im Vertrag von Lissabon wider. Er enthält
nicht nur eine Aufrüstungsverpflichtung, sondern ermöglicht auch die
Beteiligung von EU-Kampfverbänden an internationalen Konflikten. Wir setzen
uns dagegen für eine Politik ein, die an Frieden, Abrüstung und
internationaler solidarischer Zusammenarbeit orientiert ist. 3.
Demokratischer Sozialismus im 21. Jahrhundert
Der
Kapitalismus ist nicht das Ende der Geschichte, sondern eine Etappe der
Menschheitsentwicklung, in der sich zwar viele Hoffnungen der Aufklärung
erfüllten und eine enorme Steigerung der menschlichen Produktivkräfte
stattfand, die aber auch massenhafte Verelendung, Völkermord und
unvorstellbare Kriege über die Menschheit brachte. Heute, da der Kapitalismus
zu einem globalen System geworden ist, treibt sein Raubbau an Mensch und
Natur in eine globale, die menschliche Zivilisation bedrohende Krise. Wir
sind davon überzeugt, dass den vielfachen Krisenszenarien nur durch eine
Überwindung des kapitalistischen Ausbeutungssystems, eine Veränderung der
Produktions- und Lebensweise, durch globale Solidarität, durch die
Überwindung des Geschlechtergegensatzes, die Demokratisierung aller
Lebensbereiche und eine Veränderung des Verhältnisses von Mensch und Natur
entgegengewirkt werden kann. Der Kapitalismus kann überwunden werden, wenn es
gelingt, Mehrheiten zu gewinnen für einen Aufbruch zu einer anderen Art zu
arbeiten und zu leben. Der
erste große Versuch im 20. Jahrhundert, eine nichtkapitalistische Ordnung
aufzubauen, ist an mangelnder Demokratie, Überzentralisation und ökonomischer
Ineffizienz gescheitert. Unter Pervertierung der sozialistischen Idee wurden
Verbrechen begangen. Dies verpflichtet uns, unser Verständnis von Sozialismus
neu zu bestimmen. Wir wollen einen demokratischen Sozialismus, der den
gesellschaftlichen und globalen Herausforderungen und Möglichkeiten des 21.
Jahrhunderts gerecht wird. Für
Rosa Luxemburg endet Gleichheit ohne Freiheit in Unterdrückung, und Freiheit
ohne Gleichheit führt zu Ausbeutung. Wir streben eine sozialistische
Gesellschaft an, in der jeder Mensch in Freiheit sein Leben selbst bestimmen
und es im Zusammenleben in einer solidarischen Gesellschaft verwirklichen
kann. Die
Überwindung der Dominanz kapitalistischen Eigentums in der Wirtschaft und ein
sozialer Rechtsstaat sind dafür die wichtigsten Grundlagen. Alle Menschen
sollen am Reichtum teilhaben können. Der sozial gleiche Zugang jedes Menschen
zu den Bedingungen eines freien Lebens und die Demokratisierung aller
Lebensbereiche gehören zusammen. Sozialismus und Demokratie sind untrennbar.
Wir wollen eine andere Art von wirtschaftlicher Entwicklung und
wissenschaftlich-technischem Fortschritt, um die natürliche Umwelt zu
bewahren und den nachfolgenden Generationen eine verbesserte Welt zu
hinterlassen. Wir wollen, dass Rechtsstaat und Sozialstaat eine Einheit
bilden, und streiten für eine weltweite Ordnung, die durch Frieden,
Solidarität und Gerechtigkeit geprägt ist. So kann ein gutes Leben gestaltet,
eine soziale Demokratie hergestellt und erweitert werden. Wir
stehen mit unserem Kampf um gesellschaftliche Alternativen jenseits der
kapitalistischen Produktions- und Lebensweise nicht allein.
Unterschiedlichste Kräfte und verschiedene Bewegungen sind davon überzeugt,
dass eine andere Welt möglich ist: eine Welt ohne Krieg, Ausbeutung,
Fremdbestimmung und ökologische Zerstörung. Sie suchen, wie in Lateinamerika,
nach neuen Wegen für eine nichtkapitalistische Entwicklung und fordern nicht
nur unsere Solidarität, sondern auch unsere Lernbereitschaft. In den Ländern
des globalen Südens entwickeln sich neue Formen des Eigentums und der
Kooperation, die wichtige Akzente gegen den Neoliberalismus setzen. DIE LINKE
beobachtet mit großem Interesse das Modell der ALBA-Staaten, die eine solidarische
ökonomische Zusammenarbeit vereinbart haben. Die Kompliziertheit der Probleme
und Ausgangsbedingungen verbietet jeden Anspruch auf eine führende Rolle des
einen oder anderen Landes, dieser oder jener Bewegung oder einer einzelnen
Partei. Heute
besteht die Möglichkeit, jedem Menschen ein Leben in sozialer Sicherheit und
Würde zu gewährleisten. Not und Elend können überall auf der Welt überwunden
werden. Wir
streben eine neue, gerechte Verteilung der Erwerbsarbeit und der anderen
gesellschaftlich notwendigen Arbeiten an. Wir wollen, dass alle Menschen am
gesellschaftlich organisierten Arbeitsprozess mitwirken, gleichberechtigt
gesellschaftliche Entwicklung und Kultur mitgestalten und demokratische
Entscheidungsprozesse beeinflussen können. Hierzu streiten wir für ein
öffentliches Bildungssystem, das niemanden ausgrenzt, sondern alle
bestmöglich fördert und in die Lage versetzt, ihren eigenen Berufs- und
Lebensweg selbstständig zu gestalten. Bildung darf nicht darauf beschränkt
bleiben, Menschen zu befähigen, sich in vorgegebene Strukturen einzupassen.
Ziel von Bildung muss es sein, Menschen in die Lage zu versetzen, die Welt zu
verändern, soziale, ökologische und demokratische Reformen zu entwickeln und
umzusetzen. Wir wollen Solidarität und gemeinsames, forschendes Lernen als
Leitlinien in der Bildung verankern und damit die Grundlage für gemeinsame
gesellschaftliche Veränderungen schaffen. Wir wollen die Klassengesellschaft
überwinden. Die neue und bessere Ordnung, die der demokratische Sozialismus erstrebt,
ist eine von Klassenschranken befreite Gesellschaft. DIE
LINKE lässt sich von dem Ziel leiten, dass alle Menschen unabhängig davon, in
welcher Region der Erde sie leben, selbstbestimmt, in Würde und Solidarität
leben können. Diesem Ziel liegt ein Menschenbild zugrunde, das von der
Universalität und Unteilbarkeit der Menschenrechte ausgeht und lediglich eine
Begründung braucht: Weil ich ein Mensch bin. Es greift Marx‘ Vision im
Kommunistischen Manifest auf: "An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft
mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die
freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller
ist." Diese Vision setzt die Abschaffung von Kriegen, den Stopp der
Zerstörungen unserer Umwelt, der natürlichen Lebensgrundlagen ebenso voraus
wie die Beseitigung von Ausbeutung und Unterdrückung, von Diskriminierung,
von Hunger, Armut und Unterentwicklung. Sie wird nur über den Weg einer
umfassenden Demokratisierung aller Lebensbereiche möglich. Sie ist Utopie und
Realismus zugleich. Unser Ziel eines Demokratischen Sozialismus im 21. Jh.
ist eine herrschaftsfreie Gesellschaft in der alle Menschen menschenwürdig
leben können. Demokratischer
Sozialismus orientiert sich an den Werten der Freiheit, Gleichheit,
Solidarität, an Frieden und sozialökologischer Nachhaltigkeit. Diese
bestimmen auch die Mittel auf dem Weg zu einer demokratisch-sozialistischen
Gesellschaft. Demokratischer Sozialismus fördert die Entfaltung der
zivilisatorischen Entwicklungspotenziale der Gesellschaft und zielt auf
grundlegende Veränderungen der herrschenden Eigentums-, Verfügungs- und
Machtverhältnisse. Er verbindet Protest und Widerstand, den Einsatz für
soziale Verbesserungen und linke Reformprojekte unter den gegebenen Verhältnissen
und die Überschreitung der Grenzen des Kapitalismus zu einem großen Prozess
gesellschaftlicher Umgestaltung, der das 21. Jahrhundert bestimmen wird. Er
knüpft an ökonomische Entwicklungen an, die bereits heute über
kapitalistische Produktionsformen hinausweisen. DIE
LINKE kämpft in einem großen transformatorischen
Prozess gesellschaftlicher Umgestaltung für den demokratischen Sozialismus
des 21. Jahrhunderts. Dieser Prozess wird von vielen kleinen und großen
Reformschritten, von Brüchen und Umwälzungen mit revolutionärer Tiefe
gekennzeichnet sein. Demokratischer Sozialismus ist immer auch eine
demokratische Bewegung zur Befreiung der Menschen von jeglichen
Unterdrückungsverhältnissen. Eigentumsfrage und
Wirtschaftsdemokratie Eine
entscheidende Frage gesellschaftlicher Veränderung ist und bleibt die
Eigentumsfrage. Wirtschaftliche Macht bedeutet auch politische Macht. Solange
die Entscheidungen großer Unternehmen sich an den Renditewünschen statt am
Wohl der Allgemeinheit orientieren, ist Politik erpressbar und Demokratie
wird ausgehöhlt. Eine soziale, friedliche, umweltgerechte, demokratische
Gesellschaft erfordert, dass die ökonomische Macht derer, die an Armut,
Ausbeutung, Naturzerstörung, Rüstung und Kriegen verdienen, zurückgedrängt
und überwunden wird. DIE
LINKE kämpft für die Veränderung der Eigentumsverhältnisse. Wir wollen eine
radikale Erneuerung der Demokratie, die sich auch auf wirtschaftliche
Entscheidungen erstreckt und sämtliche Eigentumsformen emanzipatorischen,
sozialen und ökologischen Maßstäben unterwirft. Ohne Demokratie in der
Wirtschaft lassen sich die Interessen der Allgemeinheit gegenüber engen
Profitinteressen nicht durchsetzen. Die Demokratie bleibt unvollkommen.
Deshalb sehen wir in der Wirtschaftsdemokratie eine tragende Säule des
demokratischen Sozialismus. Mehr Demokratie in der Wirtschaft durchzusetzen
war schon immer ein wichtiges Anliegen der Arbeiterbewegung. Wir sehen uns in
dieser Tradition. Unter
den heutigen Bedingungen hat die Durchsetzung von Wirtschaftsdemokratie eine
internationale, eine europäische, nationale und regionale Dimension.
Wirtschaftsdemokratie ist angesichts der ökonomischen
Internationalisierungsprozesse nicht mehr nur im nationalstaatlichen Rahmen
durchsetzbar. Internationale Regeln sind unabdingbar, die die
Wirtschaftsmacht begrenzen und zurückdrängen. Es
geht hierbei auch darum, Wissen und Information öffentlich zugänglich zu
machen. Es ist nicht hinnehmbar, dass mit öffentlichen Geldern
subventionierte Forschungsergebnisse nicht öffentlich zugänglich sind. Für
eine friedliche, solidarische und demokratische Gesellschaft ist der
öffentliche Zugang zu Wissen und Information unumgänglich und darf nicht
Einzelnen vorbehalten bleiben. Wir wollen die Wirtschaft den Maßstäben des Gemeinwohls
unterwerfen, damit sie sozial und ökologisch verträglich wirkt. Demokratische
Steuerung der Wirtschaftsentwicklung setzt voraus, die Finanzmärkte zu
bändigen und auf ihre eigentliche dienende Funktion für die Realwirtschaft
zurückzuführen. Eine Wirtschaft, die den Menschen und nicht dem Profit dient,
hat vor allem folgende Funktionen zu erfüllen: Erstens soll sie die
Bedürfnisse der Menschen befriedigen und allen ein Leben in Wohlstand und
sozialer Sicherheit gewährleisten, zweitens ökologisch nachhaltig wirken,
drittens innovativ auf neue Herausforderungen reagieren und viertens sparsam
die gesellschaftlichen Ressourcen einsetzen. Darüber hinaus muss sie so
organisiert sein, dass alle direkt und indirekt in der Wirtschaft tätigen
Menschen ihre Fähigkeiten frei entfalten und sich in ihrer Tätigkeit bilden
und weiterbilden können. In einer solidarischen Wirtschaftsordnung, wie DIE
LINKE sie anstrebt, haben verschiedene Eigentumsformen Platz: staatliche und
kommunale, gesellschaftliche, private und genossenschaftliche Formen des
Eigentums. Die Belegschaften, die Verbraucherinnen und Verbraucher, die
Repräsentanten der Gemeinwohlinteressen sollen eine starke demokratische
Mitsprache haben und an den wirtschaftlichen Entscheidungen direkt
partizipieren. Es
geht um eine global und geschlechtergerecht fair geteilte Erledigung all
dessen, was Menschen brauchen und wünschen. Jede und jeder muss von den
Einkünften würdig leben können. Alle sollen in der Lage sein, an allen
gesellschaftlichen Bereichen - der Erwerbsarbeit, der Familien-, Sorge- und
Hausarbeit, der gesellschaftlichen Arbeit sowie der politischen Gestaltung -
teilzuhaben. Jede Arbeit, bezahlte oder unbezahlte, soll Wertschätzung
erfahren. Eine
gerechte Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums sowie aller notwendiger
Arbeiten und Teilhabe aller an den Entscheidungen über die Zukunft der
Gesellschaft gehören zu den Voraussetzungen einer
demokratisch-sozialistischen Gesellschaft. Unsere Reformvorschläge entwickeln
wir in der Perspektive einer gerechteren Gesellschaft. Wir wollen schon im
Hier und Heute einen lebenswerten Alltag. Ein
zentraler Punkt in der Auseinandersetzung zwischen Kapital und Arbeit ist die
Frage der Arbeitszeit. Wir fordern als dringend notwendigen Schritt eine
drastische Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit, zugleich das Recht auf Arbeit
und gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Dies ist Voraussetzung, damit die
Arbeit der Sorge und Pflege von Menschen um das Leben und seine natürlichen
Voraussetzungen aus der Ecke der Vernachlässigung und unentgeltlichen
Zuweisung an Frauen geholt wird, diese Tätigkeiten gesellschaftlich
organisiert und alle Gesellschaftsmitglieder beteiligt werden. Öffentliches und Belegschaftseigentum Wir
wollen mehr öffentliches Eigentum in verschiedenen Formen. Strukturbestimmende
Großbetriebe der Wirtschaft wollen wir in demokratische gesellschaftliche
Eigentumsformen überführen und kapitalistisches Eigentum überwinden. Auf
welche Bereiche, Unternehmen und Betriebe sich die demokratische
Vergesellschaftung erstrecken und in welchen öffentlichen oder kollektiven
Eigentumsformen (staatliches oder kommunales Eigentum, Genossenschaften,
Belegschaftseigentum) sie sich vollziehen soll, muss im demokratischen
Prozess entschieden werden. DIE LINKE setzt sich dafür ein, geeignete
Rechtsformen zu schaffen, welche die gemeinschaftliche Übernahme von
Betrieben durch die Beschäftigten erleichtern und fördern. Allumfassendes
Staatseigentum ist aufgrund bitterer historischer Erfahrungen nicht unser
Ziel. Die
Beschäftigten müssen realen Einfluss auf die betrieblichen Entscheidungen
bekommen. Wir setzen uns dafür ein, dass Belegschaften ohne Lohnverzicht an
dem von ihnen erarbeiteten Betriebsvermögen kollektiv beteiligt werden. In
wichtigen Fragen, etwa wenn Massenentlassungen oder Betriebsschließungen
geplant sind, muss es Belegschaftsabstimmungen geben. Eigentumsverhältnisse
sind mehr als nur Besitzverhältnisse. Allein die Änderung der Eigentumstitel
ist unzureichend. Letztlich kommt es auf die Verfügung und auf die Zugänge
zum gesellschaftlichen Reichtum an. Die
Daseinsvorsorge, die gesellschaftliche Infrastruktur, die Finanzinstitutionen
und die Energiewirtschaft gehören in öffentliche Hand und müssen demokratisch
kontrolliert werden. Sie dürfen nicht nach dem Profitkalkül privater
Unternehmen geführt werden. Insbesondere die Angriffe europäischer
Institutionen auf die Eigentumsordnungen der Mitgliedsstaaten und der massive
Liberalisierungsdruck der EU auf den Bereich der öffentlichen Daseinsvorsorge
sind zu stoppen. Stattdessen muss die EU dem Schutz öffentlicher Güter sowie
dem Zugang aller zu den Leistungen der öffentlichen Daseinsvorsorge höchste
Priorität einräumen. Die
Grundversorgung der Menschen mit lebensnotwendigen Leistungen wie Energie,
Wasser und Mobilität, aber auch Wohnen, die soziale Infrastruktur,
Gesundheit, Bildung, Kultur und Sport darf nicht kapitalistischem
Profitstreben überlassen werden. Sie muss öffentlich organisiert und
garantiert werden. Denn renditeorientierte Unternehmen richten ihr Angebot
nicht am Bedarf der Menschen aus, sondern ausschließlich an der
zahlungskräftigen Nachfrage. Sie umwerben und privilegieren die Wohlhabenden
und vernachlässigen die Finanzschwachen. Private
Energieversorger begünstigen industrielle Großkunden und belasten vor allem
ärmere Haushalte. Stattdessen muss Energie für industrielle Großverbraucher
teuer sein, um den Einsatz energiesparender Technologien zu begünstigen. Vor
allem ärmere Haushalte müssen dagegen von hohen Energiekosten entlastet und
bei der Energieeinsparung unterstützt werden. Ebenso gilt: Die Bahn und
Unternehmen des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs dürfen sich nicht an der
Rendite orientieren. Entscheidend muss sein, dass sie Mobilität - auch
zwischen kleineren Orten - ermöglichen und eine attraktive, barrierefreie,
preisgünstige und umweltverträgliche Alternative zum Individualverkehr
darstellen. Es muss konsequent die Zielsetzung verfolgt werden, den
Energieverbrauch im Verkehrs- und Transportwesen entscheidend zu senken: z.B.
durch Verlagerung des Gütertransports von der Straße auf die Schiene. Strom-
und Gasversorgung, Wasserver- und -entsorgung,
Tele- und Internetkommunikation, Eisenbahnverkehr und andere Dienste sind an
bundesweite, regionale und kommunale Netze gebunden, die natürliche Monopole
bilden. Befinden sich solche Monopole in privater Hand, ist Preiswucher die
nahezu unvermeidliche Folge. Oft führt das private Profitkalkül auch dazu,
dass die Wartung und die Instandhaltung der Netze vernachlässigt werden.
Negative Langzeitfolgen sind das Ergebnis. Die Netzneutralität in den
digitalen Kommunikationswegen muss gegen die Bestrebungen der großen
Konzerne, große Anbieter zu bevorzugen, verteidigt werden. Netzgebundene
Dienstleistungen und Einrichtungen der Daseinsvorsorge müssen in öffentlichem
Eigentum bleiben oder in öffentliches Eigentum überführt werden und der
demokratischen Kontrolle unterliegen. Auch
große Naturreichtümer gehören allen und daher grundsätzlich in öffentliche
Hand. Nach dem Grundgesetz soll Eigentum dem Wohle der Allgemeinheit dienen
und nicht nur dem der oberen Zehntausend. Dieser Verfassungsgrundsatz kann
nur in einer Wirtschaft eingelöst werden, in der private Großanleger und
Finanzinvestoren keine Vormacht haben, sondern die auf einem starken
öffentlichen Sektor beruht. Dabei sind starke und aktive Gewerkschaften und
zivilgesellschaftliche Organisationen unverzichtbar. Nur mit ihnen lässt sich
die sozialstaatliche Regulierung demokratisch gestalten. DIE
LINKE tritt für ein Bankensystem aus drei Säulen ein: Sparkassen, Genossenschaftsbanken
und staatliche Großbanken. Ein funktionierender Finanzsektor ist ein
öffentliches Gut, seine Bereitstellung daher eine öffentliche Aufgabe. Das
europäische Banken- und Finanzsystem gehört dauerhaft unter gesellschaftliche
Kontrolle. Die Zentralbanken sollen sich nicht nur an der Geldwert- und
Währungsstabilität, sondern gleichberechtigt auch am Beschäftigungsziel und
dem Ziel nachhaltiger Entwicklung orientieren. Allein
die Form des Eigentums, ob öffentlich oder privat, entscheidet nicht über die
soziale und ökologische Qualität der Entwicklung. Auch Unternehmen im
Eigentum von Bund, Ländern oder Kommunen bedürfen der Kontrolle. Sie müssen
sozialen und ökologischen Vorgaben unterliegen und dem Gemeinwohl gesetzlich
verpflichtet werden. Den Belegschaften müssen starke Mitbestimmungsrechte als
Korrektiv zu den Entscheidungen des Managements garantiert werden. Die
Bürgerinnen und Bürger sollen wirksame Möglichkeiten der Partizipation an der
Entwicklung der kommunalen Dienstleistungen erhalten. Im Unterschied zu
privaten Unternehmen sind öffentliche Unternehmen nicht an kurzfristige
Renditeerwartungen gebunden. Öffentliches Eigentum ist keine Garantie, aber
die Voraussetzung für neue Kriterien und Prioritäten des Wirtschaftens. Hinzu
kommt: Gewinne öffentlicher Unternehmen stärken öffentliche Einnahmen, sei es
auf kommunaler, Landes- oder Bundesebene, und kommen damit der Allgemeinheit
und nicht nur einer kleinen Schicht von privaten Eigentümern zugute. Solidarökonomie Genossenschaften
und andere Formen solidarischer Selbsthilfe sind der Versuch, bereits im
Schoße des kapitalistischen Systems neue ökonomische Strukturen und Praktiken
zu entwickeln, die sich am Bedarf und an den Potenzialen der Menschen
orientieren. Sie beruhen auf Gemeineigentum und egalitären Nutzungs- und
Partizipationsrechten und zielen auf die Erhaltung oder Wiederherstellung
menschenwürdiger Lebensbedingungen und solidarischer Beziehungen im
Gemeinwesen. Sie gehören zur Tradition der Arbeiterbewegung, der neuen
sozialen Bewegungen sowie der Befreiungs- und Aneignungsbewegungen in der
ganzen Welt. Solidarökonomie
leistet einen wichtigen Beitrag zur kurzfristigen Senkung der
Lebenshaltungskosten und zur besseren Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern
und Dienstleistungen. Sie ist vielerorts Vorreiter für ökologische Produkte,
Recycling und die Realisierung neuer solidarischer Arbeits- und Lebensformen.
DIE LINKE will solidarische Ökonomie durch geeignete Rahmenbedingungen,
regionale Wirtschaftspolitik und Existenzgründungshilfen fördern.
Insbesondere Wohnungsgenossenschaften und andere gemeinschaftliche und
demokratisch organisierte Unternehmen und Selbsthilfeorganisationen im
Wohnungssektor werden von der Partei DIE LINKE unterstützt, sofern sie das
soziale Ziel der bezahlbaren Wohnungsversorgung breiter Schichten der
Bevölkerung verfolgen. Kleine und mittlere Unternehmer Ein
Ausgleich der Interessen von denen in freien Berufen, von Kleinunternehmen
und den gewerkschaftlichen Interessen der Lohnabhängigen ist lohnend für Demokratie
und Volkswirtschaft. Ohne den Mut und die Ausdauer von Handwerksbetrieben,
Erfinderinnen und Kleingewerbetreibenden wären nachhaltig-ökologische
Produkte oft so nicht durchgesetzt worden und wäre der Ausbau regionaler
Kreisläufe undenkbar. Zudem haben kleine und mittlere Unternehmen sowie
Selbstständige oft ein hohes innovatives und kreatives Potenzial. DIE LINKE
beteiligt sich daran mit Rat und Tat, um den gemeinsamen Streit für
Binnenkaufkraft, für Freiheit von monopolkapitalistischer Gängelung und von
Bank-Diktaten zu verbreitern. Selbstbewusste
Selbstständige in Handwerk, Kunst und anderer Dienstleistung sind
unverzichtbar für einen demokratischen Sozialismus des 21. Jahrhunderts.
Grundsätzlich gehört zur pluralen Eigentumsordnung
des demokratischen Sozialismus das Privateigentum kleiner und mittlerer
Unternehmen. Das gilt auch für bäuerliches Eigentum an Grund und Boden. Wir
wollen Rahmenbedingungen, die Selbstausbeutung und Druck auf Beschäftigte
verhindern. Eine wirkungsvolle demokratische, soziale
und ökologische Rahmensetzung Wirtschaftliche
Entwicklung darf nicht nur dem Markt und den Unternehmen überlassen, sondern
muss in ihren Grundrichtungen demokratisch gesteuert werden. Erforderlich ist
neben leistungsfähigen öffentlichen Unternehmen eine zielgerichtete
öffentliche Investitionstätigkeit. Die Wirtschafts- und Finanzpolitik muss
Vollbeschäftigung anstreben, die inländische Nachfrage stärken und für eine
sozial und ökologisch nachhaltige Entwicklung sorgen. Dazu müssen die
Arbeitszeiten bei zunehmender Produktivität ohne Einkommensverlust
fortschreitend verkürzt werden. Regionale und sektorale Wirtschaftspolitik
muss auf der Grundlage einer demokratischen Rahmenplanung und einer
strategisch gestaltenden Strukturpolitik steuernden Einfluss auf die
Investitionsentscheidungen der Unternehmen nehmen. DIE
LINKE tritt neben dem Ausbau direkter Demokratie für ihre Erweiterung durch
Runde Tische und Wirtschafts- und Sozialräte auf allen Ebenen ein. In solchen
Gremien sollten Gewerkschaften, Kommunen, Verbraucherinnen und Verbraucher,
soziale, ökologische und andere Interessenverbände vertreten sein. Sie können
im Dialog erarbeiten, was für die verschiedenen Aufgabenbereiche jeweils als
orientierendes allgemeines Interesse angesehen werden soll und gesellschaftlich
zur Geltung zu bringen ist. Sie sollen an der Entwicklung regionaler
Leitbilder für die demokratische, soziale und ökologische Rahmensetzung
beteiligt werden und die Möglichkeit zu gesetzgeberischen Initiativen
erhalten. 4.
Linke Reformprojekte – Schritte gesellschaftlicher Umgestaltung
Der
Kampf für eine andere, bessere Welt, für den demokratischen Sozialismus,
beginnt mit der Veränderung der Gesellschaft, in der wir leben. DIE LINKE
setzt sich für die Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit, die friedliche
Lösung von Konflikten und die Demokratisierung der Gesellschaft ein.
Einkommen und Vermögen werden auf der Grundlage von Natur, Wissen, Kultur
durch Arbeit erzeugt. Reichtum darf sich nicht länger bei den Kapital- und
Großgrundbesitzern konzentrieren. Erwerbsarbeit, Arbeit in der Familie, die
Sorge um Kinder, Partner und Freunde, die Teilhabe am kulturellen und
politischen Leben und schließlich individuelle Weiterbildung und Muße sind
wesentliche Lebensbereiche. DIE LINKE will für alle Menschen die Möglichkeit
schaffen, diese Lebensbereiche in selbstbestimmter Balance zu verbinden. Ihre
demokratische Gestaltung und geschlechtergerechte Verteilung haben eine
wichtige Rolle auch für die Gestaltung der gesellschaftlichen
Lebensverhältnisse und des demokratischen Sozialstaats. Wir
wollen die Grundrechte und Ansprüche verwirklichen, die das Grundgesetz
formuliert: Menschenwürde, freie Entfaltung der Persönlichkeit,
Gleichberechtigung aller Menschen, freie Wahl von Beruf und Arbeitsplatz,
Unverletzlichkeit der Wohnung, Meinungs-, Bekenntnis- und
Vereinigungsfreiheit, Brief- und Telekommunikationsgeheimnis, Asylrecht für
politisch Verfolgte. Eigentum verpflichtet und soll zugleich dem Wohl der
Allgemeinheit dienen. Grund und Boden, Naturschätze und Produktionsmittel
können zum Zwecke der Vergesellschaftung in Gemeineigentum überführt werden.
Die Bundesrepublik Deutschland soll ein demokratischer und sozialer
Rechtsstaat sein. Er hat die Aufgabe, die natürlichen Lebensgrundlagen zu
schützen. Alle Staatsgewalt soll vom Volke ausgehen und in Wahlen und
Abstimmungen ausgeübt werden. Vorbereitung oder Führung eines Angriffskrieges
sind unter Strafe zu stellen. DIE
LINKE fordert die Durchsetzung von wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und
politischen Reformen, die die Bedürfnisse und Interessen der Bevölkerung in
den Mittelpunkt stellen und nicht die Bereicherungsansprüche der oberen Zehntausend.
Indem wir heute für linke Reformprojekte kämpfen, wirken wir zugleich für
unser sozialistisches Ziel. Die
nachhaltige Überwindung der wirtschaftlichen Krise und der
Massenerwerbslosigkeit, der sozialen Krise und der Energie- und Klimakrise
erfordert eine andere Wirtschaftsordnung, die nicht mehr vom Streben nach
maximalem Profit beherrscht wird. Als erster Schritt ist ein grundlegender
Richtungswechsel der ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklung
notwendig, ein sozial-ökologischer Umbau. Dazu muss die gesamte Wirtschafts-
und Lebensweise und insbesondere das Energiesystem naturverträglich
umgestaltet und auf regenerative Quellen umgestellt werden. Dies muss
verbunden werden mit einer Politik zur Verbesserung der Arbeits- und
Lebensbedingungen der Mehrheit. Die soziale Sicherung und die öffentlichen
und sozialen Dienstleistungen müssen aus- statt abgebaut werden. Die
Umverteilung von unten nach oben muss gestoppt und umgekehrt werden. Der
Finanzsektor muss demokratischer Kontrolle unterworfen werden. Statt
Privatisierung muss der öffentliche und gemeinwirtschaftliche Sektor wieder
erweitert werden. Demokratische und soziale Rechte, Bildungs- und
Beteiligungsmöglichkeiten aller Menschen und insbesondere benachteiligter
Gruppen müssen gestärkt werden. Notwendig sind friedliche und kooperative
Konfliktlösungen, Abrüstung und globale Solidarität statt Kriegführung unter
welchem Deckmantel auch immer. DIE LINKE ist der Überzeugung, dass ein
krisenfreier, sozialer, ökologischer und friedlicher Kapitalismus nicht
möglich ist. Aber im Ergebnis gesellschaftlicher und politischer Kämpfe und
veränderter Kräfteverhältnisse ist es möglich, eine andere
Entwicklungsrichtung durchzusetzen und so auch Ausgangsbedingungen für
weitergehende demokratisch-sozialistische Umgestaltungen zu schaffen. In
solchen Auseinandersetzungen werden die Konzepte, gesellschaftlichen Kräfte
und Mehrheiten für Alternativen zum Kapitalismus entwickelt. 4.1
Wie wollen wir leben? Gute Arbeit, soziale Sicherheit und Gerechtigkeit
DIE
LINKE will, dass jeder Mensch ein selbstbestimmtes Leben in Würde und
sozialer Sicherheit führen, sein Recht auf Arbeit, auf Bildung und Kultur
wahrnehmen kann und nicht diskriminiert oder ausgegrenzt wird. Gute Arbeit Menschliches
Leben umfasst die physische, kulturelle und geistige Reproduktion und reicht
damit weit über den Bereich der Erwerbs- und Lohnarbeit hinaus. Arbeit ist
mehr als Erwerbsarbeit, denn ohne die täglich zu leistende Arbeit in der
Haushaltung, in der Erziehung, Sorge und Pflege, im Ehrenamt und im
Kulturbereich könnte auch die in Lohnarbeit investierte Arbeitskraft sich im
gesellschaftlichen Maßstab nicht reproduzieren. Die Erwerbsarbeit hat die
spezifische Bedeutung, dass in ihr die Einkommen erwirtschaftet und die Güter
und Dienstleistungen produziert werden, die gekauft werden können. Die
Weiterentwicklung der Produktivkräfte erfolgt überwiegend im Bereich der
Erwerbsarbeit. Gute
Erwerbsarbeit fördert die eigenen Stärken, schöpft Potenziale und eröffnet
Perspektiven zur persönlichen und beruflichen Verwirklichung. Gute Arbeit ist
vereinbar mit Familie und sozialem Leben. Voraussetzungen für gute
Erwerbsarbeit sind: Sie muss mit dem Gewissen des und der Erwerbstätigen
vereinbar sein, ein gutes Einkommen sichern, die berufliche Qualifikation in
Wert stellen und keine zu hohen Ansprüche an die Flexibilität und die
Fahrtzeiten bedeuten. Sie darf nicht gegen die politische und religiöse Gewissensfreiheit
verstoßen. Erwerbsarbeit kann Quelle von Selbstverwirklichung sein, aber für
viele beginnt Selbstverwirklichung außerhalb ihrer Arbeitsverhältnisse. Massenerwerbslosigkeit
ist erzwungene Erwerbslosigkeit und muss überwunden werden. Sie ist erniedrigend
für die Betroffenen, und sie schwächt die Position der Beschäftigten und der
Erwerbslosen und die Durchsetzungskraft ihrer Gewerkschaften gegenüber dem
Kapital. Sie verursacht großen finanziellen Druck auf den Sozialstaat. Das
führt unter anderem dazu, dass soziale Aufgaben wie Pflege oder Betreuung von
Alten, Kranken oder Kindern verstärkt in den unbezahlten privaten Bereich
verlagert werden. In der Konsequenz bedeutet das vielfach einen Verlust an
Professionalisierung und insbesondere für Frauen eine verstärkte zeitliche
und psychische Belastung. Die Massenerwerbslosigkeit schwächt zudem alle
politischen Bestrebungen für eine soziale und ökologische Gestaltung der
Produktions- und Lebensweise. Jeder und jede hat das Recht auf Arbeit und das
Recht, konkrete Arbeitsangebote abzulehnen, ohne Sperrzeiten oder Sanktionen
fürchten zu müssen. Zwang zur Erwerbsarbeit lehnen wir ab. DIE
LINKE will gute Arbeit statt ungesicherter, prekärer und unterbezahlter
Beschäftigung. Deshalb soll jede Erwerbstätigkeit sozial versichert sein. Wir
kämpfen dagegen, dass reguläre Beschäftigung durch Leiharbeit,
Scheinselbstständigkeit, Endlospraktikaschleifen
oder Minijobs ersetzt wird. Unabhängig von Geschlecht, Alter und
Erwerbsstatus muss gelten: Gleiches Entgelt und gleiche soziale Standards für
gleiche und gleichwertige Arbeit. Schluss mit Armutslöhnen und Lohndumping.
Die Enteignung der Beschäftigten muss gestoppt werden. Deshalb fordern wir
einen gesetzlichen Mindestlohn in existenzsichernder Höhe. Dieser Mindestlohn
soll mindestens 60 Prozent des nationalen Durchschnittslohns betragen. Tarifverträge
müssen leichter als bisher für allgemeinverbindlich erklärt werden können.
Öffentliche Aufträge dürfen nur an Unternehmen vergeben werden, die die
Tarifverträge und Schwerbehindertenquote einhalten, Mindestlöhne zahlen und
soziale und ökologische Kriterien beachten. Tarifflucht muss bekämpft werden.
Das Entsendegesetz muss künftig für sämtliche Branchen vorschreiben, dass für
alle Anbieter die Standards des Ortes gelten, an dem die Arbeit geleistet
wird. Leiharbeit muss verboten werden. Der Kündigungsschutz muss verbessert
und Befristungen müssen gesetzlich eng eingeschränkt werden. Inklusive
Arbeitsverhältnisse für Menschen mit Behinderungen sind zu fördern. Auch Werkstattbeschäftigte
brauchen Löhne und Gehälter, die ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Wir
wollen regelmäßige Lohnzuwächse, die mindestens den Produktivitätszuwachs und
die Preissteigerungen ausgleichen. Die Managergehälter müssen auf das
20-fache der untersten Lohngruppen im Unternehmen begrenzt, die Vergütung mit
Aktienoptionen sowie übermäßige Abfindungen verboten werden. Wir
wollen die Arbeitszeiten bei vollem Lohn- und Personalausgleich verkürzen.
Gute Arbeit für alle, aber weniger Arbeit für die Einzelnen - das wollen wir
als neue Vollbeschäftigung. Die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit mit
Kindererziehung und Pflege muss verbessert werden. Die Beschäftigten brauchen
zudem größere Selbst- und Mitbestimmungsrechte in Bezug auf ihre Arbeitszeit
und genügend freie Zeit für Erholung, Muße und selbstbestimmte Tätigkeiten.
Durch die Reform des Arbeitszeitgesetzes soll die höchstzulässige
durchschnittliche Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden begrenzt werden.
Perspektivisch streben wir eine Obergrenze von 35 Stunden, längerfristig von
30 Stunden an. Wir wollen, dass dabei für die Beschäftigten ein voller
Lohnausgleich gesichert wird. Die Mitbestimmungsrechte von Personal- und
Betriebsräten sind vor allem im Hinblick auf Personal- und Stellenpläne zu
erweitern. So ist zu erreichen, dass die Verkürzung der Wochenarbeitszeit zu
mehr Beschäftigung führt und der Leistungsdruck abgebaut wird. Den
betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz und das
Jugendarbeitsschutzgesetz wollen wir verbessern. Die Ansprüche der Beschäftigten
auf Weiterbildung wollen wir ausweiten. Auch der Wiedereinstieg in den Beruf
nach einer schwangerschafts- und erziehungsbedingten Pause muss durch
kostenfreie Weiterbildungsangebote erleichtert werden. Gute
Arbeit für jede und jeden erfordert erweiterte Mitbestimmung der
Beschäftigten im Betrieb und im Unternehmen. Wir sind für bindende
Veto-Rechte von Beschäftigten in bedeutenden sozialen, wirtschaftlichen und
ökologischen Belangen. Starke und kämpferische Gewerkschaften sind notwendig.
DIE LINKE unterstützt sie in ihren Anstrengungen. Das ungehinderte
Streikrecht, einschließlich des Rechts auf den politischen Streik und den
Generalstreik, muss gewährleistet werden. Die Aussperrung als Kampfinstrument
der Unternehmer gegen die Gewerkschaften muss verboten, der
Antistreikparagraph muss abgeschafft, die Tarifflucht muss gesetzlich
unterbunden und das Verbandsklagerecht für Gewerkschaften eingeführt werden. Die
rasante Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechniken und des
Internets bringt neue Möglichkeiten, Arbeit aus dem betrieblichen
Zusammenhang zu lösen und mit eigenen Produktionsmitteln selbstbestimmt tätig
zu sein. Insbesondere Soloselbstständige, die als Scheinselbstständige von
einem Auftraggeber abhängig sind, sind bei Auftragseinbrüchen unmittelbar
existenziell betroffen und unzureichend sozial abgesichert. Gleichzeitig
wachsen damit die Risiken, auch qualifizierte "Informationsarbeit"
zu verlagern, an billigere Anbieter im In- und Ausland zu vergeben und so
Druck auf die Löhne und Arbeitsbedingungen auszuüben. In der Kultur- und
Kreativwirtschaft und im Softwarebereich sowie in Callcentern sind
ungeschützte Beschäftigungsverhältnisse, schlechte Bezahlung und
Arbeitsbedingungen besonders verbreitet. In großem Maße werden zu miesen
Konditionen arbeitende Selbstständige und Minijobber sowie Praktikantinnen
und Praktikanten ausgebeutet. DIE LINKE setzt sich dafür ein, Praktika als
Lernverhältnisse zu regeln und Mindestentgelte festzusetzen. Alle
Selbstständigen müssen in den Schutz der Sozialversicherungen einbezogen
werden, dabei sollen die Auftraggeber entsprechend den Arbeitgeberbeiträgen
bei Arbeitnehmern zur Finanzierung herangezogen werden. Wo es möglich ist,
sind gemeinsame Vergütungsregeln für von Selbstständigen für Unternehmen
erbrachte Leistungen durchzusetzen. Aktive Wirtschafts- und
Arbeitsmarktpolitik Die
neoliberale Entstaatlichungs- und Privatisierungspolitik der vergangenen
Jahre hat in vielen Bereichen zu einer massiven Unterversorgung geführt. Die
Überwindung des öffentlichen Investitionsstaus und ein Ausbau öffentlicher
Beschäftigung sind überfällig. Es ist eine Schande, dass in einem reichen
Land wie Deutschland Menschen in Armut oder in Obdachlosigkeit leben, Kinder
und Jugendliche keine gute Bildung erhalten, Pflegebedürftige vernachlässigt
werden, Bibliotheken oder Schwimmbäder geschlossen werden oder aus Geldmangel
Schulgebäude verfallen und Straßen verrotten. Wir
brauchen einen Richtungswechsel in der Wirtschafts- und Finanzpolitik. Sie
muss eine neue Vollbeschäftigung, höhere Masseneinkommen und die Stärkung der
öffentlichen Finanzen anstreben. Dabei darf es keine sozial und ökologisch
blinde Wachstumsfixierung geben, sondern dies muss mit einem zukunftsfähigen
Umbau der Strukturen, mit sinkendem Rohstoffverbrauch und sinkenden
Umweltbelastungen verbunden werden. Dazu muss die inländische Nachfrage durch
eine Umverteilung zugunsten kleiner und mittlerer Einkommen und eine
Ausweitung öffentlicher Leistungen gestärkt werden. DIE LINKE fordert große
öffentliche Zukunfts- und Investitionsprogramme für Bildung, für soziale,
ökologische und barrierefreie Verkehrsinfrastruktur. Dies schafft Nachfrage
und Beschäftigung in privaten Unternehmen ebenso wie im öffentlichen Dienst. Die
Beschäftigung im Bereich öffentlicher und sozialer Dienstleistungen ist in
Deutschland im internationalen Vergleich stark unterentwickelt und zudem
häufig schlecht bezahlt. Wir wollen in diesen Bereichen Millionen neue
reguläre und tariflich bezahlte Arbeitsplätze schaffen und so zugleich dringende
gesellschaftliche Bedürfnisse befriedigen. Dies kann und muss durch eine
sozial gerechte und ökologische Steuerpolitik, die Reiche und finanzstarke
Unternehmen verstärkt heranzieht und den Umweltverbrauch und den
Ressourcenverbrauch besonders besteuert, solide finanziert werden. Eine
aktive staatliche Industrie- und Dienstleistungspolitik ist erforderlich, um
De-Industrialisierung zu verhindern und Arbeitsplätze im verarbeitenden
Gewerbe, im Handel und in anderen Dienstleistungsbereichen zu sichern. Wir
fordern ein Verbot von Massenentlassungen. Das wird in großem Umfang sozial
abgesicherte Übergänge von Beschäftigten aus schrumpfenden in zukunftsfähige
Branchen einschließen. Wir
wollen einen öffentlichen Zukunftsfonds einrichten, mit dem bedrohten, aber
überlebensfähigen Unternehmen geholfen und der sozial-ökologische Umbau
gefördert werden kann. Dabei dürfen staatliche Hilfen nur im Tausch gegen
entsprechende Eigentumsanteile der öffentlichen Hand oder Belegschaftsanteile
vergeben werden. Diese Eigentumsrechte sind zu nutzen, um die Kriterien der
Unternehmensführung zu verändern: Die heutige Renditefixierung, die
ausschließlich den Eigentümern beziehungsweise Aktionären nützt, muss
abgelöst werden durch ein Wirtschaften, das den Unternehmenserfolg am
langfristigen Wachstum, an den Interessen der Beschäftigten sowie der
ökologischen Nachhaltigkeit misst. Wir
wollen eine aktive Arbeitsmarktpolitik, die sich in besonderem Maße für all
diejenigen Menschen engagiert, die schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt
haben. Die Kenntnisse, Kompetenzen und Fähigkeiten älterer Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter müssen nachhaltig in den Arbeitsmarkt integriert werden. Dazu
gehören Regelungen, die Menschen im Alter von über 50 Jahren wirksam vor
Kündigung schützen und ihnen im Falle der Erwerbslosigkeit eine ihren
Kenntnissen und Fähigkeiten entsprechende tariflich bezahlte Beschäftigung
zum Wohle und zum Nutzen aller ermöglichen. Öffentlich geförderte
Beschäftigung muss sinnvolle und tariflich bezahlte Arbeitsplätze anbieten.
Diese sollten besonders dort geschaffen werden, wo der Markt Bedürfnisse im
sozialen, kulturellen und ökologischen Bereich nicht abdeckt. Die Annahme
dieser Arbeitsplätze ist freiwillig. Wir
diskutieren darüber, inwieweit mit einem öffentlich geförderten
Beschäftigungssektor über die Arbeitsmarktpolitik hinaus die Beschäftigung im
Non-Profit-Bereich dauerhaft fortentwickelt und gestärkt werden kann. Den Finanzsektor demokratisch
kontrollieren und dem Gemeinwohl verpflichten Die
privaten Banken sind für die Spekulationsblasen der vergangenen Jahre und die
entstandenen Milliardenverluste wesentlich verantwortlich. Private Banken
müssen deshalb verstaatlicht, demokratischer Kontrolle unterworfen und auf
das Gemeinwohl verpflichtet werden. Durch strikte Regulierung ist zu
gewährleisten, dass der Bankensektor in Zukunft wieder seinen öffentlichen
Auftrag erfüllt: die zinsgünstige Finanzierung wirtschaftlich sinnvoller
Investitionen, insbesondere auch kleiner und mittlerer Unternehmen, die
Abwicklung des Zahlungsverkehrs und Bereitstellung eines kostenlosen
Girokontos für jedermann, sichere Anlage privater Ersparnisse. Das in den
vergangenen Jahren explosiv angewachsene Investmentbanking ist abzuwickeln,
der Eigenhandel mit Wertpapieren und die Spekulation mit Derivaten sind
Banken zu verbieten, ebenso jegliche Geschäfte außerhalb der eigenen Bilanz
und Geschäfte mit Unternehmen oder Personen, die rechtlich in Steueroasen
registriert sind. Dringend erforderlich sind Rahmenvorgaben für Kredit- und
Guthabenzinsen. Banken müssen gesetzlich verpflichtet werden, einen
festgelegten Mindestanteil ihrer Bilanzsumme in Form von Kleinkrediten zu
niedrigen Zinsen an mittelständische Unternehmen zu vergeben. Wir
fordern eine effektive Kontrolle und Regulierung des internationalen
Kapitalverkehrs, ein Verbot hochspekulativer Investitionsvehikel, die die
Stabilität des Finanzsystems und damit der gesamten Weltwirtschaft gefährden.
Wir wollen spekulative Investmentvehikel wie Hedge-Fonds und
Private-Equity-Gesellschaften die Geschäftstätigkeit in der Bundesrepublik
verbieten. Sämtliche Finanztransaktionen wie Börsenumsätze, außerbörslicher
Handel oder Devisengeschäfte sind mit einer Steuer zu belegen, um Spekulation
unattraktiv zu machen. Hierzu gehört insbesondere das Verbot von
Spekulationen mit landwirtschaftlichen Nutzflächen, Agrarrohstoffen jeglicher
Art einschließlich Wasser. Leerverkäufe sind zu verbieten. Als ersten Schritt
fordern wir die Einführung einer Börsenumsatzsteuer in Deutschland. Die
Wechselkurse der wichtigsten Leitwährungen müssen durch Zielzonen
stabilisiert werden. Auf europäischer Ebene müssen Regulierungs- und
Aufsichtsstrukturen aufgebaut und bestehende gestärkt werden. Wir setzen uns
für eine Koordinierung der nationalen Steuerpolitiken ein, um Steuerdumping
innerhalb der EU zu beenden. Steueroasen, in denen zudem keine wirksame
Regulierung stattfindet, müssen ausgetrocknet werden, indem Geschäfte mit
ihnen unterbunden werden. Nachhaltige Agrarwirtschaft und
ländliche Entwicklung Die
agrarwirtschaftliche Primärproduktion gehört zu den Schlüsselbereichen beim
sozial-ökologischen Umbau und zur Sicherung der Ernährungssouveränität. Sie
muss durch nachhaltige Produktionsmethoden und -verfahren die Nachfrage nach
Rohstoffen für sichere, gesunde Lebens- und Futtermittel sowie Biomasse zur
energetischen und stofflichen Nutzung decken. Zugleich soll sie die Böden
fruchtbar, das Wasser sauber und die Luft rein halten sowie die biologische
Vielfalt in den Kulturlandschaften bewahren. Wir wollen innovative,
ressourcenschonende Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau und Fischerei im
Einklang mit der Natur. Wir sind gegen die fortschreitende Überfischung und
Ausbeutung der Meere und Binnengewässer. Wir fordern eine deutliche
Steigerung des ökologischen Landbaus und ein umweltverträgliches Wirtschaften
aller Landeswirtschaftsbetriebe, so dass perspektivisch alle Nahrungsmittel
nachhaltig hergestellt werden. Damit kann der Aufwand an Agrochemikalien,
synthetischen Düngemitteln, Wasser und Energie gesenkt werden. Wir
wollen nachhaltig wirtschaftende bäuerliche Familienbetriebe,
genossenschaftliche und kommunale Betriebe stärken und einer Konzentration
privaten Grundeigentums entgegenwirken, die Errungenschaften der Bodenreform
verteidigen und vielfältige Formen überbetrieblicher, regionaler und
überregionaler Zusammenarbeit der Agrar- und Nahrungsmittelbetriebe
unterstützen. Wir setzen auf sozialökologisch ausgerichteten Strukturwandel
durch Kooperation. Für eine gentechnikfreie Landwirtschaft DIE
LINKE setzt sich für eine gentechnikfreie Landwirtschaft ein. Die
Agrogentechnik nutzt nur einigen wenigen internationalen Saatgut- und
Agrochemiekonzernen, die die globale Kontrolle über den landwirtschaftlichen
Sektor und die Ernährung anstreben. Die Agrogentechnik ist mit einem hohen
gesundheitlichen, ökologischen, ökonomischen und sozialen Risiko für
Landwirte, Gärtnerinnen und Gärtner, Imker und Imkerinnen, Verbraucherinnen
und Verbraucher behaftet. Der behauptete Nutzen für die Landwirtschaft ist
längst durch die katastrophalen Erfahrungen in anderen Ländern wie Kanada und
Indien widerlegt. Die Agrogentechnik kann weder den Pestizideinsatz
verringern noch das Welternährungsproblem lösen. Eine Koexistenz von Gentech-Anbau einerseits und biologischem oder
konventionellem Anbau andererseits ist nicht möglich. Sind transgene Pflanzen
erst einmal freigesetzt, können sie nicht mehr zurückgeholt werden. DIE
LINKE fordert ein unverzügliches Verbot von Agrogentechnik - bei uns, auf
europäischer Ebene und weltweit. Die Nulltoleranz bei Saatgut muss
beibehalten werden. Terminator-Saatgut ist zu verbieten. DIE LINKE
unterstützt die Einrichtung von gentechnikfreien Zonen und die Schaffung von
Erzeuger- und Vermarktungsgemeinschaften für gentechnikfreie Produktion - aus
konventioneller oder biologischer Landwirtschaft. Der einheimische Anbau von
Eiweißfuttermitteln muss gestärkt werden. Wir brauchen keine Gentechnik auf
dem Acker, im Futtertrog, auf dem Teller oder im Tank. Eine nachhaltige und
umweltschonende Erzeugung von gesunden Nahrungs- und Futtermitteln sowie
nachwachsenden Rohstoffen ist nur mit einer gentechnikfreien Landwirtschaft
möglich. Die Agrogentechnik ist eine Risikotechnologie und widerspricht
unserem Ziel des sozial-ökologischen Umbaus. Förderung strukturschwacher Regionen.
Verantwortung in Ostdeutschland DIE
LINKE strebt gleichwertig gute Lebensbedingungen in allen Regionen der
Bundesrepublik Deutschland und eine Angleichung der Lebensverhältnisse in der
Europäischen Union an. Die europäische Politik muss in diesem Zusammenhang
die Regionen mit gravierendem Entwicklungsrückstand stärken und zugleich die
Stabilität in allen anderen Regionen stützen. Die Weiterentwicklung der
EU-Strukturförderung muss den Erfordernissen des Klimaschutzes und der
Energiewende gerecht werden, sie muss den ökologischen Umbau und den Ausbau
der öffentlichen Daseinsvorsorge stimulieren. Strukturschwache
Länder und Regionen müssen in einem kooperativen und sozialen Bundesstaat
unterstützt werden. Wir wenden uns gegen Wettbewerbsföderalismus, in dem die
Länder gegeneinander mit unterschiedlichen Steuern, Standards und Bedingungen
im öffentlichen Dienst konkurrieren. Er nützt nur den reichen Ländern sowie
den mobilen Unternehmen und wohlhabenden Bevölkerungsgruppen. Er schadet den
Menschen, deren Lebens- und Arbeitsbedingungen verschlechtert werden. Notwendig
ist eine starke Regionalpolitik, an der die Bürgerinnen und Bürger vor Ort
demokratisch beteiligt werden und die alle vorhandenen lokalen und regionalen
Entwicklungspotenziale in Regionalentwicklungsplänen und Bürgerhaushalten
fördert. Erforderlich ist eine verbesserte Zusammenarbeit und Verflechtung
von Wachstumszentren und strukturschwachen ländlichen Gebieten. Es geht
darum, durch umfassende Angebote in Bildung, Kultur, Freizeit- und
Kinderbetreuungseinrichtungen und die Förderung attraktiver Arbeitsplätze
lebenswerte Rahmenbedingungen - besonders für junge Menschen - zu schaffen,
so dass es sich lohnt, in der Region zu bleiben. Für
DIE LINKE hat schon aufgrund ihrer historischen Entwicklung die Vertretung
ostdeutscher Interessen besonderen Stellenwert. Ostdeutschland bedarf eines
neuen Politikansatzes, um extrem hohe Erwerbslosigkeit, niedrigere Löhne als
im Westen und das weitere Abwandern junger Menschen zu beenden. Neue
Entwicklungswege für Ostdeutschland erfordern Landesentwicklungskonzepte und
eine langfristige gesamtdeutsche Innovations-, Investitions- und
Strukturpolitik, um Entwicklungsnachteile Ostdeutschlands gezielt auszugleichen.
Dazu gehören verstärkte Investitionen in Bildung, Qualifikation und
Forschung, die Förderung von Zukunftsbranchen und -unternehmen sowie von
Zentren regionaler Wirtschaftsentwicklung durch Kooperation von
Wissenschaftseinrichtungen und Unternehmensnetzen. Umverteilung und gerechte Steuern DIE
LINKE will soziale Sicherheit für alle und soziale Gerechtigkeit. Wir streben
deshalb eine soziale Umverteilung von oben nach unten an. Gerechte,
ausgeglichene Verteilungsverhältnisse sind auch wichtig zur Stärkung der
Demokratie, weil die Verfügung über große finanzielle Mittel auch politische
Macht verleiht. Die
öffentlichen Finanzen wollen wir mit einer gerechten Steuerpolitik, die zu
höheren Einnahmen führt, stärken. Nur Reiche können sich einen armen Staat
leisten. Die Profiteure des Finanzkapitalismus, der Umverteilungspolitik und
der Bankenrettungsaktionen der Staaten müssen an den Kosten der
Krisenbewältigung und eines sozial-ökologischen Umbaus beteiligt werden. Wir
fordern die Wiedereinführung der Vermögenssteuer in Form einer
Millionärssteuer in Höhe von fünf Prozent jährlich auf private
Millionenvermögen. Wir fordern zugleich eine deutliche Anhebung der
Erbschaftssteuer auf große Vermögen. Dies alles ist auch wichtig, um die
extreme Ungleichheit und Konzentration privater Vermögen zu verringern. DIE
LINKE tritt für ökologische Steuern mit einer wirksamen Lenkungsfunktion in
Richtung Senkung des Ressourcenverbrauchs ein. Diese Steuern müssen bei der
Produktion statt beim Endverbraucher ansetzen. Konzerne
und andere finanzstarke Unternehmen müssen wieder mehr Steuern zahlen.
Steuerschlupflöcher wollen wir schließen. Wir fordern die kräftige Anhebung
des Spitzensteuersatzes der Einkommenssteuer. Wir verlangen die
Kontrollmitteilungen der Banken über Kapitalerträge und eine Meldepflicht für
Finanzanlagen im Ausland sowie mehr Personal in den Finanzbehörden, um
Steuerflucht und -hinterziehung zu bekämpfen. Kapitaleinkommen müssen künftig
wieder zum persönlichen Steuersatz versteuert werden statt mit einer pauschalen
Abgeltungssteuer von nur 25 Prozent. Die Bezieherinnen und Bezieher niedriger
und mittlerer Einkommen wollen wir dagegen steuerlich entlasten. Wir fordern
die Abschaffung des Ehegattensplittings, denn dieses fördert die
traditionelle männlich dominierte Alleinverdienerehe
und hemmt die Erwerbstätigkeit von Frauen. Andere Familienformen werden
dadurch benachteiligt. Stattdessen sind die öffentlichen Maßnahmen zur
Förderung von Kindern auszuweiten. Wir wollen eine vom jeweiligen
Verkehrsmittel unabhängige Kilometerpauschale für den Weg zur Arbeit
einführen - auch für Niedrigverdienerinnen und -verdiener, die keine Steuern
zahlen. DIE LINKE will den ermäßigten Umsatzsteuersatz auf arbeitsintensive
Dienstleistungen des Handwerks ausweiten. Soziale Sicherheit im demokratischen
Sozialstaat Jede
und jeder braucht soziale Sicherheit, um selbstbestimmt leben und das Recht
auf demokratische Mitgestaltung umfassend wahrnehmen zu können. DIE LINKE
steht konsequent für die Erweiterung und Präzisierung des Sozialstaatsgebotes
im Grundgesetz. Insbesondere geht es auch darum, schon heute vorhandene
Entwicklungen in Richtung eines Wohlfahrtsstaates, der nur auf gutem Willen
beruht entgegenzutreten. Deshalb müssen soziale Grundrechte in der Verfassung
festgeschrieben werden. Hierzu bedarf es der Stärkung des
Sozialstaatsprinzips im Grundgesetz durch die Einführung sozialer Grundrechte
wie das Recht auf Arbeit, Bildung, Wohnen, soziokulturelle Existenzsicherung
und gesundheitliche Versorgung. Wir
wollen einen aktiven Sozialstaat, der die Lebensrisiken wie Krankheit,
Unfall, Pflegebedürftigkeit und Behinderung sowie Erwerbsunfähigkeit und
Erwerbslosigkeit solidarisch absichert, vor Armut schützt und im Alter ein
selbstbestimmtes Leben in Würde garantiert. Wir setzen auf die finanzielle
Förderung der Selbstorganisation aus öffentlichen Mitteln, insbesondere der
Erwerbslosen. Sozialstaatliche Leistungen müssen auf individuellen
Rechtsansprüchen beruhen, um patriarchale Abhängigkeiten und behördliche
Willkür zu verhindern. Die
Politik der Entstaatlichung, Liberalisierung und bedingungslosen
Wettbewerbsorientierung ist rückgängig zu machen. Die Befriedigung
menschlicher Grundbedürfnisse wie Wohnen, Bildung und Gesundheit muss für
jeden Menschen unabhängig von seinem Geldbeutel gewährleistet werden. Die
Daseinsvorsorge in der Versorgung mit Wasser, Energie, Transport- und
Kommunikationsdiensten flächendeckend, für alle erschwinglich und in hoher
Qualität zu sichern, ist eine öffentliche Aufgabe. Sie muss ebenso wie
Krankenhäuser, Schulen und Hochschulen in öffentlichen, nicht
profitorientierten Unternehmen organisiert werden. Das Recht auf
menschenwürdiges Wohnen muss gesetzlich verankert werden. Die Teilhabe an
Kultur muss gesichert werden. Wir wollen, dass Betreuungs- und Freizeitangebote
für Kinder und Jugendliche problemlos erreichbar sind, ebenso wie soziale
Dienste der Familien- und Erziehungshilfe. Ausnahmslos alle in Deutschland
Lebenden, unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit, müssen durch den
demokratischen Sozialstaat gegen Ausgrenzungen geschützt werden. Eine
angemessene Wohnung und selbstbestimmtes Wohnen für alle Generationen gehören
zu den wichtigsten Bedingungen sozialer Sicherheit und Menschenwürde. Wohnen
muss für alle langfristig bezahlbar sein. Dazu gehören ein sozial
ausgewogenes Mietrecht, wohnwertbezogene Mieten und ein regelmäßig
angepasstes Wohngeld. Wir fordern einen barrierefreien sozialen Wohnungsbau
sowie die gleichberechtigte Förderung aller Wohneigentumsformen und eine
aktive Städtebauförderung. Eine gemeinnützige Wohnungswirtschaft soll Träger
des Wohnens als Daseinsvorsorge sein und zur ausgewogenen Entwicklung des
Wohnungsmarktes beitragen. DIE LINKE wird weiterhin dafür streiten, dass das
Grundrecht auf Wohnen ins Grundgesetz aufzunehmen. Ein
wichtiger Grund für die Finanzprobleme der Sozialkassen ist die
Massenerwerbslosigkeit. Hinzu kommen politische Entscheidungen zu Lasten der
Sozialversicherungen, Lohndumping und die Vernichtung
sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze. Diese Entwicklungen haben zur
Erosion der Beitragseinnahmen geführt. Es gibt auch keinen demografischen
Grund für Rentenkürzungen. Trotz eines wachsenden Anteils Älterer an der
Bevölkerung sind steigende Renten realisierbar. Diese Möglichkeit beruht auf
steigender Produktivität der Arbeit und voller Ausschöpfung des
gesellschaftlichen Arbeitspotenzials. Denn die steigende Produktivität der
Arbeit ermöglicht bei solidarischer Verteilung weiter steigende Renten ebenso
wie Arbeitseinkommen trotz eines wachsenden Anteils Älterer an der
Bevölkerung. Wir
wollen eine solidarische Rentenversicherung als Alterssicherung, die zu einer
gesetzlichen Rente deutlich über der Armutsgrenze führt und den erarbeiteten
Lebensstandard weitgehend sichert. Sie macht eine staatliche Förderung der
privaten Altersvorsorge überflüssig. Diese kann drohende Altersarmut nicht
vermeiden und hat zur Aufblähung der Finanzsphäre wesentlich beigetragen. Wir
fordern eine solidarische Rentenversicherung, die alle Frauen und Männer in
eine paritätisch finanzierte, gesetzliche Rentenversicherung einbezieht,
sowie eine solidarische Mindestrente im Rahmen Rentenversicherung, um
Altersarmut zu verhindern. Die solidarische Mindestrente speist sich zum
einen aus den eigenen beitragsbegründeten Rentenansprüchen und zum anderen
aus Steuermitteln für diejenigen, deren Einkommen und Vermögen zu einem Leben
unterhalb der Armutsgrenze führen würden. Wir
wollen den Solidarausgleich in der gesetzlichen Rente stärken, darum auch die
Beitragsbemessungsgrenzen erst deutlich anheben und letztlich aufheben und
die Rentenansprüche für die hohen Einkommen abflachen. Wir streiten für die
Angleichung der Rentenwerte Ost auf das Westniveau. Die Rente erst ab 67
lehnen wir ohne Wenn und Aber ab. Wir fordern den ungekürzten Rentenzugang
nach 40 Beitragsjahren einschließlich gleichgestellter Zeiten und die
Möglichkeit, schon ab 60 bis 65 Jahre ohne Abschläge aus dem Erwerbsleben
auszusteigen. Auch
bei Erwerbslosigkeit müssen die sozialen Leistungen den vorher erreichten
Lebensstandard annähernd sicherstellen. Wir fordern daher: Hartz IV muss weg.
DIE LINKE fordert stattdessen ein am vergangenen Einkommen orientiertes
Arbeitslosengeld mindestens aber eine bedarfsdeckende und sanktionsfreie
Mindestsicherung, die Armut tatsächlich verhindert und die Bürgerrechte der
Betroffenen achtet. Dazu gehören die Abschaffung der Sanktionen, der
Sonderregelungen für junge Menschen bis zum 25. Lebensjahr, der Bedarfs- und
Einsatzgemeinschaften und die Einführung des Individualprinzips auf der Basis
der gesetzlichen Unterhaltsverpflichtungen. Teile
der LINKEN vertreten darüber hinaus das Konzept des bedingungslosen
Grundeinkommens, um das Recht auf eine gesicherte Existenz und
gesellschaftliche Teilhabe jedes Einzelnen von der Erwerbsarbeit zu
entkoppeln. Dieses Konzept wird in der Partei kontrovers diskutiert. Diese
Diskussion wollen wir weiterführen. Die
LINKE streitet für eine Kindergrundsicherung für alle Kinder und Jugendliche,
welche Kinder- und Jugendarmut verhindert und allen Kindern und Jugendlichen
gute Teilhabe- und Entfaltungsmöglichkeiten bietet sowie vor Ausgrenzungen
und Diskriminierungen schützt. DIE
LINKE kämpft für ein demokratisches Gesundheitswesen, das auf der Solidarischen
Bürgerversicherung als allgemeiner Kranken- und Pflegeversicherung und einer
öffentlichen Gesundheitsversorgung basiert. In eine Solidarische
Bürgerversicherung zahlen alle Menschen entsprechend ihrer Einkünfte
(Erwerbs-, Kapital- und andere Einkommen) ein. Die Solidarische
Bürgerversicherung hebt die Trennung von Gesetzlicher und Privater Kranken-
und Pflegversicherung auf und basiert auf Wiederherstellung der Parität und
der Abschaffung der Zuzahlungen. Unter
Gesundheit verstehen wir mit der Weltgesundheitsorganisation WHO einen
Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und
nicht bloß die Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen. Die Leistungen des
Gesundheitswesens müssen uneingeschränkt der bedarfsgerechten, flächendeckenden,
wohnort- und zeitnahen gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung dienen und
allen Menschen, unabhängig von ihrer sozialen, finanziellen und
aufenthaltsrechtlichen Situation zur Verfügung stehen. Gesundheit
ist keine Ware. Die öffentlichen Eigentumsverhältnisse und Strukturen des
Gesundheitswesens sind als Bereich der öffentlichen Daseinsvorsorge zu
organisieren. Arzneimittelpreise sind gesetzlich zu kontrollieren. Die
demokratische Mitbestimmung der Versicherten, der unabhängigen Patientenvertretungen
und der Beschäftigten im Gesundheitswesen ist entsprechend gesetzlich zu
regeln. Im Gesundheitswesen erzielte wirtschaftliche Überschüsse sind zum
Wohle der Versicherten und Beschäftigten einzusetzen. Zweckentfremdungen wie
Spekulationsgeschäfte mit Versichertenbeiträgen sind zu verbieten. Dienste
der stationären und ambulanten medizinischen Versorgung, der Rehabilitation
und der Pflege sind als Integrierte Versorgung sektorenübergreifend zu
organisieren. Wir wollen poliklinische Strukturen, die Einrichtung ambulanter
Behandlungszentren mit angestellten Fachärzten verschiedener Fachrichtungen
fördern, um einen vernünftigen Umgang mit Ressourcen statt Leistungskürzungen
zu garantieren. Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention müssen als eigenständige
Säule des Gesundheitswesens entwickelt und in einem Präventionsgesetz
verankert werden. Wir
wollen eine liberale und aufgeklärte Drogenpolitik in Deutschland. Drogen
sind eine Alltagserscheinung. Der Alkoholmissbrauch ist ein
gesellschaftliches Problem. Die Unterscheidung in legale und illegalisierte Substanzen ist willkürlich. Drogen sowie
deren Missbrauch können zu schweren gesundheitlichen, sozialen und
materiellen Problemen führen. Wir treten daher für eine rationale und humane
Drogenpolitik ein, was eine Entkriminalisierung des Drogenkonsums und
langfristig eine Legalisierung aller Drogen beinhaltet. Das bedeutet die
Entkriminalisierung der Abhängigen und die Organisierung von Hilfe und einer
legalen und kontrollierten Abgabe von Drogen an diese. Im Grundsatz wollen
wir eine Gesellschaft, die nicht auf Strafe und Repression gegen
Drogenkonsumentinnen und -konsumenten setzt, sondern die mit Prävention und
Aufklärung dem Drogenmissbrauch vorbeugt. 4.2
Wie wollen wir entscheiden? Demokratisierung der Gesellschaft
Die
Bundesrepublik Deutschland bedarf der Erneuerung als demokratischer und
sozialer Rechtsstaat. Deshalb muss die repräsentative parlamentarische
Demokratie durch direkte Demokratie erweitert werden. Der Volksentscheid soll
dafür ein wichtiges Mittel werden. Die Veränderung der Eigentumsverhältnisse,
insbesondere auch im Finanzsektor, die Stärkung des Öffentlichen und einer
demokratischen Öffentlichkeit sind unsere Alternativen zu neoliberaler
Privatisierung und einem autoritären Sicherheitsstaat. Stärkung der Parlamente und
partizipative Demokratie Für
DIE LINKE gehören politische und soziale, individuelle und kollektive
Freiheits- und Teilhaberechte zusammen. DIE LINKE will demokratische
Kontrolle und Mitbestimmung in der Wirtschaft und im Staat, in den
Massenmedien, in Bildung, Wissenschaft und anderen Gesellschaftsbereichen
ausbauen. Betriebe und Belegschaften dürfen nicht länger die Verfügungsmasse
von Finanzinvestoren sein. Deshalb setzen wir uns für die Erweiterung der
paritätischen Mitbestimmung und für die Durchsetzung des Vetorechts der
Belegschaften gegen die Schließung von Betrieben ein, die nicht von Insolvenz
bedroht sind. Der
Kapitalismus hat die Grundlagen von Demokratie als Herrschaft des Volkes
untergraben. Wahlen werden zur Farce, wenn sich die Gewählten ihre
Entscheidungen von Großunternehmen und den Vermögenden diktieren lassen und
so der demokratischen Kontrolle entziehen. Deshalb fordern wir, dass
Wirtschaftsverbände und Unternehmen nicht an Parteien spenden dürfen und es
ihnen verboten wird, Abgeordnete in Landtagen, Bundestag oder Europaparlament
auf ihren Gehaltslisten zu führen. Auch Großspenden von Privatpersonen müssen
begrenzt werden, um die Demokratie vor dem Einfluss des großen Geldes zu
schützen. Wir
treten für eine Stärkung aller Vertretungskörperschaften – von der
Gemeindevertretung bis zum Europäischen Parlament – als demokratische
Entscheidungsgremien ein. Dafür brauchen die Vertretungskörperschaften
entsprechende Rechte und Ressourcen, um auf gleicher Augenhöhe mit
Regierungen und Verwaltungen agieren zu können. Die Parlamente müssen durch
die Regierungen nicht nur frühzeitiger und umfassender über die Entscheidungsvorbereitung
informiert, sondern auch in sie einbezogen werden. Die parlamentarische
Öffentlichkeitsarbeit ist zu qualifizieren. Positionen von Gewerkschaften,
Sozial-, Umwelt-, Verbraucher-, Mieter- und Behindertenverbänden,
Selbsthilfeorganisationen und demokratischen Bewegungen müssen frühzeitig
gehört werden. Die Rechte der Ausschüsse und Abgeordneten auf Unterrichtung
und Akteneinsicht sind zu stärken. Das Europäische Parlament muss ein
eigenständiges Initiativrecht erhalten. In dem Maße, indem die Europäische
Union geographisch, gesellschaftlich, kulturell, aber auch administrativ
größer und komplexer geworden ist und ihre Entscheidungsbefugnisse
umfangreicher werden, sind erweiterte Kontroll- und Mitwirkungsrechte des
Bundestages und der Landesparlamente im Prozess der europäischen Gesetzgebung
notwendiges und unverzichtbares Element. DIE
LINKE fordert weiter, das Wahlalter bei allen Wahlen auf 16 Jahre abzusenken.
Wir setzen uns dafür ein, neue Formen einer Politik von unten zu entwickeln.
Dazu gehören auch der politische Streik und der Generalstreik. Eine lebendige
Demokratie muss erweiterte Möglichkeiten direkter demokratischer Entscheidung
und Mitwirkung über Volksinitiativen, Volksbegehren und Volksentscheide sowie
Bürgerbegehren und Bürgerentscheide schaffen. Zugleich sollen obligatorische
Volksentscheide über die EU-Verträge eingeführt werden; die Bürgerinnen und
Bürger müssen EU-weit das Recht erhalten, über Bürgerinitiativen, -begehren
und -entscheide auf europäische Entscheidungen wirksam Einfluss zu nehmen. Demokratische Kommunen Die
Freiheit der Bürgerinnen und Bürger, über ihr eigenes Leben selbst zu
bestimmen, hängt in hohem Maße von den Kommunen ab. Dort werden wichtige
Fragen des Alltags wie auch der Zukunft der Gesellschaft entschieden. DIE
LINKE engagiert sich deshalb für die Stärkung kommunaler Selbstverwaltung,
für starkes kommunales Eigentum und eine leistungsfähige Entwicklung der
öffentlichen Daseinsvorsorge. Damit Demokratie keine leere Hülle wird,
brauchen Kommunen hinreichende finanzielle Mittel und
Einwirkungsmöglichkeiten auf wirtschaftliche und soziale Prozesse. Auch
deshalb lehnen wir die Privatisierung öffentlicher Daseinsvorsorge und
sozialer Sicherungssysteme ab und fordern eine Stärkung öffentlichen Eigentums.
Für
die LINKE sind die Kommunen nicht nur eine Verwaltungs-, sondern auch eine
entscheidende Gestaltungsebene. Hier erleben Bürgerinnen und Bürger alle
Widersprüche der gesellschaftlichen Entwicklung unmittelbar und erfahren, wie
Politik funktioniert. Mit den Instrumenten der direkten Beteiligung der
Bürgerinnen und Bürger können sie Veränderungen bewirken. Kommunen müssen
eine stärkere Stellung im föderalen System erhalten. Dadurch erhalten
Bürgerinnen und Bürger größeren Einfluss auf die Lösung lokaler und
regionaler Probleme. In den Kommunen gibt es die Chance, neue Lebensformen zu
erproben. Dafür müssen Räume zur politischen, sozialen und kulturellen
Selbstorganisation geschaffen werden. Leistungen der Daseinsvorsorge müssen
durch die Kommunen selbst wahrgenommen werden. Für Profitinteressen darf
dabei kein Platz sein. Deshalb gilt es im Interesse des Gemeinwohls, das
öffentliche Eigentum zu erhalten und keine weitere Privatisierung kommunaler
Leistungen zuzulassen. Vielmehr sind Rekommunalisierungen
für die Stärkung der Daseinsvorsorge notwendig. Für
eine stärkere Stellung der Kommunen im föderalen System müssen Veränderungen
in mindestens drei Bereichen vorgenommen werden. Das kommunale
Verfassungsrecht muss so ausgestaltet werden, dass Kommunen im stärkeren Maße
in eigener Verantwortung Aufgaben wahrnehmen können. Notwendig ist eine
Finanzverfassung, die eine bedarfsgerechte Finanzierung der Kommunen sichert.
Das kommunale Wirtschaftsrecht muss so ausgestaltet werden, dass kommunale
Unternehmen gleichberechtigt am Wirtschaftsleben teilnehmen können.
Öffentliche Unternehmen müssen so gestärkt werden, dass sich regionale
Wirtschaftskreisläufe besser entwickeln können. Zur Umsetzung dieser drei
Bereiche ist es notwendig, die kommunale Demokratie auszubauen. Die damit
verbundene Stärkung der Beteiligung der Bürger an den Entscheidungsprozessen
sichert die kommunale Daseinsvorsorge. DIE
LINKE wirkt für eine partizipative Haushaltspolitik, für Bürgerhaushalte als
wichtige Form der kommunalen Demokratie. Unsere Vision sind solidarische
Bürgerkommunen, in denen die Menschen ihre Angelegenheiten selbst entscheiden
und gestalten und die soziale und ökologische Umgestaltung ihrer
Gemeinschaften eigenständig in die Hand nehmen. Die
zivilgesellschaftliche Selbstverwaltung ist ein wichtiges Feld für
demokratische Mitbestimmung. Sie festigt den sozialen Zusammenhalt in den
Städten, Dörfern und Gemeinden. Vereine, Verbände und Initiativen ermöglichen
vielen Bürgerinnen und Bürgern, Verantwortung für gesellschaftliche Aufgaben
in vielfältigen Bereichen zu übernehmen. DIE LINKE setzt sich deshalb dafür
ein, zivilgesellschaftliche Akteure, die gesellschaftliche Aufgaben
übernehmen, zu fördern. Sie fordert dabei Transparenz und öffentliche
Kontrolle, um die Einhaltung sozialer und ökologischer Standards zu sichern.
Voraussetzung sind die demokratische Legitimation und eine ausreichende
Finanzierung. Konsequente Umsetzung der
Gewaltenteilung – Selbstverwaltung der Justiz einführen Im
europäischen Maßstab ist Deutschland Schlusslicht und wurde von der
Parlamentarischen Versammlung des Europarates aufgefordert, dem Vorbild der
überwiegenden Mehrheit der europäischen Staaten zu folgen und zur Sicherung
der Unabhängigkeit der Justiz die Selbstverwaltung der Gerichte und Staatsanwaltschaften
durch Justizräte zu ermöglichen. DIE
LINKE setzt sich darum auf Bundes- und Landesebene für eine konsequente
Durchsetzung des Gewaltenteilungsprinzips und eine Demokratisierung der
Justiz ein. Die zu bildenden Justizräte sind parteipolitisch unabhängig und
ausschließlich der Umsetzung des grundgesetzlichen Justizgewährungsanspruchs
verpflichtet. Die Bestellung von Richterinnen und Richtern, Staatsanwältinnen
und Staatsanwälten soll ausschließlich durch Richterwahlausschüsse erfolgen.
Dabei ist sicherzustellen, dass die ausgewählten Kandidatinnen und Kandidaten
alle gesellschaftlichen Schichten angemessen repräsentieren. Nur eine
repräsentative Zusammensetzung der Justiz bietet Gewähr, dass tatsächlich im
Namen des Volkes Recht gesprochen wird. Die Stärkung des Rechtsstaates
erfordert außerdem eine den Richterinnen und Richtern gleiche Unabhängigkeit
der Staatsanwältinnen und Staatsanwälte. Demokratisch kontrollierte Medien Medienmacht
und Medienmanipulation sind eine Gefahr für die Demokratie. Umso wichtiger
ist die Bewahrung eines freien Internets ohne Zensur und mit
festgeschriebener Netzneutralität. Das Internet ist für DIE LINKE ein
öffentliches Gut, die Netzinfrastruktur gehört unter gesellschaftliche
Kontrolle und muss demokratisiert werden. Demokratische Medien erfordern
demokratische Redaktionsstatuten, die Stärkung einer breiten
Gegenöffentlichkeit sowie die Anwendung des Kartellrechts auf den
Mediensektor. Medienbildung
muss im digitalen Zeitalter als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begriffen
werden. DIE LINKE fordert Medienbildungsangebote, die für alle
Bevölkerungsgruppen unabhängig von Alter, sozialer Lage und Region zur
Verfügung stehen und Kompetenz im Umgang mit dem Internet und digitalen
Medien zu vermitteln. Bürgerinnen und Bürger müssen analytische Fähigkeiten
entwickeln, um digitale Medien und Inhalte zu verstehen, kritisch zu bewerten
sowie selbst in vielfältigen Kontexten zu kommunizieren. Eine patriarchal
gedachte Verbots- und Bewahrpädagogik, die auf Basis eines repressiv
verstandenen Jugendschutzes kompetenten Medienumgang zu beschränken versucht,
ist nicht im Sinne eines emanzipatorischen Menschenbildes – dies lehnt DIE
LINKE ab. Viele
Menschen haben keinen Zugang zu modernen Medien und können somit nicht die
Möglichkeiten nutzen, die mit moderner Informationstechnologie verbunden
sind. Die Massenmedien befinden sich überwiegend im Besitz weniger Konzerne
und Finanzinvestoren. Sie bestimmen mit, was wir lernen und wissen, worüber
wir reden und was wir meinen sollten. Mediennutzung und Kontrolle durch
Medien überlappen sich immer mehr. DIE LINKE kämpft gegen diese Spaltung,
gegen Überwachung und Kontrolle, für Informations- und
Meinungsäußerungsfreiheit und für die Stärkung öffentlich-rechtlicher Medien.
Demokratie in der digitalen
Gesellschaft Das
Netz bietet für Partizipation, Offenheit und Transparenz neue Möglichkeiten.
Dort findet mehr und mehr öffentliche Meinungsbildung statt. Die
Möglichkeiten für mehr gesellschaftliche Teilhabe an politischen
Entscheidungen im digitalen Zeitalter muss DIE LINKE aufgreifen – im Sinne
auch von Bürgerinnen und Bürgern, die sich von der Politik abgewandt haben.
DIE LINKE öffnet sich für das demokratische Potenzial des Netzes, die
gesellschaftliche Teilhabe durch Open Government und
E-Demokratie (bspw. Online-Petitionen, Bürgerhaushalte) zu verteidigen und
auszubauen. Wir setzen uns ein für ein verstärktes Angebot und die Nutzung
von Open Data, also nicht genuin schützenswerten Daten wie Archiven und
Haushaltsdaten oder Rechtstexten. Auch
Soziale Netzwerke im Internet, Suchmaschinen, Geodatendienste, Online-Shops
und andere Inhalte-Anbieter sammeln weltweit persönliche Daten von Millionen
Menschen, auch gegen deren Willen, und verknüpfen diese. Immer vielfältigere
Datenprofile von Nutzerinnen und Nutzern entstehen und werden
privatwirtschaftlich verwertet. Der Vorteil frei zugänglicher Information und
sozialer Interaktion wird durch die Ausbeutung privater Daten aufgehoben. Die
Welt als ein mediales Dorf benötigt Schutzmechanismen, damit der Mensch im
digitalen Zeitalter nicht unter den Datenmengen und ihrer Verwertung begraben
wird. Gleichheit und Freiheit im Netz Information
ist zu einer noch entscheidenderen Ressource und Produktivkraft geworden. In
den Netzwerken der digitalen Informationsproduktion und Kommunikation haben
Nutzerinnen und Nutzer weltweit dezentrale Wissensbestände abrufbar gemacht,
Zugangsmöglichkeiten zum kulturellen Gedächtnis demokratisiert und neue
Formen von Öffentlichkeit geschaffen. Der Zugang zur Wissensproduktion, die
Entscheidungsmacht über Auswahl und Einsatz von Informationen bestimmen
darüber, von wem und wie die Netzwerke digitaler Kommunikation künftig
beherrscht werden. Der Zugang zu Kommunikation und Information, als die
Eigentumsfrage, und die Möglichkeiten zum Erwerb digitaler Kulturtechniken
bilden die Grundlage für Demokratie, Pluralismus und Meinungsbildung im
Internet. DIE LINKE fordert, die Infrastruktur für ein schnelles Internet als
Grundversorgung für alle bereitzustellen. Wir
wollen die Freiheit des Wissens in der digitalen Welt verteidigen und
ausbauen. Das System der offenen Informationsbereitstellung stößt zunehmend
auf den Widerstand von Kontroll- und Geschäftsinteressen. Es soll
weitreichenden Beschränkungen unterworfen werden. Privatwirtschaftliche
Oligopole und staatliche Überwachungsinteressen bedrohen die dezentrale
Struktur des Internets und damit die Gleichheit und Freiheit im Netz. Wir
treten für die Vielfalt der Netze ein. Wir lehnen Netzsperren sowie das
Durchleuchten und Filtern von Inhalten ab. Informationen müssen frei sein.
Mit der digitalen Technologie wurde der Zugang zu Wissens- und Kulturgütern
geöffnet und erweitert. Ihr Verständnis als öffentliche Güter ist inzwischen
alltäglich. Statt Nutzerinnen und Nutzer zu kriminalisieren, sind politische
Lösungen für neue Vergütungsmodelle der Kreativ- und Kulturschaffenden zu
entwickeln. Das
Internet kann als Plattform zur freien Selbstorganisation, zur Umgehung von
Konzernzwängen und Meinungsmacht genutzt werden. Es ermöglicht allen, selbst
kreativ zu werden und Gegenöffentlichkeiten zu
schaffen. Wir unterstützen Nutzerinnen und Nutzer, denen es um die Freiheit
geht, sich zu informieren und zu äußern. Stärkung der individuellen Rechte Gegen
den Abbau von Bürgerrechten und den Ausbau des Sicherheitsstaates setzen wir
auf die Stärkung der individuellen Rechte, den Schutz persönlicher Daten,
Partizipationsmöglichkeiten sozialer Organisationen und Bewegungen und auf
eine unabhängige demokratische Kontrolle der staatlichen Sicherheitsorgane.
Wir unterstützen Initiativen der demokratischen Selbstverwaltung öffentlicher
Räume. Wir lehnen den Ausbau des Überwachungsstaates ab und fordern die
strikte Trennung und demokratische Kontrolle von Polizei, Bundeswehr und
Geheimdiensten. Wir wollen die Geheimdienste abschaffen. Wir
setzen uns ein für gleiche politische und soziale Rechte für alle in
Deutschland und der Europäischen Union lebenden Menschen, denn politische und
soziale Rechte sind Menschenrechte. Der Rechtsstaat muss sozial werden. Heute
ist die Bedingung einer lebendigen Demokratie, dass Gleichheit vor dem Gesetz
gesichert ist, materiell nicht erfüllt. Ein Gerichtsverfahren über einen
höheren Streitwert kann sich nur leisten, wer über die nötigen finanziellen
Mittel verfügt. Dies muss korrigiert werden, damit alle Menschen vor Gericht
gleichgestellt sind. Das
Recht auf informationelle Selbstbestimmung gerät zunehmend in Gefahr. Die
Vorstellung von gläsernen Bürgerinnen und Bürgern erschreckt uns. Das Recht
auf Privatsphäre und informationelle Selbstbestimmung ist für uns
unverzichtbare Voraussetzung demokratischer Staatlichkeit. Der
„Datenstriptease“ stellt die ganze Bevölkerung unter einen Generalverdacht,
in besonderem Maße betroffen sind sozial Benachteiligte beim Leistungsantrag
und politisch aktive Linke, die einer Totalüberwachung unterworfen werden.
Wir setzen uns für die Sparsamkeit bei der Erfassung von Daten, für
umfassende Verfahrensrechte bei der Verarbeitung und ihre Sicherheit ein.
Konkret stehen wir gegen den Aufbau von Zensurinfrastrukturen im Internet und
Onlinedurchsuchungen, gegen den Ausbau von Videoüberwachung und die
umfassende Speicherung von Telekommunikationsdaten. Gleichheit und
Geschlechtergerechtigkeit Es
gibt immer noch kein ausgeglichenes und gerechtes Verhältnis zwischen den
Geschlechtern. Nach wie vor beeinflussen die traditionellen Rollenklischees
das Leben von Frauen und Männern, beeinträchtigen ihre Lebensqualität und
Chancen in der beruflichen und sozialen Entwicklung. Patriarchale Strukturen
durchziehen nach wie vor alle gesellschaftlichen Bereiche. Frauen erbringen
mehr als die Hälfte aller Arbeit in der Gesellschaft, insbesondere nicht
entlohnte Haus-, Pflege- und Reproduktionsarbeit, aber ihre Arbeit wird
weniger anerkannt, und sie werden im Bereich der Erwerbsarbeit immer noch
wesentlich geringer entlohnt als die männlichen Kollegen. Entsprechend
niedriger fallen ihre Sozialleistungsansprüche aus. Insbesondere die
Arbeitsbedingungen, die schlechtere Bezahlung und lange Arbeitszeiten benachteiligen
Frauen und verfestigen das traditionelle Geschlechterverhältnis. Folge ist,
dass Frauen häufig ihre Existenz nicht selbst sichern können. Ökonomische
Abhängigkeiten begünstigen auch das Entstehen von Gewaltverhältnissen. Jede
dritte Frau weltweit, jede vierte in Deutschland und Europa ist Gewalt
ausgesetzt. Gewalt gegen Frauen ist ein wichtiges Mittel der Kriegsführung.
Doch auch im privaten Bereich und in der Familie erleben Frauen Gewalt von
Männern. Auch am Arbeitsplatz werden Frauen sexuell belästigt. Gewalt hat
viele Gesichter. Verletzung des Rechts auf Selbstbestimmung, körperliche und
seelische Schikane, Demütigung und Diskriminierung. Migrantinnen und in die
Illegalität gezwungene Frauen sind noch häufiger Opfer von Gewalt. Deshalb
will DIE LINKE Prävention ausbauen, unabhängige Frauenhäuser und
Gewaltschutzeinrichtungen dauerhaft finanziell absichern.
Geschlechtsspezifische Gewalt muss umfassend als Asylgrund anerkannt,
Opferschutz ausgebaut werden. Das gilt nicht nur für geschlechtsspezifische
Verfolgungen von staatlicher Seite, sondern auch für solche im familiären und
gesellschaftlichen Bereich – etwa Zwangsheirat oder Genitalverstümmelung.
Opfer von Frauenhandel müssen Bleiberecht erhalten. Sexuelle Verstümmelung
und Zwangsheirat wollen wir wirksam bekämpfen. Die LINKE weist die
Instrumentalisierung von Frauenrechten zur Begründung von Rassismus und
Kriegen zurück. DIE
LINKE versteht sich als Partei mit sozialistischem und feministischem
Anspruch. Wir setzen uns für ein selbstbestimmtes, solidarisches Leben ein,
in dem Erwerbsarbeit, Familienarbeit, gesellschaftliches und politisches
Engagement für Männer und Frauen miteinander vereinbar werden. Wir treten
dafür ein, die sozialen Sicherungssysteme, die Gestaltung der Arbeitswelt,
das Angebot an öffentlichen Dienstleistungen und die Rahmenbedingungen für
die politische Beteiligung in Wirtschaft und Politik so zu verändern, dass
Benachteiligungen beseitigt werden. Alle politischen Entscheidungen und
Vorschläge müssen systematisch danach beurteilt werden, welche Auswirkungen
sie auf Frauen und auf Männer haben. Wir
unterstützen Maßnahmen, die zur Erhöhung der Frauenerwerbsquote beitragen,
streiten für gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit, für die
Verkürzung der Arbeitszeit und für die gerechte Verteilung von Erwerbs- und
Familienarbeit auf Männer und Frauen. Wir fordern ein Gleichstellungsgesetz
auch für die Privatwirtschaft. Die Flexibilisierung der Arbeit darf nicht
dazu führen, dass das soziale Miteinander und die Freizeit dem Diktat der
ständigen Abrufbarkeit unterworfen wird. Wir lehnen prekäre, ungesicherte
Beschäftigung und eine zunehmende Flexibilisierung der Arbeit auch deshalb
ab, weil solche Arbeitsverhältnisse familien- und kinderfeindlich sind.
Vielmehr wollen wir Arbeitszeit und Arbeitsmöglichkeiten in der Weise
flexibel gestalten und sozial absichern, dass sie familien- und
kinderfreundlich sind. Wir fordern ein Recht auf ganztägige gebührenfreie
Betreuung und Bildung in Krippen, Kindergärten und Kindertagesstätten für
alle Kinder. Dies ist eine grundlegende Voraussetzung für eine gute
frühkindliche Förderung aller Kinder und ist erforderlich, damit Frauen und
Männer gleichberechtigt Erwerbsarbeit und Familienleben miteinander
vereinbaren können. Quotierung bleibt ein wichtiges Mittel zur Förderung der
Geschlechtergerechtigkeit. Wir setzen uns für ein selbstbestimmtes
solidarisches Leben und die Streichung des Schwangerschaftsabbruches als
Straftatbestand (§ 218) aus dem Strafgesetzbuch ein. Sexuelle Vielfalt und Selbstbestimmung DIE
LINKE steht für eine emanzipatorische Politik, die die unterschiedlichen
Lebensweisen berücksichtigt und unterstützt. Heterosexualität und die
Vorstellung, dass es ausschließlich zwei Geschlechter gibt, gilt
stillschweigend als Maßstab politischer und gesellschaftlicher Norm. Diese
Norm grenzt aus. DIE LINKE. unterstützt das Recht auf die sexuelle und
geschlechtliche Vielfalt in der Gesellschaft. Dazu gehört die
gesellschaftliche Gleichstellung und Akzeptanz der Grundrechte von Lesben, Schwulen,
Transsexuellen, Transgendern und Intersexuellen.
Das Personenstandsrecht muss den Menschenrechten insbesondere von
Intersexuellen und Transsexuellen gerecht werden. Geschlechtsangleichende
Operationen im Kindesalter sind zu unterbinden. Wir fordern die rechtliche
Gleichstellung in allen (Rechts-)bereichen und bei
allen Rechtsinstituten. Migration und Integration als soziale
und demokratische Frage – offene Grenzen für Menschen in Not! Deutschland
ist ein Einwanderungsland. DIE LINKE. lehnt eine Migrations- und
Integrationspolitik ab, die soziale und politische Rechte danach vergibt, ob
Menschen für das Kapital als „nützlich“ oder „unnütz“ gelten. Wir wollen die
soziale und politische Teilhabe für alle in Deutschland lebenden Menschen
erreichen. Der
Familiennachzug muss sowohl Kindern als auch gleich- und
andersgeschlechtlichen Lebenspartnerinnen und -partnern sowie
Familienangehörigen zweiten Grades möglich sein. Die Förderung der
sprachlichen Entwicklung und die Förderung des Bildungserfolges sind wichtig
aber nicht ausreichend für die Integration. Wir wollen die strukturellen
Diskriminierungen beim Zugang zu Bildung, zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt
und zu sozialen Dienstleistungen beseitigen. Allen in Deutschland lebenden
Menschen ist unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus eine
Gesundheitsversorgung zu garantieren. Schutzsuchende dürfen nicht abgewiesen
werden. Wir fordern offene Grenzen für alle Menschen. DIE
LINKE setzt sich für ein respektvolles gesellschaftliches Miteinander in
Anerkennung der Verschiedenheit aller Menschen unterschiedlicher ethnischer
Herkunft ein. Das erfordert vor allem demokratische Mitbestimmung von
Migrantinnen und Migranten in allen gesellschaftlichen Entscheidungen. DIE
LINKE setzt sich für das aktive und passive Wahlrecht für jene ein, die ihren
Lebensmittelpunkt in Deutschland haben, sowie für gleiche Rechte beim Zugang
zum Arbeitsmarkt. Alle Kinder, die hier geboren werden und deren Eltern in
Deutschland leben, sollen die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten. Die Einbürgerung
muss wieder erleichtert werden. Doppelte Staatsbürgerschaften sollen
grundsätzlich möglich sein. DIE LINKE ist für die Anerkennung von
zertifizierten, im Ausland erworbenen Qualifikationen für alle
Migrantengruppen. Menschen,
die vor Menschenrechtsverletzungen, Kriegen und politischer Verfolgung
geflohen sind, dürfen nicht abgewiesen oder abgeschoben werden. Wir fordern
die Wiederherstellung des Grundrechts auf Asyl und kämpfen gegen die Illegalisierung von Flüchtlingen, gegen Abschiebungen,
jede Form von Sondergesetzen wie die Residenzpflicht sowie gegen Sammellager.
Die Abschottungspolitik der EU ist unmenschlich – wir wollen keine Festung
Europa. DIE LINKE richtet ihre Flüchtlingspolitik nach Humanität und
Menschenrechten, so dass der Schutz von Menschen in Not im Vordergrund steht
und nicht ordnungspolitische oder ökonomische Überlegungen. Deshalb setzt
sich DIE LINKE für die Abschaffung der Grenzschutzagentur FRONTEX ein, die
das wichtigste Abschottungsinstrument der EU darstellt. Antidiskriminierungspolitik DIE
LINKE wendet sich gegen jede Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, des
Alters, der Weltanschauung oder Religion, der ethnischen Herkunft, der
sexuellen Orientierung und Identität oder aufgrund jedweder körperlicher,
geistiger oder psychischer Beeinträchtigung. Alle Barrieren – in Mobilität,
in schulischer und beruflicher Bildung, im Beruf und in der Kommunikation –
wollen wir unter aktiver Einbeziehung der von Behinderung betroffenen
Menschen und ihrer Angehörigen gezielt abbauen und überwinden. Wir wollen,
dass die Vielfalt unterschiedlicher Formen des Zusammenlebens gleichermaßen
respektiert, geachtet und geschützt wird. Ein Paradigmenwechsel in der
Familienpolitik ist dringend notwendig und erfordert ein neues Familienbild.
Neben verheirateten sind unverheiratete Eltern, Patchwork-Familien und auch
die Partnerschaften von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Intersexuelle/n sowie
anderen, die sich nicht in die gängigen Geschlechterrollen einfügen, als
Erziehende anzuerkennen. DIE LINKE streitet für eine aktive
Antidiskriminierungspolitik, die rechtliche Gleichstellung von Lesben,
Schwulen und derjenigen, die nicht den üblichen Geschlechterrollen
entsprechen, und für die Förderung ihrer zivilgesellschaftlichen Strukturen. Gleichheit und Gerechtigkeit für
Menschen mit Behinderung Um
Menschen mit Behinderung die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen
Leben zu ermöglichen, sind Nachteilsausgleiche und das Recht auf
Selbstvertretung auf allen Ebenen unerlässlich. DIE LINKE steht für eine
Politik, die in allen gesellschaftlichen Bereichen die Rechte der Menschen
mit Behinderung beachtet und durchsetzt. In allen Verwaltungen, in den
Kommunen, in den Bildungseinrichtungen, in den Einrichtungen der Fürsorge und
Wohlfahrt, im Gesundheitswesen, in den Parteien, Vereinen,
Interessensverbänden und in der Wirtschaft – überall müssen die Bürgerrechte
Barrierefreiheit, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Recht auf Teilhabe
(Partizipation), Emanzipation, Inklusion und Solidarität gelebt werden. DIE
LINKE setzt sich für die freie Entwicklung und Entfaltung der Persönlichkeit
und die uneingeschränkte Teilhabe aller Menschen an unserer Gesellschaft ein.
Sozial(istisch)e Politik bezieht alle Menschen ein.
Wir verlangen Menschenrechte für alle: für Menschen mit und ohne Behinderung
ebenso wie für Männer und Frauen und für Menschen jeglicher Herkunft oder
Ethnie. Linke
Behindertenpolitik versteht sich als bereichernde Querschnittsaufgabe in
allen Politikfeldern und bei allen Planungen. Es geht dabei nicht nur um
geeignete Maßnahmen der Gesetzgebung zur Herstellung von
Chancengerechtigkeit, den bedarfsgerechten Ausgleich von Nachteilen oder eine
aktive Antidiskriminierungspolitik. Wir wollen zu einer positiven
Bewusstseinsbildung beitragen, die besondere Stärken und Kompetenzen schätzt
sowie respektvollen Umgang im Miteinander fördert. Es geht um den Schutz der
Würde und Gerechtigkeit, um Autonomie und bürgerliche Freiheitsrechte, um den
Abbau von Vorurteilen. Es geht um gelebte Vielfalt. Die volle Umsetzung der
„UN-Konvention für die Rechte der Menschen mit Behinderung“ in unserem Land
ist der Wille und ein Ziel der Linken, ihrer Mitglieder und
Mandatsträger/innen. Neofaschismus und Rassismus bekämpfen Wir
treten Neofaschismus, Rechtspopulismus, Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus, Islamfeindlichkeit, Homophobie und
anderen Formen der Menschenfeindlichkeit aktiv entgegen. Wir beteiligen uns
aktiv in demokratischen Bündnissen, arbeiten in Bürgerbewegungen und
–initiativen mit all denen zusammen, die sich gegen extreme Rechte,
Rechtspopulismus und Rassismus engagieren. Wir kämpfen gegen Neofaschismus,
Rechtspopulismus und Rassismus auf der Straße und in politischen Gremien. Wir
fordern das Verbot aller Organisationen der extremen Rechten; dabei sind wir
uns bewusst, dass ein Verbot die gesellschaftliche Auseinandersetzung nicht
ersetzt. Wir setzen uns ein für die Stärkung antirassistischer und
antifaschistischer Bildungsarbeit, sowohl in der Schule als auch im
außerschulischen Bereich. Wir setzen uns ein für eine aktive
Antidiskriminierungspolitik und wir treten für mehr Demokratie, Partizipation
und Bürgerbeteiligung auf allen Ebenen ein. DIE
LINKE ist sich mit anderen demokratischen Kräften darin einig, dass die
Bekämpfung von Neofaschismus und Rassismus eine Aufgabe ist, die allerorts in
Deutschland und stets mit Zivilcourage und in aller Öffentlichkeit geführt
werden muss. Dabei wenden wir uns entschieden gegen rassistisch motivierte
Gewalt, gegen staatlichen Rassismus und auch gegen Alltagsrassismus und
fremdenfeindliche Positionen aus der Mitte der Gesellschaft. Antifaschismus
ist eine Grundhaltung der Partei DIE LINKE. Für uns bedeutet das:
Zurückdrängen aller extrem rechten, rechtspopulistischen und rassistischen
Ideologien, Parteien und Bewegungen, Bekämpfung aller althergebrachten und
neuen Formen des Antisemitismus, die Auseinandersetzung mit
Geschichtsrevisionismus und mit allen Ideologien, die von Ungleichwertigkeit
der Menschen ausgehen, sowie die Pflege des politischen, wissenschaftlichen
und kulturellen Erbes der antifaschistischen Bewegung. DIE
LINKE setzt sich vehement gegen die Gleichsetzung linker Ideen mit
faschistischem Gedankengut durch Totalitarismusdoktrin
und Extremismustheorie ein. Unsere Vorstellung
einer friedlichen, gerechteren und demokratischen Welt ist in keiner Weise
mit dem menschenverachtenden Weltbild der (Neo-)FaschistInnen
zu vergleichen. Gleichberechtigung für Dänen, Friesen,
Sorben, Sinti und Roma Die
in Deutschland lebenden Minderheiten – Dänen, Friesen, Sinti und Roma sowie
Sorben – müssen gleichberechtigt ihre spezifischen Belange und Ansprüche
artikulieren und realisieren können. Die Politik hat Rahmenbedingungen zu
schaffen, die die Wahrung und Weiterentwicklung der Identität, Sprache und
Kultur der Minderheiten sichern. Notwendig ist die Erarbeitung entsprechender
bundespolitischer Grundsätze, die mittelfristig in einen Grundgesetzartikel
münden müssen. DIE LINKE setzt sich dafür ein, dass die Rechte dieser Minderheiten,
insbesondere ihr Recht auf Selbstbestimmung, geschützt werden und ihre
Repräsentanz und Mitwirkung im gesellschaftlichen Meinungs- und
Willensbildungsprozess gefördert wird. In der Bundesrepublik muss sich die
Politik - im Bund wie in den Ländern - endlich an den international
anerkannten Maßstäben ausrichten. Partizipation von Beginn an - Aktive
Mitwirkung Jugendlicher Die
aktive Beteiligung junger Menschen an gesellschaftlichen
Entscheidungsprozessen ist für uns eine unabdingbare Grundlage einer
emanzipatorischen Demokratie. Junge Menschen sollen ihr Leben
eigenverantwortlich gestalten und aktiv an der Veränderung von
gesellschaftlichen Verhältnissen mitwirken können. Die politische Bildung zur
Stärkung demokratischer Partizipation, etwa in Form von Jugendparlamenten
oder -foren, nimmt für uns einen hohen Stellenwert ein. Diese müssen über
Kompetenzen verfügen und nicht nur Showveranstaltungen sein. Wir setzen uns
dafür ein, dass Kinder und Jugendliche an sie betreffenden Entscheidungen
mitwirken und sich an der Gestaltung von Jugend- und Freizeiteinrichtungen
aktiv beteiligen können. Altern, aktiv und in Würde Ältere
Menschen verfügen über reiches Wissen und interessante Lebenserfahrungen. Sie
wollen ihr Leben individuell gestalten und sich in der Gemeinschaft
engagieren. Sie müssen nach Zeiten der Erwerbsarbeit selbstbestimmt und
würdevoll leben können. Eine auskömmliche Rente, gute Gesundheitsversorgung
und ein altersgerechtes Wohnumfeld, welches einem erhöhten
Sicherheitsbedürfnis genügt, sind Voraussetzungen für eine neue Kultur des
Alters und des Alterns. Doch Alter ist mehr als Rente, Gesundheitsvorsorge,
Pflege und Kosten. Ein Umdenken in den Medien, der Politik, der Wirtschaft
und der Gesellschaft muss sich dem ganzen Alltag einer älterwerdenden
Gesellschaft und den Herausforderungen des hohen Alters widmen. Wir setzen
auf einen lebendigen Zusammenhalt der Generationen, auf mehr
gesellschaftliche Teilhabe und Mitbestimmung. DIE
LINKE wird deshalb Seniorenvertretungen der Länder, Kreise und Kommunen
unterstützen, damit mehr Mittel und Möglichkeiten für Mobilität, Begegnung,
Beratung und ein gutes Wohnumfeld älterer Menschen erschlossen werden. Wir
setzen uns für selbstbestimmtes Wohnen im Alter, für barrierefreie Wohnformen
ein. Wir wollen ältere Menschen ermuntern, in Seniorenklubs, Freizeitstätten
und Seniorenakademien mitzuwirken, Bürger-, Heimat- und Sportvereine zu
nutzen, sowie in BürgerInneninitiativen und politische Organisationen aktiv
zu sein. Wir
halten es für sinnvoll, in Diskussionen zwischen älteren Menschen und
Jugendlichen, in Geschichtsprojekten, kulturellen und sportlichen
Veranstaltungen die Solidarität zwischen den Generationen aktiver zu
gestalten. Kultur für eine gerechte und
dialogfähige Gesellschaft Kulturelle
Vielfalt und die Künste in allen ihren Ausdrucksformen sind unverzichtbar für
eine lebendige Demokratie. Günstige Rahmenbedingungen und Freiräume für ihre
Entwicklung zu schaffen ist deshalb für uns als Linke wesentlicher
Bestandteil unseres Ringens um eine demokratische und sozial gerechte
Gesellschaft. Das Staatsziel Kultur gehört ins Grundgesetz. DIE
LINKE tritt für eine demokratische Kultur ein, in der alle Gruppen und
Milieus ihre kulturelle Identität finden und ausdrücken können. Alle Menschen
sollen die Möglichkeit zur Teilhabe am kulturellen Leben und dem kulturellen
Reichtum dieser Gesellschaft haben. Das erfordert kulturelle Bildung von
Anfang an. Der Zugang zu Bildung und Kultur, zu den traditionsreichen wie
auch den modernen Kultur- und Kommunikationsformen ist eine der wichtigsten
sozialen Fragen des 21. Jahrhunderts und entscheidet wesentlich über die
Entwicklungsmöglichkeiten jedes Einzelnen wie der Gesellschaft als Ganzes.
Kultur und kulturelle Bildung sind Voraussetzung von Emanzipation. Wir
setzen uns für den Erhalt der öffentlichen Kulturförderung ein und wenden uns
gegen eine schrankenlose Liberalisierung und Verwertung kultureller
Leistungen, gegen Privatisierungen und den Abbau öffentlicher Infrastruktur.
Wir wollen die Vielfalt der Träger kultureller Produktion erhalten und
fördern - von öffentlichen und frei-gemeinnützigen Initiativen bis zu
unabhängigen Verlagen, Studios, Agenturen und künstlerischen
Produktionsfirmen. Wir wollen das kulturelle Leben in allen Regionen und
Milieus fördern. Wir wollen gute, existenzsichernde Arbeit im Kulturbereich.
Künstlerinnen und Künstler, alle Kulturschaffenden sollen von ihrer Arbeit
leben können und sozial abgesichert sein. Durch
die Künste in der Vielfalt ihrer Richtungen werden die Freiheit der Einzelnen
und ihre soziale Gebundenheit in aller Widersprüchlichkeit gedacht und
erlebt. Weil Kunst ein wesentliches Moment der großen gesellschaftlichen
Debatten ist, will DIE LINKE die eigenen Welten der Künste als autonome
Räume, Experimentierfelder und Refugien sichern und schützen. Sie sieht in
neuen künstlerischen Tendenzen Impulse für ein erweitertes Welt- und
Gesellschaftsverständnis, die nach Kräften zu fördern sind und sie braucht
die Anregungen, die von Künstlerinnen und Künstlern ausgehen. Die
Linke fühlt sich mit all jenen verbunden, die diese Gesellschaft kritisch
sehen und auf ihre Veränderung dringen. Wir sind offen für die verschiedenen
Entwürfe eines anderen, menschenwürdigen Lebens und wollen die
emanzipatorischen Perspektiven stärken. In
der Partei DIE LINKE finden Menschen aus verschiedenen sozial-kulturellen
Milieus und unterschiedlichen politischen Kulturen zusammen. Ihre Erfahrungen
sind eine Bereicherung auf dem Wege zu einem weiten Kulturverständnis einer
neuen gesellschaftlichen Linken. Kultur
ist Erinnerung. Kultur verbindet Tradition mit dem Heute. Erst die Besinnung
auf das kulturelle Erbe lässt ein differenziertes Kulturverständnis
entstehen. Deshalb liegt in der Kultur die Basis für Verständigung und
Toleranz. DIE LINKE wird ihren Beitrag für eine demokratische
Erinnerungskultur leisten. Wir wollen uns der Kulturgeschichte des früher
geteilten Landes in seinem europäischen Kontext vergewissern. Sport für alle DIE
LINKE will die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ausbauen, die erforderlich
sind, damit Sport als Teil der individuellen Entfaltung möglich ist. Der
Sport erfüllt eine wichtige gesellschaftliche Funktion. DIE LINKE setzt sich
dafür ein, die Kommerzialisierung des Sports zum Zwecke der Profitmaximierung
zurückzudrängen und die Vermittlung von Werten wie Toleranz, Respekt und
Fairness im Sport zu stärken, den Schul- und Berufsschulsport durch
Qualitätsstandards nachhaltig zu verbessern und Kindern und Jugendlichen
verstärkt Freude an Bewegung zu vermitteln, Gewalt und Diskriminierungen zu
bekämpfen und Menschen mit und ohne Behinderungen und unabhängig von
sozialen, ethnischen, religiösen oder sexuellen Hintergründen Zugang zum
Sport zu sichern und naturverträglichen, manipulationsfreien Sport für alle
zu fördern. Kirchen, Religions- und
Weltanschauungsgemeinschaften DIE
LINKE verteidigt das Recht aller Menschen auf ein Bekenntnis zu einer
Weltanschauung oder Religion. Sie tritt ein für den Schutz weltanschaulicher
und religiöser Minderheiten. Laizismus bedeutet für uns die notwendige
institutionelle Trennung von Staat und Kirche. Wir
stellen uns unserer historischen Verantwortung und haben die Lehren aus dem
in der DDR begangenen Unrecht gegenüber Gläubigen gezogen. Bereits im Jahr
1990 hat der Parteivorstand der PDS sich zur Verantwortung an einer
verfehlten Politik der SED bekannt, die tragische Schicksale,
Benachteiligung, Verdächtigung und ohnmächtige Betroffenheit auslöste und die
Gläubigen, Kirchen und Religionsgemeinschaften um Versöhnung gebeten. Heute
engagieren sich in der LINKEN Christinnen und Christen neben Angehörigen
anderer Religionsgemeinschaften, aber auch Atheistinnen und Atheisten für
gemeinsame Ziele und Werte, die in den großen Religionen genauso ihre Wurzeln
haben wie in den Ideen der Aufklärung und des Humanismus: Soziale
Gerechtigkeit, Frieden, Nächstenliebe und Toleranz. DIE
LINKE achtet die Kirchen und Religionsgemeinschaften, ihre soziale Tätigkeit
und ihre Unabhängigkeit. Allerdings müssen die Grundrechte und
Arbeitnehmerrechte auch in den Kirchen und Religionsgemeinschaften und in
deren Einrichtungen Geltung haben, auch das Streikrecht und das
Betriebsverfassungsgesetz. Niemand,
der sich nicht bekennt, darf in irgendeiner Weise benachteiligt werden. Wir
wenden uns gegen jeglichen politischen Missbrauch von Religion. Schulen
sollen Wissen über Religionen vermitteln und die wechselseitige Toleranz der
Glaubensgemeinschaften fördern. Der Unterricht ist im Rahmen des
Bildungsauftrags des Staates durch staatlich anerkannte Lehrkräfte zu
leisten, unabhängig von kirchlicher oder religionsgemeinschaftlicher
Einflussnahme. 4.3
Wie wollen wir lernen und forschen? Freier Zugang zu Bildung und Wissen
Bildung
ist ein Menschenrecht. Sie soll Menschen in die Lage versetzen, als
Individuen und gemeinsam mit anderen ein freies, ein sozial verantwortliches
und selbstbestimmtes Leben zu führen und die gesellschaftliche Entwicklung
aktiv mit zu gestalten. Eine solche emanzipatorische Bildung erfordert
Selbstbestimmung der Lernenden und fördert Kreativität, Kritik- und
Handlungsfähigkeit, Solidarität und historisch-politisches Bewusstsein. Sie
entwickelt die Kompetenzen zur Bearbeitung der gesellschaftlichen und
globalen Schlüsselprobleme der Menschheit. Bildung ist für uns eine
umfassende Persönlichkeitsentwicklung und darf nicht auf den ökonomisch
verwertbaren Wissenserwerb verengt werden. Auch auf europäischer Ebene setzen
wir uns für eine entsprechende bildungspolitische Kehrtwende ein. Bildung für alle In
kaum einem Industrieland bestimmt die soziale Herkunft so sehr über den
Bildungserfolg wie hierzulande. Das Bildungssystem verstärkt die soziale
Ausgrenzung statt zu integrieren, Bildungsprivilegien der oberen Klassen
werden zementiert. Wir wollen inklusive Bildung als Grundrecht durchsetzen
und ein inklusives Bildungssystem schaffen, in dem alle Kinder und
Jugendlichen möglichst lange gemeinsam lernen und bestmöglich gefördert
werden. Bildung
muss gebührenfrei sein. Dies gilt von der frühkindlichen Bildung über Schulen
und Berufsausbildung bis zum Studium. Bildung ist ein öffentliches Gut, keine
Ware. Sie muss öffentlich verantwortet und finanziert werden. Wir treten
Privatisierungen im Bildungsbereich entgegen, weil diese die
Ungerechtigkeiten in der Bildung verstärken und die öffentlichen
Bildungsinstitutionen schwächen. Gleiche Bildungsmöglichkeiten für alle
erfordern eine erheblich bessere Finanzierung der öffentlichen
Bildungsinstitutionen und eine bessere Zusammenarbeit von Bund und Ländern. Die
Möglichkeiten von Kindern und Jugendlichen, sich Bildung anzueignen, werden
durch ihre Lebensbedingungen bestimmt. Das Zusammenleben in der Kommune,
Freizeit- und Sportangebote sollen in öffentlicher Verantwortung ausgebaut,
für alle zugänglich und am Wohl von Kindern und Jugendlichen orientiert
werden. Gute Lernbedingungen erfordern ebenso gute Arbeitsbedingungen für
Lehrende. Prekäre Beschäftigung, hohe Arbeitsbelastung, fehlende Zeit und
schlechte Löhne gehören jedoch in vielen Bildungsbereichen zum Alltag. DIE
LINKE steht an der Seite der Gewerkschaften, die für bessere
Arbeitsbedingungen und eine gute soziale Absicherung der Beschäftigten in der
Bildung streiten. Wir
treten für die Demokratisierung aller Bildungsbereiche ein. Schülerinnen und
Schüler, Auszubildende und Studierende sollen über die Gestaltung der
Bildungsprozesse mitentscheiden können. Gute Bildung von der KiTa bis zur
Weiterbildung Wir
treten für einen Rechtsanspruch aller Kinder auf ganztägige frühkindliche
Bildung und Betreuung unabhängig vom Erwerbsstatus der Eltern ein. Für eine
bessere Qualität der Förderung streben wir eine Ausbildung der Erzieherinnen
und Erzieher auf Hochschulniveau an. Ziel
unserer Bildungspolitik ist die Gemeinschaftsschule, die als inklusive Schule
des gemeinsamen Lernens auf die Aufteilung von Lernenden verzichtet.
Gemeinschaftsschulen haben den Anspruch und entwickeln die Fähigkeit, alle
Kinder und Jugendlichen unabhängig von persönlichen und sozialen Voraussetzungen
zum bestmöglichen Lernfortschritt und zum höchstmöglichen Schulabschluss zu
führen. Wir
fordern ein flächendeckendes und auswahlfähiges Angebot an
Ausbildungsplätzen. Daran müssen sich alle Betriebe mit einer solidarischen
Umlagefinanzierung beteiligen. Wir wollen gute Ausbildungsvergütungen in
allen Branchen, damit Auszubildende ihren Lebensunterhalt möglichst
eigenständig bestreiten können. Das duale System bildet für uns den Kern der
Berufsausbildung. Wir wollen die Qualität der Ausbildung verbessern und
machen uns dafür stark, dass künftig Arbeitgeber, Arbeitnehmer und die
Öffentliche Hand gleichberechtigt hieran mitwirken. Substantielle
Mitbestimmungsrechte von Auszubildenden im Betrieb, in den Berufsschulen und
am Arbeitsplatz müssen hergestellt werden. DIE
LINKE will die Hochschulen ausbauen und die Zahl der Studierenden deutlich
erhöhen. Hierzu gehört auch eine Öffnung der Hochschulen für beruflich
Qualifizierte. Allen Studierenden muss die eigenständige inhaltliche
Schwerpunktsetzung und der Zugang zum Master gewährt werden. Bildung und
Forschung sollen eine Einheit bilden. Rüstungsforschung hat an Hochschulen
und Forschungseinrichtungen nichts zu suchen, ökonomische Einflussnahme und
Verwertungsinteressen müssen zurückgedrängt werden. Bundeswehrwerbung an
Bildungseinrichtungen, etwa durch Jugendoffiziere, Planspiele und
Unterrichtsmaterialien, lehnt DIE LINKE entschieden ab. Stattdessen sollen
Bildung und Wissenschaft im Dienst der Menschen und einer sozialen,
ökologischen und friedlichen Entwicklung der Gesellschaft stehen. Wir wollen
neue Freiräume für kritische Wissenschaft erkämpfen. Lernen
endet nicht mit dem ersten Job. Wir wollen Weiterbildung und lebenslanges
Lernen als öffentliche Aufgabe und individuelles Recht ausbauen. Die Betriebe
müssen für die Fortbildung ihrer Beschäftigten stärker in die Verantwortung
genommen werden. Gleichzeitig brauchen wir umfassende öffentliche Angebote,
die gebührenfrei zugänglich sind und auch allgemeine, kulturelle und
politische Weiterbildung umfassen. Die
soziale Benachteiligung in der Berufs- und Weiterbildung wollen wir durch
eine Strukturreform der Ausbildungsförderung hin zu einer öffentlich
finanzierten Erwachsenenbildungsförderung bekämpfen. Alle Erwachsenen in
Ausbildung sollen bei individuellem Bedarf eine bedarfsdeckende und
elternunabhängige Förderung erhalten. Diese soll ohne
Rückzahlungsverpflichtung und perspektivisch auch über eine Erstausbildung
hinaus gewährt werden. Wissensproduktion und Urheberrecht Wir
wollen eine Wissenschaftsentwicklung, die zu größerer gesellschaftlicher
Verantwortung der Wissenschaftler wie der Anwender führt und die es immer
mehr Menschen ermöglicht, an den Erkenntnissen und Ergebnissen teilzuhaben
und ihre destruktiven Kräfte auszuschalten. Private Monopole über das
gesellschaftliche Wissen widersprechen demokratischen Prinzipien des freien
Zugangs zur Wissensallmende, des freien Zugangs zum Gemeingut der
Wissensbestände der Menschheit. Wir lehnen daher eine Privatisierung von
Wissenschaftseinrichtungen ebenso ab wie von Bibliotheken, Museen, Theatern
und anderen Stätten des Wissens und der Kultur. Das schließt die Nutzung der
Wissenschaften zur Erhaltung und Bewahrung der natürlichen Umwelt sowie die
Technikfolgenabschätzung ein. DIE
LINKE setzt sich ein für die Vielfalt und die Freiheit der Medien wie der
modernen Kommunikationsmittel und die freie Nutzung des Internets. Alle
Nutzerinnen und Nutzer müssen Daten ihrer Wahl senden und empfangen können.
Die Neutralität des Netzes muss gesichert und allen Menschen, ob arm oder
reich, in der Stadt oder auf dem Land, ein gleichberechtigter Zugang zum
Internet ermöglicht werden. Das ist ebenso eine öffentliche Aufgabe wie die
Förderung von frei zugänglicher Software (Open Source), die Beschränkung
digitaler Eigentumsrechte und die Sicherung großer und allgemein zugänglicher
digitaler Wissensbestände. Die Rechte der Urheberinnen und Urheber gegenüber
den Verwertungsunternehmen wollen wir stärken. DIE LINKE setzt sich für ein
Verbot von Verträgen ein, bei denen sämtliche Nutzungsrechte an Werken ohne
räumliche und zeitliche Begrenzung gegen ein fixes Honorar an Verwerter
abgetreten werden (Total-Buy-Out). Wir setzen uns dafür ein, dass für
möglichst alle Gruppen von Urheberinnen und Urhebern verbindliche
Vergütungsregeln bzw. Urhebertarifverträge vereinbart werden. Wir wollen,
dass die Leistungen professionell schöpferisch Tätiger angemessen vergütet
werden und zugleich einen Ausgleich finden, damit die nichtkommerzielle
Nutzung und die kreative Weiterverarbeitung möglichst wenig eingeschränkt
wird. In diesem Sinne wollen wir das Urheberrecht für das Internetzeitalter
weiterentwickeln. Keine Patente auf Leben DIE
LINKE setzt sich für ein weltweites Verbot von Patenten auf Pflanzen, Tiere,
Menschen und andere Lebewesen sowie auf ihre Organe, Gene, Gensequenzen und
auf Zuchtverfahren ein. Wir brauchen eine entsprechende Änderung
internationaler Abkommen, zum Beispiel des Übereinkommens über
handelsbezogene Aspekte der Rechts am geistigen Eigentum (TRIPS) oder der
Patentgesetzgebung auf europäischer Ebene (EPÜ). DIE
LINKE ist solidarisch mit den Umweltschutz-, Agrar-, Entwicklungshilfe- und
Verbraucherschutzorganisationen, die sich gegen die zunehmende
Monopolisierung von Saatgut und landwirtschaftlichen Nutztieren durch Patente
wenden. Einige wenige gewinnorientierte Konzerne versuchen weltweit auf
Kosten der Allgemeinheit, möglichst umfassenden Patentschutz zu erlangen,
damit sie Lizenzgebühren für Anbau und Zucht, Untersuchungs- und
Verarbeitungsverfahren, Futter- und Nahrungsmittel kassieren können - bei
Landwirten, Erwerbs- und Freizeitgärtnern, kleinen und mittelständischen
Züchtern, Lebensmittelverarbeitern und
Verbraucherinnen und Verbrauchern. Es geht hier um die globale Beherrschung
des gesamten Agrar- und Ernährungssektors, also um das ganz große Geschäft
einiger Agrogentechnikkonzerne. Landwirte und Gärtner geraten immer mehr in
deren Abhängigkeit. Biopatente tragen zur Verringerung der Artenvielfalt und
einer Verarmung an Pflanzensorten und Nutztierrassen in der Landwirtschaft
bei. Der züchterische Forstschritt und die Agrarforschung werden durch
Biopatente zunehmend behindert. DIE
LINKE bewertet die Biopatentierung als grundsätzliches Übel, weil sie die
Biopiraterie fördert. Forscher und Firmen bemächtigen sich durch die
Patentierung der Verfügungsrechte über Gene, die sie allenfalls entdeckt,
aber eben nicht "erfunden" haben. Diese Form des
"wissenschaftlichen Kolonialismus" entbehrt jeder ethischen
Grundlage. Vor allem indigene Völker und Entwicklungsländer können sich kaum
dagegen wehren. Das Erbgut aller Lebewesen dieses Planeten, welches seit
Millionen Jahren existiert, gehört niemandem. Diese Form der Biopiraterie,
muss verboten werden. Patente
auf Leben sind Werkzeuge der Unterdrückung und Profitsteigerung. Dies
widerspricht den Grundsätzen einer demokratisch-sozialistischen Gesellschaft.
Deshalb darf es keine Patente auf Leben geben. 4.4
Wie erhalten wir Natur und Gesellschaft? Sozial-ökologischer Umbau
DIE
LINKE sieht den sozial-ökologischen Umbau in Deutschland und Europa als eines
ihrer entscheidenden Ziele und als wesentliche Querschnittsaufgabe in allen
Politikbereichen an. Jeder
Mensch hat ein universell gleiches Recht auf einen Anteil an dem, was die
Erde bietet, und eine universell gleiche Pflicht, seine Lebensgrundlage zu
schützen. Die Gleichheit der Nutzungsrechte und die Gleichheit der
Schutzpflichten müssen zum Leitbild des globalen Handelns werden. Die
Europäische Union und Deutschland müssen international eine Vorreiterrolle
einnehmen. Dabei geht es nicht nur darum, die Verpflichtungen im Rahmen der
Entwicklungsziele der UNO zur Minderung von Armut, Hunger, Kindersterblichkeit,
Analphabetismus, Unterentwicklung und Umweltzerstörung einzuhalten, sondern
wegweisend voranzuschreiten. Dazu gehört vor allem der sozial-ökologische
Umbau unserer Gesellschaft. Er ist nicht nur ökologisch geboten, sondern auch
eine ethische, soziale und wirtschaftliche Notwendigkeit. Unsere heutige
Produktions- und Konsumtionsweise ist nicht gerechtigkeitsfähig, auch weil
sie zu unökologisch ist. Und sie ist nicht ökologiefähig, auch weil sie
ungerecht ist. Das
inzwischen allgemein akzeptierte Ziel einer deutlichen Reduktion von Stoff-
und Energieumsätzen wird nur dann erreicht werden, wenn die Gesellschaft
gleichzeitig sozialer, demokratischer und freier wird. Nur so wird die
Herausbildung neuer, mit der Umwelt verträglicher Lebensweisen und eines neuen
Wohlstandstyps Akzeptanz finden können. Soziale Sicherheit, verlässliche und
ausreichende Einkommens- und Berufsperspektiven, ein Weniger an Herrschaft
bei der Arbeit und in der Gesellschaft sind die Basis für ein Mehr an
zwischenmenschlichen Beziehungen, Gesundheit, Bildung, Kultur und Muße. Eine
glücklichere Gesellschaft, die weniger Ressourcen verschwendet braucht mehr
Gleichheit. DIE LINKE will dabei keineswegs bestimmte Lebensweisen
vorschreiben, es gibt viele ökologische Lebensstile. Entscheidend ist, dass
der ökologische Fußabdruck eines jeden im global zulässigen Rahmen bleibt,
also nicht mehr als etwa eine Tonne Kohlenstoffdioxid pro Jahr verursacht.
Wie er entsteht, ist der individuellen Freiheit überlassen, aber nicht allein
individuelle Aufgabe. Es kommt darauf an, die Rahmenbedingungen so zu
gestalten, dass ein ressourcenleichtes Leben für alle attraktiv wird. Zukunftsfähiges
Wirtschaften erfordert die Reduktion des Verbrauchs fossiler Ressourcen um 90
Prozent. Auch bei anderen Ressourcen ist eine wesentliche, an den fossilen
Ressourcen orientierte, Reduzierung unumgänglich. DIE LINKE will deshalb,
dass die Produktion von Gütern und Dienstleistungen nicht mehr den Profit als
oberste Maxime hat, sondern an sozial-ökologischen Zielen ausgerichtet wird.
Entscheidend wird die Verbindung ökologischer Steuerung mit mehr sozialer
Gerechtigkeit und mit einer Ausweitung persönlicher Entfaltungsmöglichkeiten
sein. Wenn zur ökologischen Steuerung der Verbrauch von Umweltressourcen
verteuert wird, etwa durch eine Besteuerung von CO2, so müssen die Ärmeren
von den entstehenden Einnahmen überproportional profitieren, sei es durch
direkte Zahlungen oder sei es durch den Ausbau öffentlicher Dienstleistungen.
Eine
an sozial-ökologischen Zielen ausgerichtete Wirtschaft strebt nicht Wachstum
um des Wachstums willen an. Ein steigendes Bruttoinlandsprodukt führt nicht
automatisch zu mehr Wohlstand. Sozial-ökologischer Umbau bedeutet, den
Wachstumsdruck, der aus übermäßiger Profitorientierung und ungerechten, bedrückenden
Verhältnissen resultiert, aus Gesellschaft und Wirtschaft herauszunehmen.
Hohe Ungleichheit in der Verteilung von Einkommen, Vermögen und
Arbeitszeiten, übermäßige Verschuldung öffentlicher Haushalte und eine
unzureichende Absicherung von Lebensrisiken durch die sozialen
Sicherungssysteme blockieren die Abkehr von der Wachstumsfixierung.
Herrschaftliche und konkurrenzbetonte Lebens- und Arbeitsverhältnisse fördern
ökologisch und sozial fragwürdige wirtschaftliche Aktivitäten und
Konsumverhaltensweisen. Wir
wollen sämtliche Politikbereiche am sozial-ökologischen Umbau von Wirtschaft
und Gesellschaft orientieren. Dazu gehören vor allem Wirtschafts- und
Finanzpolitik, Sozial- und Bildungspolitik, Wissenschafts-, Forschungs- und
Technologiepolitik, Struktur- und Regionalpolitik, aber auch Friedens- und
Verkehrspolitik. Klimaschutz und Energiewende DIE
LINKE verbindet den Umbau der Energiewirtschaft mit dezentralen
Energieerzeugungs- und –versorgungsstrukturen. Dies
muss zur Demokratisierung der Energiewirtschaft führen, die Teilhabe von
Bürgerinnen und Bürgern fördern und zur Reduzierung von CO2 beitragen.
Langfristig entsteht so eine sichere, umweltfreundliche, von Importen
unabhängige und für alle bezahlbare Energieversorgung. DIE
LINKE setzt sich dafür ein, die Treibhausgas-Emissionen in Deutschland ohne
Vorbedingungen bis zum Jahr 2020 gegenüber 1990 zu halbieren. Auf ihre
Senkung um mindestens 90 Prozent bis Mitte des Jahrhunderts wollen wir
hinwirken. Unser Ziel ist die 100-prozentige Versorgung aus erneuerbaren
Energien vorrangig bei Ausschöpfung der regional nutzbaren Quellen bis zum
Jahr 2050. Dies erreichen wir durch festgelegte Grenzwerte für den
CO2-Ausstoß und nicht durch den marktbasierten Emissionshandel. So können in
den Regionen Arbeitsplätze entstehen und die Kommunalhaushalte nachhaltig
gestärkt werden. Die
Nutzung von Biomasse aus nachwachsenden Rohstoffen zur Energieerzeugung ist
nur vertretbar, wenn die vollständige Eigenversorgung mit Nahrungs- und
Futtermitteln sowie Industrierohstoffen aus der Landwirtschaft gewährleistet
ist. Wir lehnen den Import von Biomasse aus Raubbau und Monokulturen ab. Die
energetische Nutzung von Biomasse darf nicht zur Verteuerung von
Nahrungsmitteln führen und muss in einer nachhaltigen Art und Weise erfolgen.
Das
Erneuerbare-Energien-Gesetz ist ein erfolgreiches Umbau-Gesetz. Wir setzen
uns für dessen Erhalt und Ausbau ein, auch, um den Einspeisevorrang von
erneuerbaren Energien zu sichern. Die Kosten für die mit dem ökologischen
Erfolg steigende Umlage müssen jedoch vornehmlich von den Vielverbrauchern in
Industrie und Privathaushalten gezahlt werden. Ein Basisverbrauch muss
erschwinglich für alle bleiben und von der Mehrzahlung der Vielverbraucher
finanziert werden. Wir
fordern die unverzügliche Stilllegung aller Atomkraftwerke und ein Verbot für
den Export von Atomtechnik. Im Grundgesetz muss das Verbot jeglicher –
friedlicher wie militärischer – Nutzung der Atomenergie verankert werden. Die
Endlagersuche muss ergebnisoffen und transparent, unter Einbeziehung der
Bevölkerung erfolgen, der Atommüll auf Kosten der Verursacher an Orten mit
den geringsten Risiken verwahrt werden. Den
Neubau von Kohlekraftwerken sowie die Untertagespeicherung von Kohlendioxid
wollen wir verhindern. Der Einsatz von Kohle muss sich so verteuern, dass der
Betrieb laufender und die Planung neuer Kohlekraftwerke unwirtschaftlich
werden. Die
Verbesserung der Energieeffizienz als Teil der Energiewende betrifft alle
gesellschaftlichen Bereiche. Vor allem bei der Optimierung des Energieverbrauchs
von Gebäuden gibt es große Potenziale. Sanierungsmaßnahmen, die sich nicht
durch geringere Energiekosten refinanzieren, müssen gefördert werden. Die
Kosten sind dabei nicht von den Mieterinnen und Mietern, sondern aus den
Gewinnen der Energiewirtschaft zu tragen. Wir fordern daher die Überführung
der Energiekonzerne in öffentliches Eigentum und die demokratische Kontrolle
der Unternehmen mit dem Ziel, einen ökologisch verantwortlichen Umgang mit
Energie und eine sozial verantwortliche Finanzierung der Umbaumaßnahmen zu
erreichen. Zur
Verbesserung der Energieeffizienz bei Elektrogeräten wollen wir gesetzliche
Regelungen einführen, die gewährleisten, dass die Standards der Geräte mit
dem geringsten Energie- und Ressourceneinsatz während ihres gesamten
Lebenszyklus innerhalb kurzer Zeit zur Vorschrift werden. Als weiteres
Kriterium soll die Reparaturfreundlichkeit mit in die Bewertung einfließen.
Diese Regelung sollte auch auf andere Produkte übertragen werden. Die
bisher für Atomkraft, einschließlich Kernfusion, und fossile Energiesysteme
eingesetzten Forschungs- und Fördermittel sind in den Ausbau erneuerbarer
Energiesysteme und Speicherverfahren, die Verbesserung der Energieeffizienz
sowie in Ausbau und Regelung der Netze umzuleiten. Besonders zu fördern ist
der Umbau der Netzinfrastruktur mit hohem Anteil schwankender erneuerbarer
Energien, zum Beispiel durch die Integration von Kraft-Wärme-Kopplung. Natur ist unser Leben Die
Naturnutzung des einen ist auch der Nutzungsentzug für den anderen. Wer
stetigen Zuwachs fordert, gefährdet das elementare Entwicklungsrecht anderer.
Nachhaltiger Umgang mit natürlichen Ressourcen ist kein lästiger
Kostenfaktor, sondern ein Türöffner für eine lebenswertere Zukunft. Wir
wollen natürliche Lebensräume erhalten, in Deutschland, Europa und weltweit.
Die biologische Vielfalt muss bewahrt werden, um ihrer selbst willen und als
Grundlage unseres Lebens. Dazu gehören Bewahrung und Schutz der verbliebenen
großen Naturräume der Erde ebenso wie die Vernetzung von Schutzgebieten.
Wälder, Meere und Landschaften sollen in öffentlicher Verantwortung so
genutzt und geschützt werden, dass ihre natürliche Regenerationsfähigkeit
erhalten bleibt. Eine Übertragung von Schutzgebieten an Privatpersonen ist
diesem Ziel nicht förderlich. Für Umweltorganisationen sowie Bürgerinnen und
Bürger streben wir mehr demokratische Planungs-, Kontroll- und
Einspruchsrechte an. Wir setzen uns für natürliche Flussläufe als Schutz vor
Hochwasser ein, aber auch, um die typischen Tier- und Pflanzenarten und den
landschaftsästhetischen Wert der Auenlandschaften zu erhalten. Der
fortschreitenden Versiegelung von Landschaften für wachsende Siedlungs- und
Verkehrsflächen wollen wir durch eine verstärkte Innenentwicklung von
Ortschaften, reduzierte Entfernungen zwischen Wohn- und Arbeitsstätten und
den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs entgegenwirken. Der Wandel in
der Siedlungsstruktur muss mit einer geänderten Preisstruktur korrelieren.
Wohnen, Handel und Gewerbe im Innenbereich lassen sich etwa aus den Einnahmen
einer Versieglungsabgabe fördern. Gewolltes muss vergünstigt und
Unerwünschtes erschwert werden, ohne dabei ärmere Menschen in ihren
Möglichkeiten zu beschränken. Innerstädtische Mieten und Grundstückspreise
sind nach oben zu begrenzen, so dass Siedlungen und Einkaufszentren auf der
grünen Wiese an Attraktivität verlieren. Wir
setzen uns für den Schutz freilebender und in Obhut des Menschen lebender
Tiere ein, insbesondere für die artgerechte Haltung landwirtschaftlicher
Nutztiere und die Ablösung von Tierversuchen. Wir fördern eine deutliche
Steigerung des ökologischen Landbaus und fordern ein ökologisches
Wirtschaften aller Betriebe. Um dies zu erreichen, wollen wir ökologischen
Landbau - ähnlich wie regenerative Energieerzeugung – systematisch preislich
bevorzugen, finanziert etwa durch Umlagen bei nicht-ökologischer Erzeugung.
So wird der Kauf von Bio-Lebensmitteln für alle möglich. Obwohl
er mittlerweile Staatsziel ist, sind wir von einem wirksamen Tierschutz weit
entfernt. Wir treten ein für ein bundesweites Verbandsklagerecht für
Tierschutzverbände. Die Sozialgesetzgebung sollte eine angemessene
Tierhaltung ermöglichen. Transporte von Tieren, ihre Züchtung und ihre
Haltung in Zoos bedarf strengerer Auflagen und
demokratischer Kontrolle. DIE LINKE setzt sich für ein Tierschutzsiegel auf
Lebensmitteln ein. Die Agro-Gentechnik lehnen wir aufgrund unkalkulierbarer
Risiken ab, die Kennzeichnungspflicht ist bis auf die technisch mögliche
Nachweisgrenze zu senken. Tier- und Pflanzenpatente lehnen wir ab. Mobilität für alle – ökologische
Verkehrswende Eine
nachhaltige Infrastrukturentwicklung setzt auf Verkehrsvermeidung, kurze Wege
und energiesparende Verkehrsmittel. Befriedigung grundlegender
Mobilitätsbedürfnisse muss für alle unabhängig vom Geldbeutel so
umweltfreundlich wie möglich gewährleistet werden. Sie ist ein wesentlicher
Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Unser Ziel ist ein flächendeckendes
und barrierefreies Angebot des öffentlichen Verkehrs mit attraktiver Taktung,
guten Umsteigemöglichkeiten sowie sozialverträglichen Tarifen. Einen
unentgeltlichen Nahverkehr sehen wir als Vision, auf die wir langfristig
hinwirken wollen. Der öffentliche Personennah- und -fernverkehr muss unter
Einbeziehung von Interessenvertretungen der Fahrgäste, Beschäftigten,
Umweltverbände und anderen Betroffenen kooperativ und demokratisch reguliert
und betrieben werden. Die
Deutsche Bahn muss einer breiteren demokratischen Kontrolle unterliegen.
Privatisierungen öffentlicher Verkehrsunternehmen lehnen wir ab.
Langfristiges Ziel ist ein Schienenverkehrssektor unter ausschließlich
öffentlichem Einfluss. Der Bund hat den Erhalt und den erforderlichen Ausbau
der Schienenwege in vollem Umfang zu sichern und den Ländern dauerhaft
ausreichende Mittel für die Verkehrsleistungen und den Infrastrukturausbau im
öffentlichen Personennahverkehr zur Verfügung zu stellen. Den Aufbau eines
konkurrierenden Busfernnetzes lehnen wir ab. Bei
der Planung von Verkehrsprojekten müssen Bürgerinnen und Bürger sowie Interessenvertretungen
deutlich von Anfang an und stärker von den Planungsbehörden einbezogen und
Volksentscheide in einem frühen Stadium ermöglicht werden. Wir
wollen eine grundlegende Reform der Bundesverkehrswegeplanung hin zur
umweltgerechten Mobilitätsplanung. Das Rückgrat unseres Mobilitätskonzepts
ist der Umweltverbund – zu Fuß, per Rad, mit Bus und Bahn. Den Anteil der im
Umweltverbund zurückgelegten Wege wollen wir deutlich steigern und den
motorisierten Individualverkehr reduzieren. Wir setzen uns in der Raumplanung
für kurze Wege zwischen den Orten von Wohnen, Freizeit, Arbeit und Bildung
sowie für eine fuß- und fahrradfreundliche Siedlungsstruktur ein. Eine
deutliche Steigerung der Lebensqualität wollen wir durch eine Umwidmung von
Verkehrsflächen erreichen: Naherholung statt Lärm- und Abgasbelastung. Die
Erweiterung des Autobahn- und Straßennetzes lehnen wir ab. Wir sprechen uns
für ein allgemeines Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen aus. Elektroautos
und Biosprit sind keine Lösung für die Probleme,
die durch Energie- und Ressourcenverbrauch sowie verstopfte Straßen und
Unfälle entstehen. Der
innerdeutsche Flugverkehr ist weitestgehend und der innereuropäische zu einem
großen Teil auf die Schiene zu verlagern. Erste Schritte dazu sind die
Einführung einer EU-weit einheitlichen Kerosinsteuer und eine internationale
Flugticketabgabe. Die Subventionierung von Flughäfen muss beendet werden. Der
Güterverkehr muss deutlich reduziert werden, wobei die externen Kosten den
Transportpreisen anzulasten sind. Mittel dazu sind eine höhere
Mineralölsteuer und eine verbindliche Lkw-Maut in ganz Europa. Den
verbleibenden Güterverkehr wollen wir vorrangig auf die Schiene und auf eine
umweltverträgliche See- und Binnenschifffahrt verlagern. Mit einer möglichst
weltweiten, alternativ europaweiten Abgabe auf fossile Kraftstoffe wollen wir
ressourcen- und umweltschonende Antriebe fördern. Durch Kooperation statt
Konkurrenz zwischen den Hafenstandorten können wir Güterströme gezielt lenken
und vorhandene Kapazität und Infrastruktur optimal nutzen. Eine modernisierte
Binnenschifffahrtsflotte wird zielorientiert eingesetzt, nutzt sinnvolle
Innovation und benötigt keinen weiteren Flussausbau. Investitionen
in die Verkehrsinfrastruktur müssen wesentlich nachhaltiger und auf Barrierefreiheit
gerichtet erfolgen. Die Belastung und Gesundheitsgefährdung vieler Menschen
durch Verkehrslärm und Luftschadstoffe wie Feinstaub und Stickoxide müssen
reduziert werden. An bestehenden Verkehrswegen und Flugplätzen muss
Verkehrslärm durch strenge Grenzwerte und aktiven Lärmschutz deutlich
verringert werden. Wir treten für ein Nachtflugverbot ein. Regionale Wirtschaftskreisläufe Wir
wollen den Übergang zu regionalen, arbeitsplatzschaffenden Wirtschafts- und Stoffkreisläufen
schaffen. Dafür brauchen wir nicht nur selbstverwaltete regionale
Entwicklungsfonds, einen veränderten kommunalen Finanzausgleich sowie eine
Struktur- und Anschubförderung, sondern auch eine dezentrale
Nahrungsmittelproduktion und Energieversorgung und höhere Transportpreise.
Auch andere Bereiche der öffentlichen Daseinsvorsorge wie Wasser/Abwasser,
Abfallentsorgung, Gesundheit und Kultur sind möglichst regional und dezentral
zu organisieren. Wir
treten für eine konsequente Umgestaltung der Abfallwirtschaft in eine
energieeffiziente Ressourcenwirtschaft ein. Deshalb ist das
Kreislaufwirtschaftsgesetz in Richtung gesteigerter Wiederverwendung, höherer
Recycling-Quoten und strengerer Anforderungen weiterzuentwickeln. Der Export
von Abfällen ist zu verbieten Ziel ist die Verträglichkeit menschengemachter
mit natürlichen Kreisläufen. Das heißt, der Gebrauch von Rohstoffen und
chemischen Erzeugnissen ist nur soweit zulässig, wie er natürliche Prozesse
und Senken nicht überlastet. 4.5
Wie wollen wir die Europäische Union grundlegend umgestalten?
Die
Europäische Union beeinflusst das Leben der Bürgerinnen und Bürger in allen
Mitgliedsstaaten unmittelbar und in wachsendem Umfang. Entscheidungen des
Europäischen Parlaments, des von den Staats- und Regierungschefs der
Mitgliedsstaaten gebildeten Europäischen Rates, des Rates, der Europäischen
Kommission und des Europäischen Gerichtshofes bestimmen die Lebensbedingungen,
den Alltag der Menschen in der Bundesrepublik substanziell. Die auf EU-Ebene
getroffenen Entscheidungen sind von zentraler Bedeutung für die Sicherung des
Friedens, die wirtschaftliche und soziale Entwicklung und die Lösung der
ökologischen Herausforderungen auf dem Kontinent und darüber hinaus. Linke
Politik in Deutschland muss angesichts dessen heute mehr denn je die
europäische Dimension mitdenken und für die Gestaltung der europäischen
Politik eigene Vorschläge unterbreiten. Die Europäische Union ist für DIE
LINKE eine unverzichtbare politische Handlungsebene. Gemeinsam
mit anderen linken Parteien stehen wir für einen grundlegenden Politikwechsel
in der Europäischen Union. Wir wollen eine andere, eine bessere EU. Die
Europäische Union muss zu einer tatsächlich demokratischen, sozialen,
ökologischen und friedlichen Union werden. Die
Vertragsgrundlagen der Europäischen Union sind dafür nicht geeignet. Wir
haben deshalb den Vertrag von Lissabon abgelehnt. Unsere Kritik richtete und
richtet sich weiterhin vor allem gegen die in diesem Vertragstext enthaltenen
Aussagen zur Militarisierung der EU-Sicherheits- und Verteidigungspolitik,
gegen die Grundausrichtung der EU an den Maßstäben neoliberaler Politik,
gegen den Verzicht auf eine Sozialstaatsklausel, gegen die angestrebte Art
der verstärkten Zusammenarbeit der Polizei- und Sicherheitsdienste sowie
gegen das weiter bestehende Demokratiedefizit in der EU und ihren
Institutionen. Die
Eurokrise hat einen weiteren Beleg dafür erbracht, dass die EU-Verträge nicht
für ein demokratisches, soziales, ökologisches und friedliches Europa taugen,
sondern ganz im Gegenteil zur Verschärfung der Krise beitragen. Die
Europäische Union braucht einen Neustart mit einer vollständigen Revision
jener primärrechtlichen Grundelemente der EU, die militaristisch,
undemokratisch und neoliberal sind. Wir setzen uns deshalb weiter für eine
Verfassung ein, die von den Bürgerinnen und Bürgern mitgestaltet wird und
über die sie zeitgleich in allen EU-Mitgliedstaaten in einem Referendum
abstimmen können. Wir
wollen nicht weniger als einen grundlegenden Politikwechsel in der
Europäischen Union, der die europäische Integration im Interesse der großen
Mehrheit der Menschen auf ein neues Fundament stellt. Wir
wollen eine Europäische Union, die Demokratie und nationalstaatliche
Souveränität nicht den Finanzmärkten opfert. Wir weisen alle Angriffe auf die
Demokratie in Europa, etwa durch die Etablierung von Durchgriffsrechten auf
nationalstaatliche Haushalte, zurück. Wir
wollen eine friedliche Europäische Union, die im Sinne der Charta der
Vereinten Nationen Krieg ächtet, die strukturell nicht angriffsfähig und frei
von Massenvernichtungswaffen ist, die sowohl auf den Ausbau militärischer
Stärke als auch auf eine weltweite militärische Einsatzfähigkeit und weltweit
auf militärische Einsätze verzichtet. Wir setzen auf Abrüstung, zivile
Kooperation und die Entwicklung partnerschaftlicher Beziehungen in Europa und
weltweit. Wir
wollen eine Europäische Union ohne Ausgrenzung und Armut, eine EU, in der gut
entlohnte und sozial abgesicherte Arbeit und ein Leben in Würde für alle
gesichert sind. Sozialstaatlichkeit muss zu den Werten und Zielen der EU
gehören und höchste Priorität bei der Umsetzung aller EU-Politiken haben. DIE
LINKE tritt für die Verankerung einer sozialen Fortschrittsklausel im
EU-Primärrecht ein. So wie in der EU der Wettbewerb kontrolliert wird, müssen
auch die Einhaltung von sozialen Vorschriften EU-weit überprüft und Verstöße
dagegen geahndet werden. Um Steuerdumping zu verhindern, fordert DIE LINKE
neben einer Vereinheitlichung der Bemessungsgrundlage für Unternehmenssteuern
die Festlegung eines EU-weiten Mindeststeuersatzes für Unternehmensgewinne in
angemessener Höhe. Wir
wollen eine Europäische Union, deren Rechtsgrundlagen wirtschaftspolitisch
neutral gestaltet sind und die gegenüber einer gemischtwirtschaftlichen
Ordnung mit einem bedeutenden öffentlichen Sektor sowie künftigen
Gesellschaftsentwicklungen offen sind. Die Wirtschaftspolitik der EU soll
sozialen Fortschritt und ökologischen Strukturwandel befördern. Notwendig
sind dafür mehr öffentliche Investitionen und eine Stärkung der
Binnenwirtschaft. Der Stabilitäts- und Wachstumspakt muss durch einen Pakt
für nachhaltige Entwicklung, Vollbeschäftigung, soziale Sicherheit und
Umweltschutz ersetzt werden, der auch Maßnahmen zur außenwirtschaftlichen
Stabilität einschließt. Die EU braucht eine koordinierte und demokratisch
kontrollierte Wirtschaftspolitik, die einer Unterbietungskonkurrenz durch die
Verschlechterung von Löhnen, Arbeitsbedingungen, sozialen Leistungen und
Umweltstandards entgegen wirkt. Die Europäische Zentralbank muss demokratisch
kontrolliert und ihr Wirken neben Preisstabilität auch auf Beschäftigung und
nachhaltige Entwicklung ausgerichtet werden. Wir
wollen eine Gemeinsame Europäische Agrarpolitik, die konsequent sozial und
ökologisch ausgerichtet ist und stärker die Belange der Entwicklungsländer
berücksichtigt. Unternehmen der agrarischen Primärproduktion müssen
unabhängig von Betriebsgröße und Bewirtschaftungsform für soziale und
ökologische Leistungen unterstützt werden, um den Einfluss
landwirtschaftsfremden Kapitals zurückzudrängen. Wir
wollen eine Europäische Union, die sich weltweit dafür einsetzt, dass die
Finanzmärkte einer strikten Kontrolle unterworfen werden, damit sie wieder
dem Allgemeininteresse und nicht länger der Spekulation dienen.
Kapitalverkehrskontrollen müssen auf europäischer Ebene ermöglicht werden.
Die EU braucht eine öffentliche Institution, die Staaten Kredite ohne Umweg
über private Geschäftsbanken gewährt. Wir
wollen eine Europäische Union mit einem starken Europäischen Parlament und
transparenten Entscheidungsprozessen in allen europäischen Institutionen und
mehr unmittelbarer Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger. In der europäischen
Politik müssen die Menschen- und Grundrechte, die zu den
Verfassungstraditionen in Europa gehören, Vorrang vor den Grundfreiheiten des
Binnenmarktes bekommen. Wir
wollen eine Europäische Union, in der Frauen und Männer wirklich gleichberechtigt
sind und die Diskriminierung von Menschen wegen ihrer ethnischen Herkunft,
ihres Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des
Alters oder der sexuellen Identität ausgeschlossen ist. Wir wollen, dass
Frauen endlich die gleichen Möglichkeiten in Beruf und Gesellschaft haben wie
Männer. Dies erfordert gesetzliche Maßnahmen, beispielsweise, um
Kinderbetreuung zu sichern und Lohndiskriminierung zu bekämpfen. Wir
wollen eine solidarische Erweiterung der Europäischen Union, in der alle
Fragen – insbesondere die Förder- und Investitionspolitik – so behandelt
werden, dass die Regionen partnerschaftlich kooperieren und die Verbesserung
von Arbeits- und Lebensverhältnissen im Vordergrund steht. Im EU-Haushalt
müssen durch Umverteilung der Mittel, aber auch durch die Erhöhung der
finanziellen Beiträge der Mitgliedstaaten entsprechende Mittel zur Verfügung
gestellt werden. Wir
wollen eine Europäische Union, in der Rechtsstaatlichkeit, Freiheit und
Sicherheit garantiert sind und die Bekämpfung von Kriminalität nicht zu
Lasten der Grund- und Menschenrechte geht. Die EU muss sich zum Prinzip der
Gewaltenteilung und der Trennung von Polizei, Geheimdiensten und Militär
bekennen. Das Grundrecht auf Asyl ist zu garantieren. Deshalb muss die
Grenzschutzagentur FRONTEX aufgelöst werden. Neofaschismus, Fremdenhass,
Rassismus, religiöser Fundamentalismus, Sexismus und Homophobie müssen
europaweit geächtet werden. Wir
wollen eine Europäische Union, die als Teil der einen Welt gleichberechtigte
internationale Beziehungen fördert, eine solidarische Weltwirtschaft anstrebt
und ihrer Verantwortung zur Lösung der globalen Probleme gerecht wird. Diese
Grundsätze werden wir unserer gesamten politischen Arbeit zugrunde legen. Die
Linke in Europa ist gefordert, den Kampf um die Europäische Union
aufzunehmen. Ein anderes Europa, eine EU, die ihr Gestaltungspotenzial im
Interesse von Millionen Menschen in aller Welt nutzt, ist möglich – wenn es
gelingt, die Politik und Entwicklung der Europäischen Union zu verändern, sie
an Frieden und zivilen Konfliktlösungen zu orientieren, an Demokratie, die
Überwindung des Patriachats, an sozialer Sicherheit und ökologischer
Nachhaltigkeit und an einer Wirtschaft, die den Menschen dient. Dieses andere
Europa kann entscheidend dazu beitragen, dass eine andere Welt möglich wird. DIE
LINKE wird dazu beitragen, dass die Kämpfe gegen neoliberale Politik in den
Kommunen, Regionen und Mitgliedstaaten zunehmend auch auf der Ebene der EU
geführt werden. Wir werden unsere europapolitischen Ansätze in Protesten
gegen die Politik der Europäischen Union und der Mitgliedstaaten ebenso
vertreten wie in den Parlamenten aller Ebenen. Wir wollen die Menschen mit
überzeugenden konkreten Projekten gewinnen, ihnen Mut machen, sich wieder
politisch zu beteiligen. So können wir unser politisches Ziel einer
demokratischen, sozialen, ökologischen und friedlichen Neugestaltung der
Fundamente der Europäischen Union erreichen. So verhindern wir, dass
Neofaschisten und Rassisten in den EU-Mitgliedstaaten Unterstützung für ihre
menschenverachtenden Ideologien erhalten. 4.6
Wie schaffen wir Frieden? Abrüstung, kollektive Sicherheit und gemeinsame Entwicklung
Die
LINKE ist eine internationalistische Friedenspartei, die für Gewaltfreiheit
eintritt, ob im Inneren von Gesellschaften oder zwischen Staaten. Daraus
leiten wir unser Engagement gegen Krieg, Völkerrechtsbruch,
Menschenrechtsverletzungen und militärische Denklogiken im Umgang mit
Konflikten ab. Neben der Kritik an Gewaltakteuren und an gewaltfördernden
Machtstrukturen geht es uns um die Aufklärung über tiefere Zusammenhänge von
Konfliktursachen. Gemeinsam mit Friedensbewegungen und allen friedensorientierten
Partnern ringen wir um Wege zu struktureller Gewaltprävention und für einen
zivilen Konfliktaustrag. Unser Leitbild ist die Idee des gerechten Friedens,
der mehr bedeutet als die bloße Abwesenheit von Gewalt, weil er soziale wie
ökonomisch und ökologisch nachhaltige Bedingungen als Voraussetzung für
dauerhafte friedliche Entwicklungen erachtet. DIE
LINKE gründet ihre internationalistische Politik auf vier Prinzipien: Frieden
durch kollektive und gegenseitige Sicherheit, Abrüstung und strukturelle
Nichtangriffsfähigkeit. Solidarische Politik der Überwindung von Armut,
Unterentwicklung und Umweltzerstörung. Einsatz für eine demokratische,
soziale, ökologische und friedliche Europäische Union. Reform und Stärkung
der UNO. Frieden in Solidarität statt Kriege Für
DIE LINKE ist Krieg kein Mittel der Politik. Wir fordern die Auflösung der
NATO und ihre Ersetzung durch ein kollektives Sicherheitssystem unter
Beteiligung Russlands, das Abrüstung als ein zentrales Ziel hat. Unabhängig
von einer Entscheidung über den Verbleib Deutschlands in der NATO wird DIE
LINKE in jeder politischen Konstellation dafür eintreten, dass Deutschland
aus den militärischen Strukturen des Militärbündnisses austritt und die
Bundeswehr dem Oberkommando der NATO entzogen wird. Wir fordern ein
sofortiges Ende aller Kampfeinsätze der Bundeswehr. Dazu gehören auch
deutsche Beteiligungen an UN-mandatierten Militäreinsätzen nach Kapitel VII
der UN-Charta, zumal der Sicherheitsrat noch nie chartagemäß
Beschlüsse gegen Aggressoren wie die NATO beim Jugoslawienkrieg oder die USA
beim Irakkrieg gefasst hat. Um Akzeptanz für die Militarisierung der
Außenpolitik zu erlangen, ist zunehmend von "zivilmilitärischer
Kooperation" und von Konzepten zur "vernetzten Sicherheit" die
Rede. DIE LINKE lehnt eine Verknüpfung von militärischen und zivilen
Maßnahmen ab. Sie will nicht, dass zivile Hilfe für militärische Zwecke
instrumentalisiert wird. Sie will, dass ein Rüstungsexportverbot im
Grundgesetz verankert wird. Reform und Stärkung der Vereinten
Nationen Die
LINKE erachtet als internationalistische Partei das Völkerrecht und die
Vereinten Nationen als wichtigste Institution für die friedliche
Verständigung zwischen den Staaten und Gesellschaften der Erde. Den globalen
Herausforderungen kann die Menschheit nur friedlich, im Dialog und
multilateral auf der Basis eines sich konsensual
fortentwickelnden rechtlichen Rahmens begegnen. Die Vereinten Nationen müssen
auf die Basis ihrer eigenen Charta zurückgebracht werden. Probleme und
Herausforderungen von Armut, Klimawandel, Massenkrankheiten, Kriege,
Ernährung, Wasserversorgung, Energiesicherheit, regulierter Globalisierung
oder gerechte Handelsstrukturen sind Themen für alle und sie können nur im
globalen Miteinander behandelt und einer Lösung näher gebracht werden. Die
zentrale Aufgabe der Vereinten Nationen bleibt die Sicherung des
Weltfriedens, d.h. die Prävention, Streitbeilegung und nachhaltige zivile
Konfliktlösung auf der Basis des Völkerrechts. Hierzu dienen insbesondere die
Grundsätze des Gewaltverzichts und der gleichen Sicherheit, ferner die
Regelungen zur friedlichen Konfliktbeilegung in Übereinstimmung mit Geist und
Buchstaben der Charta. Dafür bedarf es der überfälligen Reform, was größere
Rechte der UN, größere ökonomische Rechte, größere Effektivität der
UNO-Organisationen und eine bessere Legitimation des UN-Sicherheitsrates
umschließt. Insbesondere fehlt eine stärkere Repräsentanz afrikanischer und
lateinamerikanischer Staaten. Notwendig ist auch die Verankerung größerer
Rechte der größer gewordenen Generalversammlung. Aber auch
Regionalorganisationen wie die OSZE können spezifische Beiträge zur
Verwirklichung der Charta-Ziele leisten. Abrüstung und strukturelle
Nichtangriffsfähigkeit Statt
Aufrüstung, militärischer Auslandseinsätze und EU-NATO-Partnerschaft, also
einer Kriegslogik, ist eine Umkehr zu einer friedlichen Außen- und
Sicherheitspolitik notwendig, die sich strikt an das in der UN-Charta
fixierte Gewaltverbot in den internationalen Beziehungen hält. DIE LINKE
setzt daher auf Abrüstung und Rüstungskontrolle, fordert ein striktes Verbot
von Rüstungsexporten und den Umbau der Streitkräfte auf der Basis strikter
Defensivpotenziale. Die EU und Deutschland müssen auf alle Atomwaffenoptionen
verzichten, alle in Deutschland stationierten Atomwaffen müssen abgezogen und
vollständig vernichtet werden. Alle Massenvernichtungswaffen sind zu
verbieten. Die Europäische Union sollte eine Vorreiterrolle bei der zivilen
Konfliktprävention einnehmen und dafür die notwendigen Kapazitäten schaffen.
Ein militärisch-ziviler Europäischer Auswärtiger Dienst und die Beteiligung
an militärischen Einsätzen im Rahmen der Gemeinsamen Außen- und
Sicherheitspolitik (GASP) und der Europäischen Sicherheits- und
Verteidigungspolitik (ESVP) sowie an EU-Battle Groups und
EU-Interventionsstreitkräften sind daher abzulehnen. DIE LINKE steht gegen
die Militarisierung der EU. DIE
LINKE lehnt den Umbau der Bundeswehr zu einer weltweit einzusetzenden
Kriegsführungsarmee ab. DIE LINKE setzt sich für eine schrittweise Abrüstung
der Bundeswehr ein, die kriegsführungsfähigsten Teile sollen zuerst
abgerüstet werden. Die Abrüstung ist zu begleiten durch Konversionsprogramme
für die Beschäftigten in der Rüstungsproduktion, für die Soldatinnen und
Soldaten und für die Liegenschaften der Bundeswehr. DIE
LINKE verfolgt langfristig das Ziel eines Deutschlands, eines Europas ohne
Armeen, einer Welt ohne Kriege. Das Grundgesetz verbietet die Vorbereitung
von und Teilhabe an Angriffskriegen. Von deutschem Boden darf nie wieder Krieg
ausgehen – diesem Gebot muss wieder Geltung verschafft werden. Die Bundeswehr
muss aus allen Auslandseinsätzen zurückgeholt werden, ihr Einsatz im Inneren
jenseits notwendiger Katastrophenhilfe ist strikt zu untersagen, die
Notstandsgesetze, die den Einsatz der Bundeswehr im Inneren vorsehen und
ermöglichen, sind aufzuheben. Statt der Armee im Einsatz will DIE LINKE
humanitäre Hilfe. Die Milliarden, die bisher für Kriege ausgegeben werden,
wollen wir für Hilfe bei der Bewältigung internationaler Krisen und
Katastrophen einsetzen. Ein wirksamer Katastrophenschutz benötigt
ausgebildete Helferinnen und Helfer: kein Militär, sondern Ärztinnen und
Ärzte, Technikerinnen und Techniker oder Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler. Wir schlagen daher die Einrichtung eines zivilen Hilfskorps
vor – das Willy-Brandt-Korps für internationale Katastrophenhilfe. Es ist die
friedliche Alternative zur Armee im Einsatz. DIE
LINKE fordert die Beendigung der Beteiligung von Bundes- und Länderpolizei an
internationalen Polizeieinsätzen, die zur Unterstützung von Kriegen und
autoritären Regimen dienen. Auch Militärberatungsmissionen müssen beendet
werden. DIE LINKE fordert die Etablierung eines zivilen Katastrophenschutzes
mit eigenen zivilen Kapazitäten unter dem Dach der UNO. Deutschland soll sich
auf internationaler Ebene für eine UN-geführte Katastrophenhilfe einsetzen.
In diese soll das Willy-Brandt-Korps langfristig integriert werden. Alle
ausländischen Militärbasen in Deutschland müssen geschlossen werden. Es darf
nicht sein, dass die Infrastruktur in der Bundesrepublik dazu genutzt wird,
um völkerrechtswidrige Kriege und menschenrechtswidrige Maßnahmen wie die
Verschleppung von Gefangenen zu ermöglichen. Internationale Zusammenarbeit und
Solidarität Unser
Ziel ist eine solidarische Weltwirtschaftsordnung, die nachhaltige
Entwicklungsperspektiven für die ärmeren Länder schafft, globale und soziale,
ökologische und demokratische Rechte durchsetzt, statt die Konkurrenz um
Anteile an weltweiten Exportmärkten voranzutreiben. Direktinvestitionen und
transnationale Konzerne müssen strengen Regeln und Kontrollen unterworfen
werden. Die Einhaltung sozialer und ökologischer Standards muss gewährleistet
sein. Internationale Institutionen müssen demokratisiert werden. Solidarische
Entwicklung und Frieden bedingen einander. Öffentliche
Entwicklungszusammenarbeit muss endlich in Höhe von mindestens 0,7 Prozent
des Bruttoinlandsprodukts geleistet werden, wie es bereits vor Jahrzehnten
vereinbart wurde. Insbesondere jene Länder, die von Unterentwicklung,
Staatszerfall und Bürgerkrieg besonders betroffen sind, müssen gestärkt
werden. Dazu können Maßnahmen wie ein Schuldenerlass, die schnelle Steigerung
der Entwicklungshilfe, die Unterstützung beim Aufbau leistungsfähiger
öffentlicher Dienste, insbesondere in den Bereichen von Bildung, Gesundheit
und Daseinsvorsorge, sowie rechtsstaatlicher demokratischer Strukturen und
ein geeigneter Technologietransfer beitragen. Der
sozial-ökologische Umbau des 21. Jahrhunderts wird nur global und solidarisch
gelingen. Allein die Abwendung einer Klimakatastrophe erfordert nach
Expertenschätzungen jährlich rund 100 Milliarden Dollar
Unterstützungsleistungen des Nordens für den Süden – zusätzlich zu der längst
überfälligen Bereitstellung von 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der
reichen Länder für die Entwicklungshilfe. DIE LINKE fordert, dass die
Bundesrepublik und die Europäische Union ihren finanziellen und technischen
Beitrag zur Armutsbekämpfung und zur Anpassung an den Klimawandel in den
Entwicklungsländern sowie zu dessen Begrenzung ohne jede Vorbedingungen in
der notwendigen Höhe leisten. Umwelttechnologien sollen Entwicklungsländern
unentgeltlich oder zu günstigsten Sonderbedingungen zur Verfügung gestellt
werden. Wir wenden uns strikt gegen jede Verlagerung energie- und
ressourcenaufwendiger Produktion aus dem Norden in den Süden. Entwicklungspolitik
muss die Süd-Süd-Beziehungen sowie regionale Märkte und die kleinbäuerliche
Produktion stärken, die Verarbeitung der Rohstoffe in den Entwicklungsländern
fördern, für faire Preise auf den Weltmärkten sorgen,
Geschlechtergerechtigkeit als entwicklungspolitischen Schwerpunkt begünstigen
und die Bildung von Mädchen und Frauen fördern. Durch die Regulierung der
Finanzmärkte und den Aufbau regionaler Reserven soll die Spekulation mit
Nahrungsgütern unterbunden werden. Importe von Agrarrohstoffen zur
Biospriterzeugung müssen ausgeschlossen werden. Wir sind gegen die Subvention
von Exporten in die Entwicklungsländer und treten dafür ein, diese bei der
Sicherstellung ihrer Ernährungssouveränität zu unterstützen.
Energiepartnerschaften der EU mit Ländern im globalen Süden sollten im
Interesse eines gemeinsamen Einstiegs in die Energiewende gestaltet werden.
Vorhaben, die die Überwindung von Armut, Unterentwicklung und
Umweltzerstörung erschweren, müssen gestoppt werden. 5.
Gemeinsam für einen Politikwechsel und eine bessere Gesellschaft
DIE
LINKE hat begonnen, die politischen Kräfteverhältnisse in der Bundesrepublik
zu verändern. Sie trägt dazu bei, dass die Kämpfe um höhere Löhne, ein
öffentliches Zukunftsinvestitionsprogramm, ein gebührenfreies Studium,
soziale Sicherheit, eine nachhaltige Energiepolitik und um den Schutz der
natürlichen Umwelt, um Demokratie und Frieden mit neuer Kraft geführt werden.
Die Politik kann heute nicht mehr von einem Kartell der neoliberalen Parteien
beherrscht werden. DIE
LINKE steht in grundsätzlicher gesellschaftlicher und politischer Opposition
zu Neoliberalismus und Kapitalherrschaft, imperialistischer Politik und
Krieg. Sie streitet für eine demokratische und soziale, emanzipatorische und
friedliche Gesellschaft. Mit der Mobilisierung von gesellschaftlichem
Widerstand und dem Einsatz für eine grundlegende Umgestaltung machen wir uns
auf den Weg zu einer sozialistischen Gesellschaft. Dabei knüpfen wir an die
sozialstaatlichen, rechtsstaatlichen und demokratischen Errungenschaften
sowie ökologischen Regulierungen an, die in den sozialen und politischen
Auseinandersetzungen der Vergangenheit bereits durchgesetzt wurden. Wir
wollen sie weiterentwickeln und als Ausgangspunkt für weitergehende
Veränderungen nutzen. Die
strategische Kernaufgabe der LINKEN besteht darin, zu einer Veränderung der
gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse beizutragen, um eine solidarische
Umgestaltung der Gesellschaft und eine linke demokratische, soziale,
ökologische und friedliche Politik durchzusetzen. Wir streben eine
Veränderung der Macht- und Eigentumsverhältnisse an. Hierfür ist es
erforderlich, die Solidarität der Lohnabhängigen herzustellen, von den
Kernbelegschaften bis zu den Erwerbslosen und prekär Beschäftigten. Eine
wichtige Aufgabe der LINKEN besteht darin, deren gemeinsame Interessen zu
betonen. Die traditionelle Arbeiterbewegung mit ihrem Zusammenhang von
gewerkschaftlichen und politischen Massenorganisationen, Bildungs- und
Kulturvereinen, Konsumgenossenschaften, Frauen- und Jugendorganisationen und
ihrer tiefen Verankerung in Arbeiterwohngebieten hat sich weitgehend
aufgelöst. Das erschwert die Mobilisierung für große Massenbewegungen gegen
Sozialabbau und Entdemokratisierung und für linke
Alternativen. Wir erleben jedoch Konflikte, die ein neues Klassenbewusstsein
entstehen lassen können. Für
die Entstehung und Durchsetzung von Klassenmacht sind gewerkschaftliche und
politische Organisationen erforderlich, in denen gemeinsame Interessen
formuliert und Kämpfe zu ihrer Durchsetzung geführt werden. Es ist Aufgabe
der Partei DIE LINKE, diesen Prozess bewusst und aktiv zu fördern. Breite linke Bündnisse DIE
LINKE versteht sich als lernende Partei. Sie will gemeinsam mit den
Bürgerinnen und Bürgern Politik gestalten. Wir wissen, dass wir unsere Vorstellungen
von einer besseren Gesellschaft weder allein noch gegen gesellschaftliche
Mehrheiten umsetzen können. Wir wollen durch das bessere Argument –
öffentlich, transparent, kulturvoll und demokratisch – streiten, Konzepte aus
der Gesellschaft aufgreifen, eigene entwickeln und breite gesellschaftliche
Mehrheiten gewinnen. Ein politischer Richtungswechsel lässt sich nicht allein
auf parlamentarischer Ebene durchsetzen. Er kann nur gelingen in einem
Wechselspiel politischer Auseinandersetzungen im außerparlamentarischen und
im parlamentarischen Bereich. Sozialer
Wandel und politische Veränderung müssen aus der Gesellschaft erwachsen und
von vielen Menschen getragen werden. Wir ringen daher um ein breites gesellschaftliches
Bündnis gegen Neoliberalismus und Kapitalherrschaft und für eine linke
demokratische, soziale, ökologische und friedliche Politik zur solidarischen
Umgestaltung der Gesellschaft. Dieses Bündnis soll sowohl Lohnabhängige und
sozial Benachteiligte wie bedrohte Mittelschichten und andere sozial,
libertär und humanitär orientierte Milieus ansprechen. Wir gehen von den
gemeinsamen Interessen abhängig arbeitender, erwerbsloser und diskriminierter
Menschen in Deutschland sowie im europäischen und internationalen Maßstab und
ihren konkreten Problemen aus. Wir
wollen ein Bündnis von Gewerkschaften, globalisierungskritischen und
gesellschaftskritischen Initiativen, sozialen Bewegungen, progressiven
Menschen aus Wissenschaft und Kultur und der parteipolitischen Linken
entwickeln. Wir unterstützen Zusammenschlüsse gegen Neofaschismus, Rassismus,
Antisemitismus und Islamfeindlichkeit und wollen mit allen zusammenwirken,
die sich für soziale Gerechtigkeit, für eine bessere Bildung, Emanzipation
und mehr Demokratie, Frieden und Erhaltung der Natur einsetzen. Für
die Durchsetzung eines politischen Richtungswechsels und einer solidarischen
Umgestaltung brauchen wir starke, aktive, kämpferische und politisch
eigenständig handelnde Gewerkschaften. Sie agieren nicht nur in der
Zivilgesellschaft, sondern sind auch in der Arbeitswelt verankert. Dies
verleiht den gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten eine
gesellschaftliche Machtposition, die von zentraler Bedeutung für die
Durchsetzung sozialer und sozialistischer Umgestaltungen ist. Soziale
Bewegungen mit ihren beweglich agierenden, kampagnenfähigen Netzwerken und
unabhängigen Strukturen haben ebenfalls eine herausragende Bedeutung für die
Durchsetzung gesellschaftlicher Veränderungen. Ausgehend
von ihrer Funktion als linke Partei, bringt DIE LINKE ihre eigenen
Kompetenzen in politische Bündnisse ein und unterstützt sie mit ihren
Ressourcen. Als Partei greifen wir die Anliegen und Aktivitäten unserer
politischen Partner auf und nehmen unsere eigenen Funktionen wahr. Wir
bestärken unsere Mitglieder, in Gewerkschaften, sozialen Organisationen,
Initiativen, Projekten und globalisierungskritischen Bewegungen aktiv
mitzuwirken. Wir
wollen Menschen ermutigen, sich gegen Politik zur Wehr zu setzen, die ihren
Interessen widerspricht - mit Demonstrationen, Bürgerbegehren und zivilem
Ungehorsam, aber auch mit den Mitteln politischer Streiks und des
Generalstreiks. Letztere gehören, wie andere europäische Länder zeigen, zu
den wirksamsten Kampfformen, um den Herrschenden und dem Kapital Grenzen zu
setzen und Veränderungen zu erzwingen. Wir
werden gemeinsam mit anderen linken Kräften an zentralen alternativen
Projekten des Einstiegs in eine andere Richtung gesellschaftlicher
Entwicklung arbeiten und sie mit Nachdruck vertreten. Solche Projekte
erwachsen aus den sozialen und politischen Auseinandersetzungen der Gegenwart
und müssen in öffentlichen Diskussionen und in Aktionen unterschiedlichster
Kräfte entwickelt werden. Die Verbindung von demokratischem und sozialem Protest,
die politische Mitgestaltung in der Gegenwart und die Entwicklung von
langfristigen Reformalternativen verstehen wir als strategische
Herausforderung. Auseinandersetzung mit neoliberaler
Ideologie DIE
LINKE setzt der neoliberalen Ideologie alternative Positionen eines anderen
Entwicklungsweges entgegen. Diese wollen wir mit den Erfahrungen und
Konflikten in den Betrieben, den Kommunen und im Alltagsleben verknüpfen und
in der öffentlichen Auseinandersetzung populär und offensiv vortragen. Die
Zuspitzung der wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Probleme verstehen
wir vor allem als Ergebnisse neoliberal geprägter Antworten auf die neuen
Herausforderungen unter dem Einfluss von Kapitalinteressen sowie als Ausdruck
von Krisenprozessen und Widersprüchen, die die kapitalistische Ökonomie
hervorbringt. Dabei macht DIE LINKE den Widerspruch zwischen
einzelwirtschaftlicher und gesamtgesellschaftlicher Perspektive deutlich. Es
geht um kritische Auseinandersetzung, Öffentlichkeitsarbeit und Aktionen, um
breit angelegte Bildungsarbeit, um das Engagement in Netzwerken und um die
Beteiligung an wissenschaftlichen und publizistischen Diskussionen. Arbeit in den Parlamenten,
Volksvertretungen und Regierungen Parlamentarische
und außerparlamentarische politische Arbeit sind für DIE LINKE untrennbar. In
Wahlen und politischen Kämpfen vertreten wir unsere alternativen
Reformprojekte und wollen Mehrheiten für ihre Durchsetzung gewinnen. Die
parlamentarische Arbeit gestalten wir so, dass sie der Zusammenarbeit mit außerparlamentarischen
linken Kräften und der öffentlichen Darstellung eigener Reformvorschläge und
damit letztlich der Entwicklung neuer gesellschaftlicher Kräfteverhältnisse
und politischer Mehrheiten dient. Wir bemühen uns um Transparenz politischer
Prozesse und wollen Missbrauch politischer Macht aufdecken und verhindern. Parlamentarische
Opposition wie auch das Wirken in Regierungen sind für DIE LINKE Mittel
politischen Handelns und gesellschaftlicher Gestaltung. Der Kampf für die
Verbesserung der Lage von Benachteiligten, die Entwicklung und Durchsetzung
linker Projekte und Reformvorhaben, die Veränderung der Kräfteverhältnisse
und die Einleitung eines Politikwechsels sind der Maßstab für den Erfolg
unseres politischen Handelns. Parlamentarische Bündnisse mit anderen
politischen Kräften gehen wir dann ein, wenn dies den von uns angestrebten
Richtungswechsel in Politik und Gesellschaft fördert. Den unterschiedlichen
Möglichkeiten politischen Wirkens auf kommunaler, Landes-, Bundes- und
europäischer Ebene tragen wir in unserer Politik Rechnung. Entscheidend für
die Durchsetzung eines Politikwechsels ist dabei die bundespolitische Ebene.
Hier liegen die meisten Kompetenzen, die dafür notwendig sind, hier erfolgen
die meisten Weichenstellungen. Voraussetzung
für die Ausstrahlung, den Rückhalt und den Erfolg der LINKEN ist unsere
Glaubwürdigkeit vor und nach den Wahlen. DIE LINKE muss mit ihrem
programmatischen Profil und ihren inhaltlichen Grundpositionen in allen
politischen Konstellationen erkennbar sein. Wir wollen eine andere Politik
und kämpfen dabei um die Hegemonie in der öffentlichen Diskussion.
Regierungsbeteiligungen der LINKEN sind nur sinnvoll, wenn sie eine Abkehr
vom neoliberalen Politikmodell durchsetzen sowie einen sozial-ökologischen
Richtungswechsel einleiten. DIE LINKE strebt dann eine Regierungsbeteiligung
an, wenn wir damit eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen
erreichen können. So lässt sich die politische Kraft der LINKEN und der
sozialen Bewegungen stärken und das bei vielen Menschen existierende Gefühl
von Ohnmacht und Alternativlosigkeit zurückdrängen. Regierungsbeteiligungen
sind konkret unter den jeweiligen Bedingungen zu diskutieren und an diesen
politischen Anforderungen zu messen. Die Entscheidung über Wahlprogramm und
Koalitionsvertrag treffen in diesem Sinne die jeweils zuständigen Parteitage.
An
einer Regierung, die Kriege führt und Kampfeinsätze der Bundeswehr im Ausland
zulässt, die Aufrüstung und Militarisierung vorantreibt, die Privatisierungen
der Daseinsvorsorge oder Sozialabbau betreibt, deren Politik die
Aufgabenerfüllung des Öffentlichen Dienstes verschlechtert, werden wir uns
nicht beteiligen. Im Zentrum eines Politikwechsels stehen für uns auf der
Bundesebene der Ausbau der finanziellen Spielräume der Öffentlichen Hand und
die Stärkung des Sozialstaates. Besonders wichtig ist für uns ein gestärkter
und handlungsfähiger Öffentlicher Dienst, die Durchsetzung des gesetzlichen
Mindestlohns, der Kampf gegen Lohndumping und untertarifliche Bezahlung sowie
die Überwindung des Hartz IV-Systems. DIE LINKE verlangt eine Politik, die
soziale und kulturelle Bildungsprivilegien überwindet und die Lage der
ärmeren Bevölkerungsgruppen verbessert. Sie setzt sich für den Ausbau der
demokratischen Rechte ein, wehrt sich gegen den Überwachungsstaat und weitere
Beschneidungen der Bürgerrechte. Linke
Politik muss sich stets, auch und gerade in Regierungen, auf die
Gewerkschaften und andere soziale Bewegungen und die Mobilisierung
außerparlamentarischen Drucks stützen können, um nicht der strukturellen
Macht von Kapitalinteressen und parlamentarischer Logik zu unterliegen. Wir
wollen die Menschen ermutigen, selbst für ihre Interessen in Aktion zu
treten. Europäische und internationale
Zusammenarbeit Gemeinsam
mit der Partei der Europäischen Linken, den Abgeordneten der linken Fraktion
im Europäischen Parlament, Aktivistinnen und Aktivisten politischer und
sozialer Organisationen und gesellschaftlicher Bewegungen werden wir weiter
für ein demokratisches, soziales, ökologisches und friedliches Europa
kämpfen. Eine solche Neuausrichtung der EU kann nicht allein aus dem
Parlament erzwungen werden. Ohne die wirksame außerparlamentarische
Organisation von Gegenmacht sind sowohl die Demokratisierung der
Institutionen als auch die Demokratisierung von Wirtschaftsmacht in der EU
nicht zu erreichen. Aus diesem Grunde wollen wir eine europaweite Vernetzung
der außerparlamentarischen politischen Netzwerke und Projekte in allen
Sachgebieten nach Kräften fördern. DIE
LINKE wird ihren Beitrag dafür leisten, dass die Partei der Europäischen
Linken als ein wichtiger Faktor im politischen Leben Europas wirken kann.
Ebenso wie unsere Partei in Deutschland ist sie ein Schritt zur Vereinigung
der Linken und kann die Kräfteverhältnisse in Richtung eines demokratischen,
sozialen, ökologischen und friedlichen Europas verschieben. Wir stehen für
die Gleichberechtigung aller Linken innerhalb unserer europäischen Partei.
Wir wollen, dass die Partei der Europäischen Linken ihre Gemeinsamkeiten in
den Mittelpunkt stellt, ohne bestehende Differenzen zu vergessen. Nur wenn
wir auf der Grundlage unserer gemeinsamen Vorstellungen und politischen
Ansätze zusammenfinden, werden wir stark sein. DIE LINKE wird sich in diesem
Sinne weiter mit eigenen Vorschlägen in die Arbeit der Partei der
Europäischen Linken und in die Gestaltung linker Politik in Europa
einbringen. Dabei sind wir auf der Suche nach Partnern, die mit uns gemeinsam
für ein anderes Europa streiten wollen. So entstehen Alternativen, die
mehrheitsfähig werden können, die in die gesellschaftlichen Debatten
eingreifen und Veränderungen im Interesse der Mehrheit der Europäerinnen und
Europäer bewirken können. Besondere
Bedeutung messen wir den Partnerschaftsbeziehungen zu Gliederungen linker
Parteien in anderen europäischen Ländern, insbesondere in den Nachbarstaaten
der Bundesrepublik, bei. DIE LINKE bricht unwiderruflich mit einer eurozentristischen Sichtweise. DIE LINKE ist eine
internationalistische Partei. Sie steht für weltweite Bündnisse mit sozialen
Bewegungen. Ein neuer Politikstil DIE
LINKE steht für einen neuen Politikstil der Transparenz, des
gesellschaftlichen Dialogs und der direkten Bürgerbeteiligung. Sie ist immer
nur so stark, wie sie in der Gesellschaft verankert ist und gesellschaftliche
Unterstützung erfährt. Linke Politik in Parlamenten braucht treibende Kritik,
öffentlichen Druck und außerparlamentarische Mobilisierung. Frauen müssen DIE
LINKE als Vertreterin ihrer Interessen erleben und in ihr einen politischen
Raum finden, in dem sie ungehindert durch patriarchale
Geschlechterverhältnisse für politische Veränderungen streiten können.
Berufspolitikerinnen und Berufspolitiker arbeiten eng mit den ehrenamtlich
für DIE LINKE aktiven Kräften zusammen. Alle Landtags-, Bundestags- und Europaabgeordnete
sind verpflichtet, Angaben über Herkunft und Höhe ihrer Einkünfte zu
veröffentlichen. Kein Parlamentsmitglied darf während der Ausübung des
Mandats auf der Lohnliste eines Unternehmens oder Wirtschaftsverbandes
stehen. Unsere Partei nimmt keine Spenden von Konzernen und Banken entgegen. Die
Potenziale der LINKEN liegen in den Fähigkeiten ihrer Mitglieder, ihrer
gesellschaftlichen Verankerung und Lebenserfahrung. Politische Beteiligung
und Interesse entstehen durch selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Handeln
und demokratische Mitbestimmung bei der Gestaltung und Entwicklung
gesellschaftlicher Prozesse. Diese Vision wollen wir auch in der eigenen
Partei leben. DIE LINKE entwickelt ihre Politik im engen Zusammenwirken von
gewählten Führungsgremien und Mitgliedern in basisdemokratischer Verankerung.
Pluralismus und Transparenz sind tragende Säulen unserer Partei. Bei
politischen Richtungsentscheidungen muss DIE LINKE in der Partei und unter
Beteiligung ihrer außerparlamentarischen Basis diskutieren und in bindenden
Mitgliederentscheiden klären, wie sie sich verhält. Gemeinsam für eine bessere Gesellschaft Immer
mehr Menschen lehnen den ungehemmten Kapitalismus ab und wollen eine
Gesellschaft der Freiheit, der sozialen Gleichheit und Gerechtigkeit und der
Solidarität. Gemeinsam mit ihnen will DIE LINKE für eine demokratische,
soziale und ökologische Gesellschaft kämpfen, für den demokratischen
Sozialismus. Die Alternative ist nicht "Freiheit oder Sozialismus“,
sondern Demokratie und Freiheit in einer Gesellschaft des demokratischen
Sozialismus ohne Ausbeutung und Unterdrückung. Gemeinsam können wir dieses
Land verändern und eine bessere Gesellschaft aufbauen. |